Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Felix Kurmayer, Rudi Larsen, Marcus Strahl © Rolf Bock

BUTTERBROT bestrichen mit männlichen Befindlichkeiten

Butterbrit Ensemble © Rolf Bock

Ein Pflichtstück für Frauen, Männer kennen sich ja ohnehin

Dass sich Ehe und Freiheit widersprechen, ist eine unter dem männlichen Teil der Bevölkerung weit verbreitete Ansicht. So zu verstehen ist auch Peters Triumphgeschrei, als er mit mantraartig wiederholtem „Ich bin ein freier Mann“ in die Zweisamkeit von Stefan und Martin eindringt. Er hätte mit seiner Frau zum Abendessen kommen sollen. Allein, diese hat ihn kurz zuvor hinausgeschmissen, noch dazu an seinem Geburtstag. Er trinkt auf seine wieder gewonnene Freiheit, um am nächsten Tag mit einem Kater und dem Willen, den verrückten Haussegen wieder gerade zu hängen, aufzuwachen. Der Scheidungskandidat wird als dritter im Bunde der zwei Junggesellen aufgenommen. Umso größer ist das Erstaunen, als sich Martin anschickt, das süße Dasein als begehrter Single aufzugeben. Er hat sich verliebt, was wiederum Stefan auf die Palme bringt. Er ist zwar nicht schwul, aber er will Martin um sich haben, außerdem kann er nicht verstehen, warum gerade sein Freund in das Messer einer Heirat und damit in eine für ihn völlig unbrauchbare Form des Zusammenlebens mit einer Frau rennen will.

Marcus Strahl, Rudi Larsen © Rolf Bock

Bei diesem Zusammensein dreier Männer entwickeln sich Gespräche, in denen die seltsame Gefühlslandschaft einer Spezies Mensch, die zufällig mit einem Y-Chromosom ausgestattet wurde, gnadenlos offen gelegt wird. Stefan ist Schauspieler, der mit seiner Berufung hadert und diese Skrupel in ergreifenden Monologen den Freunden und gleichzeitig dem Publikum darlegt, Peter weint in bitterbösen Worten den schönen Momenten mit Lilli nach und Martin genießt in aller Stille seine Verliebtheit, die sich zwangsläufig mit dem Frust der anderen beiden nur schwer verträgt.

Felix Kurmayer, Rudi Larsen © Rolf Bock

Gabriel Barylli hat mit „Butterbrot“ ein zutiefst philosophisches Werk geschaffen, das sich in erster Linie an das andere Geschlecht wendet. Es nimmt sich wie ein flehentlicher Appell an die Frauen aus, versehen mit der Botschaft, endlich die Männer zu verstehen, die doch so ganz anders ticken, als sich das ein vernünftiger Mensch vorstellt. Nur so ist auch der Erfolg dieser Komödie zu erklären, die mit großem Applaus am 15. Februar 2018 im Theater Center Forum Premiere gefeiert hat.

Martin Gesslbauer hat als Regisseur gemeinsam mit den drei Herren Rudi Larsen (Peter), Felix Kurmayer (Martin) und dem Prinzipal der Neuen Bühne Wien himself, Marcus Strahl als Stefan alle Nuancen dieses um weibliches Verständnis heischenden Trialogs freigelegt.

Es ist ein Vergnügen, zusehen zu dürfen, wenn sich Stefan mit Martin um die Erledigung der Hausarbeiten kabelt, wenn Peter in armseliger Machomanier den Wilden heraushängen lässt und alle drei trotzdem auf eine Freundschaft, wie sie angeblich nur unter Männern besteht, bauen können. Ein Satz zum mitnachhause nehmen fällt ganz am Schluss, wenn Peter die anderen beiden Mitglieder dieser Schicksalsgemeinschaft um die Schulter nimmt und sagt: „Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

Rudi Larsen, Marcus Strahl © Rolf Bock

Weitere Vorstellungen von BUTTERBROT gibt es bis 3. März 2018 in Wien im Theater Center Forum, in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark. Für nähere Informationen Logo der Neuen Bühne Wien anklicken!

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