Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Fisch zu viert Ensemble © Rolf Bock

FISCH ZU VIERT Mörderisch gut gebraten

Christine Renhardt, Michael Mischinksy © Rolf Bock

Jede Niedertracht findet ihre Gerechtigkeit

Gottlob gab´s so was nur im 19. Jahrhundert, versichert uns zumindest der Moritatensänger Bernhard Dreisiebner: Drei Frauen und ein Mann, aber der ist ihr Diener. 30 Jahre lang hat er alle ihre Bedürfnisse erfüllt, seine Arbeitgeberinnen in jeder Weise glücklich gemacht und hat verständlicherweise einmal das Bedürfnis, seinen eigenen Träumen nachzugehen. Die drei Schwestern wollen davon aber nichts wissen. Vor allem sind sie nicht in der Lage, ihm den versprochenen Erbteil noch bei Lebzeiten auszuzahlen, damit er seine Weltreise antreten kann. Ihr ganzes Geld steckt in einer Brauerei, die zwar recht gut geht, aber für die drei in die Jahre gekommenen Mädels nichts Bares abwirft. Ihr wenig spannendes Leben bewegt sich zwischen Winteraufenthalt und Sommersitz, der überdies sehr abgelegen an einem einsamen See liegt. Der Diener hat die Koffer zu schleppen, das Klavier von einer Ecke in die andere zu verschieben und muss, obwohl er eine unüberwindliche Aversion gegen Fische hat, nach dem Abgang der Köchin seinen Chefinnen ihm verhasste Flossentiere braten.

Marion Rottenhofer © Rolf Bock

Kann man es dem guten Mann verdenken, wenn er auf blöde Gedanken kommt? Nachdem seine Versuche, das Vermögen der drei Damen im Guten anzuzapfen, kläglich scheitern, hilft nur mehr ein Ausflug in die Kriminalität – so sein Kalkül. Dass er dabei auf drei Gegnerinnen trifft, die ihm in diesen Belangen durchaus gewachsen sind, macht die Sache rund und beschert dem Publikum einen amüsanten Abend in den Niederungen subalterner Geldgier und deren Umgang mit der Schlüpfrigkeit vorgeblich alter Jungfrauen.

Dagmar Truxa © Rolf Bock

Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer haben mit der Komödie „Fisch zu viert“ eine Situation geschaffen, die auf wunderbare Weise keine Guten kennt. So was unterhält! Da wird nicht gejammert und moralisiert, sondern einfach fröhlich drauf los geplant, wie man den bzw. die anderen um die Ecke bringen kann. Regisseur Erich Martin Wolf hat diesen Auftrag der Autoren ernst genommen und diesen „Krimi der subtilen Art“ kurzweilig auf die Bühne der Neuen Tribüne Wien (bis 4.12.2018) gestellt.

Er lässt das Stück origineller Weise mit dem Abspann beginnen, ohne zu viel von den mörderischen Verwicklungen zu verraten. Stimmungsvolle Aufnahmen aus dem Zentralfriedhof lassen zwar Ahnungen aufkommen, die aber mit der ersten gespielten Szene auch schon wieder vergessen sind. Michael Mischinsky ist der kräftige und durchaus potente Diener Rudolf, der die Reminiszenzen an vergangene erotische Vergnügen in der leicht infantilen Clementine weckt. Christine Renhardt spielt rührend mit Blumen und Bändern und glaubt offenbar wirklich an die leeren Versprechen Rudolfs.

Ein anderes Kaliber ist da schon ihre Schwester Cäcilie (Marion Rottenhofer), die den Hang zur Domina in sich trägt und mit der Reitgerte auch noch den alten Angestellten zum festen Griff auf Arsch und Busen animiert. Dass sogar die geschäftstüchtige Charlotte mit dem einzigen Mann im Haushalt ein Techtelmechtel hatte, lässt Dagmar Truxa wohl anklingen, weiß sich aber umgehend Respekt zu verschaffen. Wie die Sache ausgeht, das allerdings muss man sich einfach selber anschauen.

Fisch zu viert Ensemble © Rolf Bock
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