Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Blick auf Wien vom Belvedere Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

DER CANALETTOBLICK als Mahnung an zu mutige Stadtplaner

Franz Xaver Joseph Sandmann oto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

Vom Belvedere aus betrachtet ist Wien ja wirklich noch schön

Man könnte auf den Kahlenberg wandern oder auf den Wilhelminenberg oder auf den Donauturm fahren, stets liegt einem die Stadt zu Füßen. Aber seit Prinz Eugen das Belvedere an einem gar nicht so hohen, aber blickstrategisch einzigartigen Punkt erbauen ließ und 1759/60 Maria Theresia den genialen Vedutenmaler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, mit dem Gemälde „Wien, vom Belvedere aus gesehen“ beauftragte hatte, war diese Ansicht ein Schlüsselwerk für spätere Maler.

Gerhart Frankl, Wiedersehen mit Wien II © Belvedere, Wien

Tatsächlich hat es Generationen von Künstlern inspiriert. Sie haben wie Carl Moll in der schönen Aussicht geschwelgt oder aber wie Gerhart Frankl ihr nicht immer spannungsfreies Verhältnis zu Wien mit Pinsel und Farbe geklärt. Schon kurz nach ihrer Erfindung wurde die Photographie eingesetzt, um die Faszination dieses Standorts in Lichtmalerei festzuhalten. Gerade diese damals neue Technik macht aber anschaulich, wie sehr sich das Motiv im Laufe der Zeit verändert hat und nach wie vor verändert. Was die Kaiserin an Gebäuden auf dem Gemälde sehen wollte, ist teilweise durch andere Baulichkeiten verdeckt. Die Stadt ist eben gewachsen. Diesem natürlichen Vorgang stehen auch Pläne gegenüber, die keineswegs mehr einer behutsamen Erweiterung entsprechen. Das krasseste Beispiel ist der Zankapfel namens Hochhaus am Heumarkt.

Es wird wohl gebaut werden und die Silhouette der Stadt entscheidend verändern oder sagen wir verschandeln. Wobei man aber noch von Glück reden kann, dass der Wiener Wolkenbügel von Coop Himmelblau nicht genommen wurde, der wie ein riesiges graues Monster auf Kirchtürmen und Dachgiebeln lasten würde. Offenbar hat sich noch keiner der politisch Verantwortlichen oder Architekten mit dem Canalettoblick im Kopf vor das Belvedere gestellt und die mehr oder minder genialen Entwürfe damit abgeglichen.

Unbekannter Künstler, Blick auf Wien vom Belvedere © Belvedere, Wien

Das Gemälde selbst befindet sich im Kunsthistorischen Museum und ist in einem derart fragilen Zustand, dass man es besser nicht mehr transportiert. Aber es gibt davon wunderbare Kopien, von denen eine den Eisernen Vorhang im Theater in der Josefstadt schmückt. Das Fehlen tut der Wichtigkeit der Ausstellung „Canalettoblick“ (bis 14. Oktober 218) im Oberen Belvedere jedoch keinen Abbruch. Kurator Markus Fellinger hat dafür Gemälde, Fotos und sogar ein Glasfenster zusammengetragen. In einer medialen Inszenierung ist das Original durchaus präsent.

Per Liveübertragung durch eine Webcam aus der Gemäldegalerie und einem weiteren Livebild mit der heutigen Aussicht vom Standpunkt Canalettos wird das Anliegen dieser Schau spürbar. Direktorin Stella Rollig meint zwar, dass die Ausstellung kein Urteil über neue Bauprojekte abgibt, was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Der Bogen an gezeigten Darstellungen spricht eine eindeutige Sprache. Deutlich hört man die Bitte, von zu gewagten Eingriffen in den Canalettoblick abzusehen.

Tina Blau, Aus dem Belvedere Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
Belvedere Logo 350

Statistik