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Pagliacci Szenenfoto © Werner Kmetisch

CAVALLERIA RUSTICANA & PAGLIACCI Totentanz der Clowns

Pagliacci Szenenfoto © Werner Kmetisch

Viele neue und gute Ideen für zwei oft gespielte Opern

Zwei traumhafte Melodien in zwei verschiedenen Opern an einem Abend; dabei kann es sich nur um Cavalleria rusticana und Pagliacci, besser bekannt als Bajazzo, handeln. Der eine E-musikalische Ohrwurm ist das sogenannte Intermezzo sinfonico, mit dem das Publikum während eines Umbaus in friedliche Osterstimmung versetzt werden soll, der andere die Arie „Ridi, pagliacco“, die in wenigen Takten dem Sänger des Canio eine unglaubliche Fülle an Emotionen ermöglicht. Die Komponisten Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo, der auch das Libretto verfasste, haben sich jeweils auf etwas mehr als eine Stunde beschränkt, um einen durchschlagenden Erfolg zu landen. Damit ein Opernabend auch gefüllt wird und sich der Kauf üblicherweise teurer Karten auszahlt, führt man die 1890 und 1892 entstandenen Werke zusammen auf und entführt damit das Publikum gut drei Stunden lang in das „wahre“ Italien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die damals in der italienischen Oper aufgekommene Richtung des Verismo bestimmt die Handlung und den im Grunde sehr ähnlichen Inhalt der Stücke.

Cavalleria rusticana Szenenfoto © Werner Kmetisch

Was in beiden Fällen als Eifersuchtsmord blutig endet, wird in der Cavalleria von einer vom späteren Opfer zurückgestoßenen jungen Frau, in Bajacco von einem verschmähten Verehrer der Ehefrau des nachmaligen Täters ausgelöst. Es gibt also weder da noch dort ein Happy End und dennoch garantiert die Kombination dieser beiden Opern regen Zuspruch und volle Häuser.

Ezgi Kutlu (Santuzza), Aldo Di Toro (Turiddu) © Werner Kmetisch

In der Oper Graz wurde die schwierigste Aufgabe, nämlich die Inszenierung, an den Italiener Lorenzo Fioroni übertragen. Er kommt aus dem Konzertbetrieb. Fioroni ist auch virtuoser Cellist. Das ist wohl auch der Grund, dass er Musik und Regie harmonisch vereinigen und aus eigentlich abgespielten Stücken noch gewaltig viel Neues herausholen kann, ohne in abgehobenes Regietheater abzugleiten; was er in der Paarung „Cavalleria rusticana & Pagliacci“ eindrucksvoll bewiesen hat.

Ideen abseits des musikalischen Geschehens können durchaus zu einer Vertiefung der Kompositionen beitragen. Pagliacci wird zu einem Totentanz der Clowns. Fioroni lässt seinen Canio in armseligen Klamotten mittels eines Videos in ein Kino gehen, wo als Film das verhängnisvolle Stück läuft, in dem er später seine untreue Nedda erstechen wird. Schauplatz dieser Bluttat ist eine Küche im Stil der 1960er-Jahre. Das kommentierende Publikum stellt der Chor im Zuschauerraum der Oper Graz. Ein besonders reizvoller Gag ist ihm zur Zwischenmusik in der Cavalleria eingefallen. Eine Hand voll Bühnenmusikern spielt diese recht unernst – der omnipräsente Clown Geronimo (Jörn Heypke) darf auf der Trompete sogar kräftig kieksen und Choristen erzählen während dessen am Mikrofon ganz banale Sachen –, bevor die junge Dirigentin Oksana Lyniv mit den Grazer Philharmonikern eine warme Dusche aus schönem Klang über die Zuhörer rieseln lässt, dass einem die Gänsehaut über den Rücken läuft.

 

Die Solisten sind durchwegs stimmsicher und gegen Orchester und Chor absolut durchsetzungsfähig. Berührend sind die Auftritte von Cheryl Studer, die als Mamma Lucia ihre wenigen Einsätze auffallend dramatisch gestaltet. Ezgi Kutlu ist eine Santuzza, die sehens- und hörenswert leidet, dass der Mann, der ihr die Ehre genommen hat, nichts mehr von ihr wissen will. Aber was soll das Bauernmädchen gegen eine Lola (Mareike Jankowski) ausrichten, wenn der Windbeutel von Turiddu trotz deren Heirat mit Alfio (Audin Iversen) in sie verliebt ist. Aldo Di Toro, ein strahlender Tenor, wurde für diese Rolle jedoch vom Kostüm (Annette Braun) in die Kluft eines Fabrikarbeiters gesteckt, was schwer verständlich macht, warum sich zwei Frauen dieser Klasse um ihn bemühen.

In Paggliacci ist Aldo Di Toro der eifersüchtige Canio, der nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch zur Hochform aufläuft. Silvio (Neven Crnić) und Audun Iversen als der hintertriebene Tonio haben neben einem solchen Schwergewicht kein leichtes Spiel, zumal Canio von ihnen zwar in vielerlei Beziehungen hintergangen wird, aber dennoch Gatte von Nedda und Chef dieser Comedia dell´Arte-Truppe ist, dem es einzig und allein obliegt festzustellen: „La commedia è finito.“

Pagliacci Szenenfoto © Wernere Kmetisch
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