Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Pauline Koudelka-Schmerling, Blumenkranz mit Madonnenrelief, 1834 © Belvedere Wien (Detail)

SAG´S DURCH DIE BLUME mit einem prächtigen Strauß in der Orangerie

Franz Werner Tamm, Stillleben mit Kaninchen, Blumen und Früchten Foto: Johannes Stoll © Belvedere W.

Eintauchen ins Biedermeier und seiner angeblichen Freude am harmlosen Schönen

Blumenbilder sind schwerlich als kritisches Statement zu Politik und Gesellschaft einzuordnen. Aber sie haben ihre Fans in Kunstkreisen. Zumeist werden sie den malenden Frauen zugeordnet, die es einfach drauf haben, die Schönheit der Blüten wahrhaftig auf die Leinwand zu bringen. Doch war es ein Mann, der im Biedermeier, also in der Zeit, als man sich mehr oder weniger freiwillig aus der Öffentlichkeit zurückzog und sich in den eigenen vier Wänden mit Erfreulichem umgab, der Blumenmalerei wesentliche Impulse gab. Ferdinand Georg Waldmüller hat sich damit nur ein Jahrzehnt lang beschäftigt, aber in dieser Zeit Akzente gesetzt, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts und später Anfang des 20. Jahrhunderts in diesem Genre aufleuchten. Sogar bei Gustav Klimt und Egon Schiele haben die Blumen neben den Frauenbildnissen entsprechende ästhetische Bedeutung.

Egon Schiele, Bildnis Dr. Franz Martin Haberditzl, 1917 Foto: Johannes Stoll © Belvedere Wien

Der Stil hat sich in der Moderne freilich verändert. Die „neuen“ Blumenbilder sind kantig, zumeist Sonnenblumen, die eine ganz andere Strichführung erfordern als Gladiolen oder üppige Dahlien. Stand Anfangs das prächtige Arrangement Modell, wurde die Blume später zu einem Ausdruck der Vergänglichkeit.

Marie Egner, In der Laube, um 1901 © Belvedere, Wien

Wien war das Zentrum der Blumenmalerei, heißt es zur Ausstellung „Sag´s durch die Blume! Wiener Blumenmalerei von Waldmüller bis Klimt“ (bis 30. September 2018 in der Orangerie). Kurator Rolf Johannsen lässt den Besucher ganz unschuldig in eine Fülle an blühender Pracht eintauchen. Man staunt über die Kunstfertigkeit eines Johann Baptist Drechsler, der Ende des 18. Jahrhunderts mit einer Akribie gemalt hat, dass man die Insekten darauf entdeckt und im Glas der Vase ein Fenster erkennt, dessen Licht den Tisch erhellt.

Pauline Koudelka-Schmerling scheute in ihrem Blumenkranz mit Madonnenrelief nicht vor Kitsch zurück, während sich 60 Jahre später Olga Wisinger-Florian mit „Blühendem Mohn“ dem damals auch hierzulande anbrechenden Impressionismus verschreibt.

Hans Makart kriegt sich in seinem Hang zu Pracht und Üppigkeit nicht ein, wenn es darum geht, ein dekoratives Blumenbouquet zu binden, das durchaus ein Detail eines seiner riesigen Genregemälde sein könnte. Ihm gegenüber steht ein Strauß aus echten Blumen, den Willem de Rooij einfach „Bouquet V“ bezeichnet und damit die Ausstellung durch pralles duftendes Leben und je nach Aufmerksamkeit des Museumspersonals mit Vergänglichkeit in welkenden Köpfen und Blättern ergänzt.

Olga Wisinger-Florian, Blühender Mohn, um 1895/1900 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
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