Kultur und Wein

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Egon Schiele. Wege einer Sammlung Ausstellungsansicht Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien

EGON SCHIELE Die oft verschlungenen Wege einer Sammlung

Egon Schiele, Vier Bäume, 1917 © Belvedere, Wien

Neue Einblicke in Schieles Arbeitsweise und die Geschichte seiner Bilder

2018 war und ist eine Herausforderung für die großen Museen Wiens. Im gemeinsamen Todesjahr der Großen der Wiener Moderne soll und will man jedem von ihnen gerecht werden. Egon Schiele (+31. Oktober 1918) wurde bereits in einigen Ausstellungen gewürdigt, noch nicht aber im Belvedere, das über eine stattliche Sammlung seiner Werke verfügt. Eine Ausstellung mit dem vielschichtigen Titel „Egon Schiele. Wege einer Sammlung“ (bis 17. Februar 2019) wurde nun in der Orangerie eröffnet und ermöglicht einen genauen Blick auf sein Werk und vor allem auf die Provenienz der gezeigten Arbeiten. Was sich eher wie ein trockener wissenschaftlicher Abriss der neuesten Erkenntnisse zu diesem Künstler ausnimmt, ist zu einer spannenden Schau von teils selten gezeigten Werken und einem Wiedersehen mit alten Bekannten geworden. Jedenfalls trifft man alle Gemälde, die sich jemals im Bestand des Belvedere befunden haben.

Egon Schiele, Bildnis Dr. Franz Martin Haberditzl, 1917 Foto: Johannes Stoll © Belvedere Wien

Einige davon haben im Lauf der Zeit den Besitzer gewechselt und sind nun als Leihgaben vertreten. So stammen das „Bildnis Wally Neuzil“ oder „Kardinal und Nonne“ aus dem Leopold Museum, Zeichnung und Aquarelle aus der Albertina. An den präsentierten Archivalien, also Inventarbücher, Korrespondenzen, Tauschprotokolle und Rechnungen, kann der Besucher einen Blick hinter das meist verborgene Treiben der Museen werfen. Einblicke gibt es auch in die Arbeitsweise der Forscher beispielsweise anhand von Röntgenaufnahmen oder der Infrarotreflektografie, die spätere Änderungen durch den Künstler oder fremde Eingriffe für den Experten deutlich offenlegt.

Mutter mit zwei Kindern III, Röntgenaufnahme © Belvedere Wien, Abteilung Restaurierung

Im Zentrum steht das Porträt von Franz Martin Haberditzl. Er war damals Direktor des heutigen Belvedere und hatte eingewilligt, sich von Schiele malen zu lassen. Der sitzende schmächtige Mann mit einem eher bekümmerten Gesichtsausdruck hält scheinbar ratlos das Bild einer Sonnenblume vor sich auf dem Schoß. Bei genauem Hinschauen bemerkt man aber die Wachheit des Blicks, mit dem er der Kunst seiner Zeit begegnet ist. Er schätzte Egon Schiele und ahnte wohl dessen spätere Bedeutung, als er 1917 das Gemälde „Bildnis der Frau des Künstlers, Edith Schiele“ für die von ihm geleitete Galerie und sein Porträt privat erwarb. Schiele selbst beschrieb sein Modell, dem er sich in etlichen Skizzen genähert hatte:

Er ist ganz anders, als man sich einen Museumsmann vorstellt.“ Der Maler hatte in den vielen Gesprächen während der Sitzungen erkannt, dass diesem Menschen eine ganz eigene, besondere Einstellung zu seinem Amt innewohnt, die Leben und Kunst in das Wissen eines Kunsthistorikers einzubeziehen imstande ist. Im Katalog zur Ausstellung ist der Person von Dr. Franz Martin Haberditzl ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem seine für die Zeit bahnbrechenden Leistungen für das Belvedere aufgezählt sind. Die anderen Artikel, allesamt anschaulich mit Objekten der Ausstellung bebildert, geben dem Besucher nicht nur die Möglichkeit, für ihn Interessantes nachzulesen, sondern auch etliches zu entdecken, das er beim ersten Besuch der Originale möglicherweise übersehen hat und das ihn neuerlich in die Orangerie des Belvedere locken könnte.

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