Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Martin Allan Mr. Mistofelees © Deen van Meer

CATS Einladung zum Ball der bunten Jellicle-Katzen

Alexander Auler Munkustrap © Deen van Meer

Die Faszination der Zimmertiger befeuert einen Dauerbrenner des Musicals

Als T.S. Eliot 1933 seinen Gedichtzyklus „Old Possum´s Book of Practical Cats“ veröffentlicht hatte, wäre ihm kaum in den Sinn gekommen, damit das Buch zu einem der erfolgreichsten Musicals der Geschichte geschrieben zu haben. Dank Andrew Lloyd Webber, der 1977 mit ersten Vertonungen begann, wurden diese Katzen zu Bühnenstars, die heute jedes Kind beim Namen hersagen kann. Mit dem sowohl dramatischen wie musikalischen Höhepunkt „Memory“ war ein Hit geboren, der in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Trevor Nunn nun die einzelnen Poems mit seiner unweigerlich ins Ohr gehenden Melodie zu einem schlüssigen Bühnenstück zusammen schweißte. Seit der Uraufführung am 11. Mai 1981 im New London Theatre hat „Cats“ nur volle Häuser gesehen, zweigte in kleine Off-Bühnen ab und sorgt auch dort erstens für begeistert tanzende Katzen und zweitens für ein Publikum, das endlich seinen geliebten Felix zu verstehen glaubt, wenn er neben demonstrierter Faulheit und Verfressenheit eigensinnig das Frauchen anfaucht, um sich im nächsten Moment zum Schmusen heran zu schmieren.

A.L. Cotti Mungojerry, A.C. Buchegger Rumpleteazer © Deen van Meer

Nicht uninteressant wäre, was die Katzen zu ihren Darstellern sagen würden, könnten sie darüber ein Urteil abgeben. Mit Schminke und Kostüm perfekt gestylte Tänzer und Sänger huschen geschmeidig durch die als Müllplatz dekorierte Szene, um im Rahmen des Jellicle-Balls die eine Katze auszuwählen, der ein neues Leben gegönnt ist, nicht zu verwechseln mit den sieben Leben, die diesen zähen Wesen ohnehin zugeschrieben werden.

Ana Milva Gomes Grizabella, Hannah Kenna Thomas Victoria © Deen van Meer

Nachdem Cats in Wien von 1983 bis 1990 gespielt und mit einigen Versuchen dazwischen wieder 2019 ins Ronacher gebracht wurde, ist auch jetzt kein Ende der Aufführungsserie abzusehen. Die erste Verlängerung ist bereits angesagt, wenn Alt Deuteronimus (Rory Six) im dicken Pelz das Geschehen beherrscht und George Maniadis als Alonzo und Rumpum oder Matthew Levick im Fell von Bill Bailey tanzen und singen. Stephen Martin Allan hebt als Mr. Mistofelees sogar die Schwerkraft auf.

Als Grizabella humpelt Wietske van Tongeren bedenklich altersschwach zwischen vor Beweglichkeit und Artistik strotzenden Katzen wie Bombalurina (Birgit Arquin), Carbucketty (Johnny Randall), dem selbstbwussten Rum Tum Tugger (Alex Snova) oder Cassandra (Susanne Murphy). Wenn sie aber ihren Erinnerungen nachhängt und mit einer super feinen Röhre „Memory“ anstimmt, dann bleibt kein Auge trocken. Es ist kein Geheimnis, sie ist die Auserwählte, um mit Old-Deuteronimus zum Heaviside-Layer auszusteigen, also in den sphärischen Raum zu reisen.

Getragen werden sie dabei von Andrew Lloyd Webbers Musik, live zugespielt vom Orchester der VBW unter Herbert Pichler. Bei einem derart intensiven Einsatz mächtiger Klänge stellen sich sogar Katzenhaare vor Wohlbehagen auf. Das Publikum tut´s mit regelmäßigen Standing Ovations beim Schlussapplaus. Stellt sich nur mehr die Frage, was sind nun die wirklichen Namen der schnurrenden Hausgenossen, abgesehen von Minka oder Fritz, die ihm unsere Einfallslosigkeit verpasst hat.

Dominik Hees Rum Tum Tugger, Ensemble © Deen van Meer
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