Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Wie es auch geällt Ensemble © Fabian Steppan

WIE ES EUCH GEFÄLLT Shakespeare anders ernst genommen

Nena Eigner, Max G. Fischnaller © Fabian Steppan

Verliebtes Crossover im fidelen Dukatenforst

Es wird gejodelt, es werden Ländler getanzt und lustige Gstanzln gsungen; das Ganze im Dirndl und im Steireranzug, so richtig zünftig wie auf der Alm oder eben im Wald von Arden, der in Mödling kurzerhand zum Dukatenforst umbenannt wurde. Schließlich sind es ja unverbildete Schäfer, die als Untertanen des guten, aber von seinem bösen Bruder verbannten Herzogs Johann und dessen treuen Gefolgsleuten ein paradiesisches Leben genießen. Sie schmusen mit ihren Schafen und verbringen auch sonst nicht unfreizügig ihre Tage. Am Hof geht´s schon um einiges rauer zu. Der Usurpator Fritz, der nun den Herzog spielt, versucht alle anderen mit seiner Grausamkeit anzustecken. Diesbezüglich hat er in Oliver einen guten Partner gefunden, der seinen verträumten Bruder Orlando piesackt, bis der keinen anderen Ausweg mehr weiß, als in den Wald zu fliehen. Da er in die Tochter von Hans Herzog verliebt ist und sie in ihn, folgt ihm das Mädchen in die lustvolle Wildnis. Mit ihrem Cousin Celius tauscht sie das Geschlecht, erwirbt eine Schäferei und hat schon die verliebte Schäferin Phoebe am Hals.

Claudia Marold, Musiker © Fabian Steppan

Mit dabei ist Schleifenstein, ein Narr von edelster Shakespearscher Ausprägung. Wenn wirklich gescheite Sachen in dieser Komödie gesagt werden, kommen sie zumeist aus seinem Mund. Das Ende ist bekannt: Eine Massentrauung findet statt, da sowohl der Narr die für ihn praktische Kathrin, Phoebe den tollpatschigen Silvius und vor allem Orlando seine Rosalinde heiraten will bzw. muss.

Max G. Fischnaller, Nocole Fendesack © Fabian Steppan

Nicole Fendesack hat es mit ihrer Truppe „Shakespeare in Mödling“ auch heuer wieder geschafft, den Dichter von Stratford-upon-Avon auf ganz eigenwillige Art ernst zu nehmen. Sie kann sich guten Mutes auf die Devise berufen, die ihr Shakespeare in dieses Stück geschrieben hat: „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer nur Schauspieler. Sie treten auf und gehen wieder ab. Sein Leben lang spielt einer manche Rollen.“ In diesem Fall bewahrheitet es sich mit einigen Doppelrollen.

So vereint Clemens Fröschl die doch sehr unterschiedlichen Charaktere Knochenbrecher-Otto und Pater Tonius harmonisch in seiner Person. Johann & Fritz Herzog haben auch im Original nur einen Schauspieler, den Matthias Messner mit einem finsteren und einem freundlichen Gesicht ganz klar definiert. Die ländliche Bevölkerung stellt auch den Wald, der sich vorlaut in das Geschehen einmischt und durch die Gegend wandert. Celius (Andreas Hajdusic) macht auch als Celia eine so gute Figur, dass sich David Czifer als Oliver Knall auf Fall in ihn verliebt und ihn auch als Mann akzeptiert. Als geheimnisvolle Ursula versucht Bettina Soriat Unfrieden in das Idyll zu bringen, scheitert aber an diversen good Vibes in der ruralen Society. Schleifenstein (Jörg Stelling) kommt ganz ohne Narrenkleidung aus – ihm genügt sein geschliffenes Mundwerk – und kriegt wie gesagt seine Kathrin (Claudia Marold), ebenso wie Silvius (Patrick Kaiblinger) die so gar nicht in ihn verliebte Phoebe (Elsa Schwaiger). Sowohl Rosalinde als auch der junge Bursch, der angesichts des Geliebten für prickelnde Szenen sorgt, sind mit Nena Eigner eine reizende Erscheinung.

Kein Wunder dass sich Orlando in sie unsterblich verliebt und die Bäume mit seinen Gedichten malträtiert. Max G. Fischnaller ist dazu ein toller Musiker, der auf der Knopfharmonika gekonnt für Kirtagsstimmung sorgt. Die Regisseurin selbst gibt die Eva, eine alte Frau, die für ihr Alter recht kokett aus dem Strumpfband ihre letzten Ersparnisse hervorzaubert, um damit diesem Crossover an verrückten Verliebtheiten in diesem magischen Wald, egal ob dem von Arden oder im Dukatenforst, zu einem Happy End zu verhelfen.

Claudia Marold mit Schafen © Fabian Steppan

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