Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Mila Schmidt (Wendy), Lorenzo Salvi, Timon Eis, die Verl. Kinder  © Wiener Staatsball./Ashley Taylor

PETER PAN Pas de deux mit dem unfolgsamen Schatten

László Benedek, Patrik Hullman, Piraten © Wiener Staatsballett/Ashley Taylor

Als Märchen macht Ballett auch Kindern Spaß

Fliegen müsste man können, einfach abheben Richtung Nimmerland. Dort blüht noch die Fantasie. Ein Krokodil mit Frühwarnsystem (es hat einen laut tickenden Wecker gefressen), auf der Flucht davor ein böser, böser Captain Hook und seine wilde Schar von Seeräubern, dazwischen Indianer und professionell singende verlorene Kinder mitsamt einer Fee, die man aber nur sieht, wenn man an sie glaubt. Die drei Kinder der Familie Darling haben damit kein Problem. Kaum sind die Eltern außer Haus und das Kindermädchen aus dem Zimmer, erscheint bei ihnen schon der Luftikus Peter Pan. Er ist auf der Suche nach seinem Schatten, der zwar umgehend erscheint, aber keine rechte Lust hat, den jungen Burschen zu begleiten. Nachdem Wendy den unfolgsamen Schatten an Peter Pan angenäht hat, steht nichts mehr im Wege, per Luftreise zu Abenteuern aufzubrechen. Peter Pan ist ein fescher Bursch, also ist die Fee Tinker Bell auch gleich eifersüchtig auf Wendy und die wiederum auf die attraktive Tigerlily, ihres Zeichens Tochter des Indianerhäuptlings. Verlierer auf ganzer Strecke sind die Piraten.

Mila Schmidt, Keisuke Nejime, Timon Eis, Lorenzo Salvi © Wiener Staatsballett/Ashley Taylor

Und die Eltern, die zwar einen anregenden Abend ohne ihren Nachwuchs verbracht haben, sich aber beim besten Willen nicht vorstellen können, dass ihre Kinder das alles tatsächlich erlebt haben sollen, was sie ihn bei der Rückkehr begeistert erzählen.

Häuptlin Mamuka Nikolaishvili mit Roman Chistyakov und Dragos Musat © Wiener Staatsb./Ashley Taylor

Dass man Märchen fast ohne Worte, nur mit dem Tanz erzählen kann, beweist das Wiener Staatsballett auf ganz großartige Weise. Nicht nur die kleinen Zuschauer, die bei der Premiere leider in Unterzahl vertreten waren, sondern auch die Erwachsenen haben damit ihre wahre Freude. Das Bühnenbild und die Kostüme (Alexandra Burgstaller) laden ein, ins liebevoll eingerichtete Kinderzimmer einzutreten, im Indianerlager den Kriegstanz mitzustrampfen oder auf dem Piratenschiff Segel zu hissen.

Zum Tanzen gehört naturgemäß auch Musik, die für diese Produktion Vesna Orlic und Gerald C. Stocker ausgewählt haben. Es darf ruhig auch Erich Wolfgang Korngold sein oder Leroy Anderson, Komponisten, mit denen Kinder an sich wenig am Hut haben. Wenn ihre Klänge das Treiben von Peter Pan und Konsorten mit Melodien und Rhythmen versehen, dann wird daraus ein mitreißendes Gesamtbild, bei dem sich die Frage nach dem woher und warum erübrigt. Schwungvoll und perfekt umgesetzt wird die Musik vom Orchester der Wiener Volksoper unter Wolfram-Maria Märtig, abgesehen vom Flamenco (Malagueña von Isaac Manuel Francisco Albéniz), der solistisch von Andrea Wild an der Gitarre für die zu Spaniern mutierten Freibeuter aufgespielt wird.

 

Die Choreographin Vesna Orlic hat mit dem Wiener Staatsballett selbstverständlich ausschließlich ausgezeichnete Künstler zur Verfügung und weiß diese bestens einzusetzen. Wendy und ihr Bruder John werden von Mila Schmidt und Lorenzo Salvi getanzt, der kleine Michael mit Teddybär von Timon Eis. Ekaterina Fitzka und Samuel Colombet geben ein elegantes Ehepaar Darling ab.

Mit einem Pas de deux an einer Straßenlaterne lassen sie bestimmt etliche Eltern von Stunden ohne die geliebte Brut träumen. Das Kindermädchen (Una Zubović), der tollpatschige Pirat Mr. Smee (Patrik Hullman) und der singende Indianerhäuptling Mamuka Nikolaishvili sind für die komischen Partien zuständig und haben auch verlässlich ihre Lacher. Als Captain Hook zeigt László Benedek, wie man mit Holzbein und einem Eisenhaken an der Linken graziös den Bösewicht gibt. Tainá Ferreira Lutz als Tigerlily und deren Bruder Felipe Vieira sind der tanzende Beweis, wie gut sich Rothäute auf klassisches Ballett verstehen. Eine reizende, aber in ihrer Gekränktheit skrupellose Fee Tinker Bell ist Suzanne Kertész, die letztlich doch beinahe ihr Leben für Peter Pan hingibt, wenn sie das Gift austrinkt. Aber mit einem Appell an das Publikum, doch an Feen zu glauben, lässt sie Pater Pan wieder leuchten. Keisuke Nejime wirbelt so schwerelos zwischen den anderen herum, dass man sich wundert, warum er Seile zum Abheben braucht, fallweise begleitet vom athletischen Robert Weithas als seinen recht eigenwilligen Schatten.

Keisuke Nejime (Peter Pan), Robert Weithas (Peter Pans Schatten)  © Wiener Staatsb./Ashley Taylor
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