Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die drei Nornen © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

DER RING DES NIBELUNGEN Vier gelungene Abende eines Bühnenfestspiels

Stephen Gould als Siegfried  © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Über die Bedeutung eines Kapellmeisters in der Realität eines Opernhauses

Kritik unseres Gastautors Robert Waloch

Zwischen 8. und 20. Jänner gab es für die Saison 2018/19 den einzigen Ring des Nibelungen, der schon dadurch erstaunt, dass sich der Dirigent Axel Kober ohne große Proben auf diese Herausforderung einließ und – gemeinsam mit dem Orchester - beim Publikum von Abend zu Abend immer größere Begeisterung auslöste. Diese vier Aufführungen waren der beste Beweis für die Bedeutung eines Kapellmeisters in der abendlichen Realität eines Opernhauses. Die heutzutage oft als altmodisch oder sogar abwertend empfundene Berufsbezeichnung erfährt durch Repräsentanten wie Kober eine Rehabilitierung. Es mag bei einigen Besetzungen Einwände geben, der Gesamteindruck – nach den finalen „starken Scheiten“ - wird dadurch aber kaum gemindert und bietet so den passenden Übergang zu den einzelnen sängerischen Leistungen. Iréne Theorins Brünnhilde sorgte in „Walküre“ und „Siegfried“ zwar für einige sehr scharfe Höhen, in der „Götterdämmerung“ dann aber für imponierende Strahlkraft. Als ihr Göttervater Wotan hatte Tomasz Konieczny – er sang auch den Gunther - keine Probleme mit Volumen und Durchhaltevermögen.

Jochen Schmeckenbecher als Alberich, Ileana Tonca als Woglinde  © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Seine Vokalverfärbungen sollten aber von einem Gesangspädagogen eingedämmt werden. Sophie Koch gab als Fricka ihr Rollendebüt und nahm der Figur so weit wie möglich das ihr – auch – anhaftende Zänkische. Monika Bohinec lieferte als Erda prächtig klingende Alttöne, Waltraud Meier vertraute als Waltraute auf ihre nach wie vor gegebene Bühnenpräsenz. Kurzfristig eingesprungen, stellte Martina Serafin als Sieglinde ihr hochdramatisches Format unter Beweis. Bei den tiefen Männerstimmen gab es neben Tobias Kehrers Hunding (Hausdebüt!) sowohl bei den Riesen (Jongmin Park/Fasolt, Sorin Coliban/Fafner) wie auch an Gunthers Hof imponierende Auswahl (Falk Struckmann/Hagen, Jochen Schmeckenbecher/Alberich).

Stephen Goulds Siegfried war stimmlich wieder die zentrale Besetzung dieses „Rings“ - er hat derzeit keine Konkurrenz (zumindest nicht durch Christopher Ventris, der sich als Siegmund versuchte). Herwig Pecoraro sollte als Mime vermeiden, die Partie nur zu parodieren, sie ließe sich auch singen. Die jungen Götter in Walhall, die Rheintöchter, die Walküren, die drei Nornen – sie alle waren Teil dieses gelungenen Bühnenfestspiels!

Tomasz Konieczny als Der Wanderer, Herwig Pecoraro als Mime  © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn
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