Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


TOSCA Begeisterung für eine Inszenierung aus 1958!

Sondra Radvanovsky als Floria Tosca  © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Repertoire gegen Premiere

 

von unserem Gastkritiker Robert Waloch

Das Haus am Ring hat es nicht leicht, muss es sich doch gefallen lassen, dass sein traditioneller Repertoire-Betrieb vermehrt mit dem in anderen großen Häusern längst schon üblichen Stagione-System verglichen wird. Neue Produktionen, die für die nächsten zehn Jahre oder auch länger Gültigkeit bewahren sollen, haben es schwer – vor allem bei manchen Vertretern des lokalen (aber auch internationalen) Feuilletons, die unbedingt „zeitgemäße Sichtweisen“ erwarten, was immer das auch sein mag. Mit der Premiere von Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ wurde ein Versuch in diese Richtung unternommen. Angesichts des Resultats durfte gefragt werden: Wozu? Einiges mehr an – berechtigter! - Begeisterung zeigte sich bei der fast zeitgleichen Serie von Tosca-Aufführungen. In dieser Inszenierung stimmt weiterhin alles, auch wenn sie aus dem Jahr 1958 stammt und nun schon über 600-mal eingesetzt wurde. Die Bühnenbilder von Nicola Benois zeigen die drei Schauplätze in geradezu historischer Übereinstimmung:

Piotr Beczala, Sondra Radvanovsky  © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

die Basilika von Sant'Andrea della Valle, Scarpias Büro im Palazzo Farnese und das Plateau der Engelsburg. Nach der Premiere unter Herbert von Karajans Leitung – mit Renata Tebaldi, Tito Gobbi und Giuseppe Zampieri – waren alle Großen ihres Faches in diesem Ambiente zu erleben; die aktuelle Besetzung schloss überzeugend an. Piotr Beczala begeisterte bei seinem Debüt als Cavaradossi – er ist derzeit der mit Abstand führende Spinto-Tenor und geht nun auch als Interpret auf die szenischen Anforderungen seiner Rollen ein. Applaussalven erzwangen die Wiederholung von E lucevan le stelle. Ihm zur (liebenden) Seite Sondra Radvanovsky als hochdramatische Floria Tosca, die ihr Vissi d'arte mit einem zärtlich gehaltenen cosí abschließen konnte.

Der Dritte im Bunde war – kaum so erwartet! – Thomas Hampson, der den Scheitelpunkt seiner Karriere zwar schon überschritten hat, durch Persönlichkeit und Spiel aber – gemeinsam mit dem Sopran – einen fulminanten zweiten Akt lieferte. Ja, avanti a lui tremava tutta Roma! Angesichts dieses Trios hatte Marco Armiliato leichtes Spiel am Pult – er lieferte den Puccini-Teppich, auf dem das mörderische Spiel am Tag der Schlacht von Marengo (14. Juni 1800) seine Wirkung entfaltet.

Thomas Hampson, Sondra Radvanovsky © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Die drei Nornen © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

DER RING DES NIBELUNGEN Vier gelungene Abende eines Bühnenfestspiels

Stephen Gould als Siegfried  © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Über die Bedeutung eines Kapellmeisters in der Realität eines Opernhauses

Kritik unseres Gastautors Robert Waloch

Zwischen 8. und 20. Jänner gab es für die Saison 2018/19 den einzigen Ring des Nibelungen, der schon dadurch erstaunt, dass sich der Dirigent Axel Kober ohne große Proben auf diese Herausforderung einließ und – gemeinsam mit dem Orchester - beim Publikum von Abend zu Abend immer größere Begeisterung auslöste. Diese vier Aufführungen waren der beste Beweis für die Bedeutung eines Kapellmeisters in der abendlichen Realität eines Opernhauses. Die heutzutage oft als altmodisch oder sogar abwertend empfundene Berufsbezeichnung erfährt durch Repräsentanten wie Kober eine Rehabilitierung. Es mag bei einigen Besetzungen Einwände geben, der Gesamteindruck – nach den finalen „starken Scheiten“ - wird dadurch aber kaum gemindert und bietet so den passenden Übergang zu den einzelnen sängerischen Leistungen. Iréne Theorins Brünnhilde sorgte in „Walküre“ und „Siegfried“ zwar für einige sehr scharfe Höhen, in der „Götterdämmerung“ dann aber für imponierende Strahlkraft. Als ihr Göttervater Wotan hatte Tomasz Konieczny – er sang auch den Gunther - keine Probleme mit Volumen und Durchhaltevermögen.

Jochen Schmeckenbecher als Alberich, Ileana Tonca als Woglinde  © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Seine Vokalverfärbungen sollten aber von einem Gesangspädagogen eingedämmt werden. Sophie Koch gab als Fricka ihr Rollendebüt und nahm der Figur so weit wie möglich das ihr – auch – anhaftende Zänkische. Monika Bohinec lieferte als Erda prächtig klingende Alttöne, Waltraud Meier vertraute als Waltraute auf ihre nach wie vor gegebene Bühnenpräsenz. Kurzfristig eingesprungen, stellte Martina Serafin als Sieglinde ihr hochdramatisches Format unter Beweis. Bei den tiefen Männerstimmen gab es neben Tobias Kehrers Hunding (Hausdebüt!) sowohl bei den Riesen (Jongmin Park/Fasolt, Sorin Coliban/Fafner) wie auch an Gunthers Hof imponierende Auswahl (Falk Struckmann/Hagen, Jochen Schmeckenbecher/Alberich).

Stephen Goulds Siegfried war stimmlich wieder die zentrale Besetzung dieses „Rings“ - er hat derzeit keine Konkurrenz (zumindest nicht durch Christopher Ventris, der sich als Siegmund versuchte). Herwig Pecoraro sollte als Mime vermeiden, die Partie nur zu parodieren, sie ließe sich auch singen. Die jungen Götter in Walhall, die Rheintöchter, die Walküren, die drei Nornen – sie alle waren Teil dieses gelungenen Bühnenfestspiels!

Tomasz Konieczny als Der Wanderer, Herwig Pecoraro als Mime  © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn
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