Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Fanny Altenburger, Johannes Terne © Rolf Bock

HONIG IM KOPF Glück als probate Medizin für das Gedächtnis

Gerhard Karzel, Fanny Altenburger, Johannes Terneh © Rolf Bock

Lachen und Weinen mit dem humorigsten Alzheimer-Patienten und seinem tapfersten Enkerl

Was sagt die Vernunft über einen, der diese zu verlieren droht? Es gibt genügend Patentrezepte und schnelle Antworten, aber nur für diejenigen, die davon nicht betroffen sind. Wer mit einer Alzheimererkrankung in seiner Familie persönliche Erfahrungen gemacht hat, wird kaum so schnell Rat wissen wie alle die Außenstehenden, für die so eine Sache an sich ganz klar ist: Ab ins Heim mit dem dementen Hausgenossen, damit er nicht noch die Wohnung in die Luft sprengt, wenn er wieder das Gas nicht abgedreht hat! Dagegen steht aber entschieden die Liebe zu diesem Menschen, zum Vater, zur Mutter, die man ein Leben lang geachtet hat, wegen ihrer Intelligenz, wegen ihrer Schlagfertigkeit und ihres praktischen Denkens. Man will sie trotz aller Gefahren und Mühen, die sie ihren Familienangehörigen machen, bei sich haben und verliert nicht die Hoffnung, dass diese irgendwann aus diesem mühseligen Albtraum der Unvernunft aufwachen. Florian Battermann, ein deutscher Theaterautor, hat den Film von Til Schweiger für die Bühne aufbereitet und mit „Honig im Kopf“ das Thema mutig aufgegriffen.

Johannes Terne © Rolf Bock

Damit wurde sowohl den an Alzheimer Erkrankten als auch den Menschen in deren Umgebung ein Denkmal gesetzt. Mit dem Großvater Amandus, einem einst beliebten Tierarzt, zeichnet er einen Typen, der seinen Humor auch in der Demenz nicht verloren hat. Dass dieser mit den Streichen, die ihm sein Leiden erlaubt, beinahe die Ehe seines Sohnes Niko und dessen Frau Sarah zerstört, merkt er selber ja nicht mehr. Da ist aber noch die Enkeltochter, die den Opa abgöttisch liebt und in scheinbar kindlicher Unvernunft den alten Herrn nach Venedig entführt, an den Ort, an dem er mit seiner mittlerweile verstorbenen Gattin glücklich gewesen ist. Sie ist gewiss, dass eine solche Reise die beste Medizin gegen das peinigende Vergessen ist.

Heinz-Arthur Boltuch, Barbara Kaudelka, Natascha Shalaby © Rolf Bock

Im Theater Center Forum hat sich die Truppe um Marcus Strahl, die Neue Bühne Wien, die Herausforderung gestellt und die ganze Problematik dieser besinnlichen Komödie mit einer Bombenbesetzung beeindruckend in Angriff genommen. Sam Madwar hat bei aller Tragik des Stoffs mit dem ihm eigentümlichen Augenzwinkern das Lächeln hinter Tränen sichtbar gemacht. Die Bühne ermöglicht mit geschickten Schiebewänden und Projektionen eine beachtliche Anzahl von Schauplätzen.

Sie sind das Werk von Martin Gesslbauer und Andreas Ivancsics. Dazwischen agieren in den verschiedensten Rollen Gerhard Karzel unter anderem als Pfarrer, Arzt, Polizist, hilfsbereiter Erdal und italienischer Rezeptionist, sowie Natascha Shalaby als Sarahs Mutter, Kinderärztin, Polizistin oder Mutter Oberin. Die viel beschäftigten Eltern sind Sarah (Barbara Kaudelka) und Niko (Heinz-Arthur Boltuch), die verständlicherweise wenig Verständnis für einen unter krankhafter Verwirrung leidenden Mitbewohner aufbringen. Dass es sich beim Großvater Amandus Rosenbach um Johannes Terne handelt, macht ihre Aufgabe nicht gerade einfacher. Er verleiht seinem „Patienten“ neben aller Glaubhaftigkeit einer Demenz eine Riesenportion Charme und Humor.

Er verleiht seinem „Patienten“ neben aller Glaubhaftigkeit der Demenz eine Riesenportion Charme und Humor. Man kann ihm einfach nicht böse sein kann, wenn er die High Heels von Sarah im Backofen röstet, die Hecke auf zehn Zentimeter kürzt und die Gäste des Gartenfests mit einem Feuerwerk ins Spital schießt. Trotz allem hält seine Principessa Tilda eisern zu ihm. Ihre Darstellerin Fanny Altenburger ist zwar älter als elf Jahre. Aber trotz ihrer Jugend, sie ist 19, bringt sie mit ihrem „Opa“ das Publikum gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen.

Johannes Terne, Fanny Altenburger © Rolf Bock

Hinweis:

Das Stück wird noch bis 23. März 2019 im Theater Center Forum gespielt und geht dann auf Tournee.

 

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