Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Stefano Bernardin, Dagmar Bernhard © Karl Satzinger

GEBRÜLLT VOR LACHEN Zwei G´störte auf der Suche nach Harmonie

Stefano Bernardin, Dagmar Bernhard © Karl Satzinger

Ein nicht unamüsanter Zweikampf am Thunfischregal

Wie viel Jammer man in nur zweieinhalb Monologen unterbringen kann, zeigt uns der US-Dramatiker Christopher Durang. Er lässt eine Frau und einen Mann in einem Supermarkt an einem Thunfischregal aufeinanderprallen. Die Begegnung endet damit, dass sie ihm auf den Schädel haut und davon rennt. Die Heftigkeit dieses ungewöhnlichen Flirts macht sich in beider Seelen so breit, dass sie das Geschehen mit zunehmender Intensität verfolgt. In Monolog eins erzählt sie dem Publikum den ursprünglichen Ablauf, ohne zu verschweigen, dass sie verrückt ist. Die Welt hat sich gegen sie verschworen. Sogar der Taxifahrer lässt sie ihre Bedeutungslosigkeit spüren und bringt sie dazu rücklings in den Straßengraben zu fallen, ganz zu schweigen von einem Straßenmusikanten, der nach ersten Hilfeangeboten resigniert feststellt, dass sie sich besser in die Klappsmühle begeben sollte. Was sie insofern ernst nimmt, da sie sich tatsächlich in entsprechender Behandlung befindet. Dass ihr bedauernswerter männlicher Widerpart unter ähnlichen Problemen wie sie leidet, kann sie ja nicht wissen.

Stefano Bernardin, Dagmar Bernhard © Karl Satzinger

In Monolog zwei erfährt man seine Troubles mit dem Leben, das auch durch Absolvierung eines Seminars für Positivdenken um kein Haar besser geworden ist. Er ist und bleibt ein Loser voller Neurosen und ohne eine Spur von Selbstbewusstsein. Im halben Monolog (es treten beide gleichzeitig auf und reden, aber nicht wirklich miteinander) wird schließlich die Szene am Thunfischregal in mehreren Versionen durchgespielt, kommt aber nie zu einem guten Ende. Viel mehr wird daraus in den Träumen, in denen sich beide immer wieder begegnen, Mord und Totschlag aus der an sich alltäglichen Situation und nebenbei eine wortreiche Abrechung mit allem, was der Menschheit irgendwann heilig war.

Dagmar Bernhard und Stefano Bernardin spielen in bewundernswerter Gesprächigkeit die beiden Frustrierten. Gelenkt werden sie dabei von der Regie eines Hubsi Kramer, der ihnen aber die nötige Freiheit lässt, spontan auf Äußerungen des Publikums witzig zu reagieren. So lange sie jeweils allein auf der Bühne stehen, sind sie auf einen ungeheuer dichten Text angewiesen, den sie in der Art und Weise von Stand-up-Comedians unter anderem mit blitzartigem Rollentausch über die Rampe pfeffern. Bernhard, also sie, fragt allen Ernstes, ob irgendwer bestätigen kann, dass mit einem Geschlechtsverkehr Suizidgelüste verbunden sind, und er, Bernardin, lässt den lieben, aber in der Zeit etwas hinten gebliebenen Gott mit dem schwulen Erzengel Gabriel über Sex, Aids und die Strafbarkeit von sinnlicher Ausschweifung debattieren.

An Pointen mangelt es also nicht; auch nicht im dritten Teil, wenn das Prager Kindl, eine fromm geschmückte Darstellung des Jesuskindes, auftritt. Wegen seiner Borniertheit wird es von der Frau in der Traumrolle einer Showmasterin angeschossen, spuckt aber fröhlich die Kugeln aus. Es sind Traumsequenzen, die von den beiden Darstellern virtuos in einer Zwischenwelt aus Wirklichkeit und Fiktion balanciert werden. Wer sich darin selbst finden möchte, ist herzlich dazu eingeladen, den Satz „Gebrüllt vor Lachen“ weiter zu hören. Die Ergänzung dieses vielversprechenden Titels lautet „inmitten allerheftigsten Leids“ (Zitat: Samuel Beckett).

Dagmar Bernhard © Karl Satzinger
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