Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Euryanthe Ensemble © Monika Rittershaus

EURYANTHE Lust und Liebesleid romantisch rasend

Euryanthe, Norman Reinhardt, Jacquelyn Wagner & Ensemble © Monika Rittershaus

Eine düstere alte G´schicht hell und luftig inszeniert

Man muss über den Schwulst einfach hinwegschmunzeln, den eine gewisse Helmina von Chézy, geb. Freiin von Klenke in das nicht unbedingt gelungene Libretto für Carl Maria von Webers zweite Oper mit all dem Pathos eines von überschießenden Emotionen vollen Herzens hineingedichtet hat. Weber selbst, so sagt die Operngeschichte, hat den Text eigenhändig bearbeitet und damit oft sperrige Sätze seiner Musik einigermaßen gefügig gemacht. Angeblich hat sich der Komponist auch an Stelle eines Leberflecks, dem Geheimnis Euryanthes, die Schauergeschichte um Emma ausgedacht, die sich mittels eines mit Gift gefüllten Rings umgebracht hat und seitdem als Gespenst durch die Gegend geistern muss. Das Theater an der Wien hat all das nicht gestört und diese selten gespielte Große Oper produziert. Es handelt sich um wunderbare, in der Instrumentierung und fortschrittlichen Harmonik ausnehmend farbenprächtige Musik. Dazu kommen schmetternde Chöre (sehr präzise: Arnold Schönberg Chor unter Erwin Ortner), natürlich auch ein typisch Weberischer Jägerchor.

Jacquelyn Wagner (Euryanthe), Theresa Kronthaler (Eglantine) © Monika Rittershaus

Vor allem sind es feine Arien wie das lyrische „Unter blüh´nden Mandelbäumen“ (Adolar) oder Euryanthes „Lass mich empor zum Lichte wallen“; zwar keine Ohrwürmer a la Freischütz, aber doch eine großartige Gelegenheit für die Solisten ihr Können zu zeigen. Das Drama selbst gibt ebenfalls vor allem für Freunde des romantischen Genres einiges her. Bei Hofe werden Intrigen gesponnen, die ganz deutlich unschuldige Euryanthe wird grausam von ihrem Geliebten verstoßen und beschließt in einer entlegenen Waldschlucht ihr Dasein zu beenden. Gefunden wird sie von einer lustigen Jagdgesellschaft unter der Leitung des Königs, um knapp dem Tode entronnen ihrem Herzblatt zugeführt zu werden. Ihr Rufmörder ersticht seine Gehilfin und steht unter den strahlenden Dur-Klängen der siegreichen Tugend als recht dreckiger Verlierer da.

Theresa Kronthaler (Eglantine), Andrew Foster-Willi ams (Lysiart) © Monika Rittershaus

Christoph Loy hat diesem mittelalterlichen Gruselroman einiges von seiner Düsternis genommen, indem er ihn in einem hellen Raum spielen lässt. Die Bühne (Johannes Leiacker) ist ein hoher Saal, der mit nichts als einem Bett, einem Flügel und einem Stuhl bestückt ist. Das einzige Requisit ist das Kästchen mit dem Giftring. Aber das genügt vollauf, um mithilfe der traumhaften Musik das Publikum stets wissen zu lassen, ob es sich fürchten, empören oder das Taschentuch ziehen soll.

Das Orchester mit entsprechend üppiger Besetzung leitet Constantin Trinks. Er darf sich dabei über Musiker freuen, die auch die heikelsten offenen Stellen souverän meistern. Chapeau! vor dem 1. Fagott, das im Pianissimo die zum Sterben unglückliche Euryanthe so was von gefühlvoll begleitet. Jacquelyn Wagner ist für diese Rolle wie geschaffen. Ihr Sopran überträgt bewegend die Herzenswärme dieser Sagengestalt auf die Zuhörer, die ganz gerne die Fäuste gegen den dummen Adolar (der lyrische Tenor Norman Reinhardt) ballen möchten, wenn er überwältigt von einer übertriebenen Eifersucht die zu Unrecht eines Seitensprungs beschuldigte Euryanthe umgehend erschlagen will. Die wirklich Bösen sind Lysiart (Andrew Foster-Williams, der auch nackt ausnehmend bella figura macht und mit einem herrlichen Bariton reüssiert) und Eglantine.

Theresa Kronthaler lässt die unglücklich in Adolar Verliebte sowohl als Mezzo mit beeindruckend sicherer Höhe als auch als Schauspielerin glänzen. Ist ja wirklich eine blöde Situation, dass ausgerechnet Lysiart in Eurianthe und Eglantine in Adolar verschossen sind. Das Erlebnis eines mächtigen Basses bietet Stefan Cerny als König Ludwig VI., der trotz ausnehmend deutlicher Artikulation auf taube Ohren stößt, wenn er zwischen den Kontrahenten vermittelnd eingreifen will.

Stefan Cerny (König Ludwig VI.), Jacquelyn Wagner ( Euryanthe) © Monika Rittershaus
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