Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Andreas Sosko, Beater Gramer, Christian Schiesser © Rolf Bock

WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF und nie geborenen Kindern?

Dagmar Truxa, Christian Schiesser © Rolf Bock

Wenn Gäste um zwei Uhr nachts geladen sind...

Von einer Gesellschaft Intellektueller sollte man eigentlich niveauvolle Gespräche und ansprechende Umgangsformen erwarten dürfen. Der US-amerikanische Autor Edward Albee hat diese Leute offenbar besser gekannt. In „Who´s afraid of Virginia Woolf?“ (Wer hat Angst vor Virginia Woolf?) präsentiert er uns ein solches Quartett mit all der menschlichen Unzulänglichkeit, die offenbar vor niemandem Halt macht. Der Geschichtsprofessor George ist der Schwiegersohn des allmächtigen Dekans des Collages, an dem er unterrichtet. Seine Frau Martha wirft ihm wohl nicht grundlos vor, sie nur wegen ihres Dad und den damit verbundenen Aufstiegschancen geheiratet zu haben und behandelt ihn auch entsprechend erniedrigend. Zur nachtschlafenden Zeit, zwei Uhr, schleppt sie ihm Gäste ins Haus, mit denen sie den Abend zuvor auswärts verbracht haben. Es sind der junge Biologieprofessor Nick und dessen Frau Honey, die auf den ersten Blick den Eindruck eines verliebten Paares machen und sich selber über die späte Einladung zu wundern scheinen.

Dagmar TRuxa © Rolf Bock

Unmengen von harten Getränken und die Grobheiten von George reißen aber in Kürze die Fassade ein, die üblicherweise zwischen Gästen und Gastgebern zumindest eine Weile mit freundlichem Smalltalk aufgebaut bleibt. Martha will nichts als mit Nick ins Bett. Honey säuft einen Brandy nach dem andern, bis sie sich übergeben muss und George beginnt scheinbar rücksichtslos mit Spielen, die aber am Ende die Wahrheit zutage bringen. Es sind bei beiden Paaren die nie geborenen Kinder, bei Honey die Angst vor den Schmerzen, bei Martha ein erfundener Sohn, der trennend zwischen ihr und ihrem Mann steht.

Andras Sosko, Christian Schiesser © Rolf Bock

Im Theater Experiment wird schnell klar, woher der Titel des Stücks kommt. Es ist ein Lied, das immer wieder von den Angeheiterten gesungen wird. Damit hat Regisseur Erich Martin Wolf die Schiene gelegt, auf der dieses bedrückende Drama ohne Depressionen über die wahrlich nicht allzu große Bühne fährt. Das helle Licht und das freundlich weiße Wohnzimmer (Bühne Hausherr Erwin Bail), tragen das ihre dazu bei, um sich auf die fein-bitteren Nuancen der Gespräche konzentrieren zu können.

Dagmar Truxa ist eine Martha, die auch nach etlichen Gin mit Eis den etwas schüchternen und ob ihrer Zudringlichkeiten anfangs peinlich berührten Nick (Andras Sosko) zum „Fick die Hausfrau!“ ins Schlafzimmer bewegen kann. Dessen Putzi, so heißt Honey in dieser Inszenierung, gesteht derweil ihre Angst vor einem Kind, und nach vielen trotzigen Tränen wird aus der angeblich erfundenen Schwangerschaft schließlich eine verheimlichte Abtreibung.

Beate Gramer changiert beeindruckend zwischen der geistig etwas unbedarften Kleinen und der harten Frau, die ihren ach so hoch gebildeten Gatten diesbezüglich vollkommen zum unwissenden Narren gemacht hat. Als unerbittlicher Inquisitor schwingt sich Christian Schiesser als „Spielleiter“ George auf. Wenn ihn seine Frau auch als Niete hinstellt – sie tut das auch nach bestandenem Beischlaf mit Nick –, wird er doch zur Schlüsselfigur, der auch dieses Stück sein versöhnliches Ende verdankt.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf Ensemble © Rolf Bock
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