Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Anwendungen Kolo Moser und die Bühne Ausstellungsansicht

ANWENDUNGEN Koloman Moser und seine Ideen für die Bühne

"Der Bergsee" (Oper von Julius Bittner) Bühnenbildentwurf © KHM-Museumsverband

Die wenig bekannte Facette eines „Tausendkünstlers“

Das Jahr 1918 hatte es in sich. Unter den großen österreichischen Künstlern richtete der Tod einen Kahlschlag an. So verschied am 18. Oktober Koloman Moser, einer der Wegbereiter des Modernen Wien. Mit seinen Werken hat er ähnlich wie der im selben Jahr verstorbene Otto Wagner seiner Stadt ein unverwechselbares Gesicht gegeben. Er war Maler, Grafiker und Designer, der sein Leben lang hohe Kunst mit solidem Handwerk verband. Für ihn gab es kein L´Art pour l´Art. Sein Schaffen musste stets einen über das rein Ästhetische hinaus gehenden Zweck erfüllen, auch die Malerei, die vielfach für die Vorbereitung praktischer Anwendungen herhalten musste. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er sich auch der Bühne zuwandte. Ihn reizte die Umsetzung von Inhalt und Musik auf der Leinwand, die von braven Bühnenhandwerkern als Kulissen ausgeführt, dem Publikum das Erleben eines Theaters oder einer Oper zum Gesamtkunstwerk erheben sollte. Ein Probegalopp waren die „grafischen Arbeiten“ zum Wiener Volkstheater in Raimunds „Der Verschwender“ für Ver Sacrum.

Plakatsujet zur Ausstellung "Anwendungen. Koloman Moser und die Bühne" © KHM-Museumsverband

Sie kamen ebenso wenig wie die folgenden Zeichnungen zum modernen Bühnentanz von Loïe Fuller und Isidora Duncan zum Einsatz auf der Bühne. Erst die sogenannte Bühnereform-Bewegung ergab für Kolo Moser die Möglichkeit, seine diesbezügliche Kunst „in Anwendung“ zu bringen. Mit Felix Saltens Jung-Wiener Theater „Zum lieben Augustin“ wurde schließlich von ihm die „Stilbühne“ entwickelt und später, allerdings ebenfalls nicht ausgeführt, die erste komplette Theaterausstattung für Hebbels Tragödie Genoveva, die in einer Inszenierung durch Hermann Bahr für Max Reinhardts Deutsches Theater Berlin gedacht war.

 

Das Theatermuseum zeigt nun in Ergänzung zu der ab dem 19. Dezember 2018 folgenden Gesamtschau des Werkes von Koloman Moser im MAK seine Theaterarbeiten in einer eigenen Ausstellung mit dem Titel „Anwendungen. Koloman Moser und die Bühne“ (bis 22. April 2019). Zu finden sind dort Entwürfe, angefangen von intimen Kabarettbühnen bis zur großen Opernausstattung.

Highlights sind dabei das berühmte Gemälde von Gustav Klimt „Nuda Veritas“, einst im Besitz von Hermann Bahr, und die vom Theatermuseum kürzlich erworbenen Bühnenbild- und Kostümentwürfe zu Julius Bittners Oper „Der Bergsee“. Vielleicht ist dieses Erinnern an den Komponisten Bittner ein Anstoß, sich Partituren und Libretti genauer anzusehen. Seine Opern wurden schlicht vergessen. Zu ihrer Zeit sorgten sie jedoch für Aufsehen, wohl nicht zuletzt aufgrund der Bühnenbilder von Koloman Moser, die kurz nach der Uraufführung von „Der Bergsee“ an der Wiener Hof-Oper in Wort und Bild als Mappenwerk erschienen sind und damit zu ihrer Zeit bereits eine Art Merchandising im Bereich der Hochkultur dargestellt haben.

"Das Phantom" (Hermann Bahr) Nicht realisierter Bühnenbildentwurf, um 1913 © KHM-Museumsverband

Buehnenbildentwurf zu "Kasimir und Karoline" von Caspar Neher zur Uraufführung, Leipzig 1932 © KHM

ÖDÖN VON HORVATH UND DAS THEATER fürs Museum inszeniert

Einblick in die Ausstellung Theatermuseum © KHM-Museumsverband

Kritische Vorahnungen im Bühnenspektakel sichtbar gemacht

Um Ödön von Horváth kommt man als Theaterfreund nicht herum. Seine „Geschichten aus dem Wiener Wald“ sind zum Volksstück schlechthin geworden. So düster die Handlung auch sein mag, sie spiegelt dennoch die Wirklichkeit derart ungeschminkt wider, dass sich jeder Zuschauer in einer der Rollen zu finden vermag. Man braucht Ödön von Horváth also nicht näher vorzustellen. Seine Stücke werden regelmäßig in großen und kleinen Theatern aufgeführt, meist mit Erfolg. Der Name Horváth ist bereits Garant genug für regen Publikumszulauf. Regisseure haben bei ihm Gelegenheit, die bösartigen Tiefen seiner Charaktere bis zum Gruseln deutlich zu machen und die Schauspieler lieben seine der Alltagssprache nahen Texte, die Horváth nachvollziehbaren Typen in den Mund gelegt hat. Trotzdem kann man nicht genug von ihm reden, zumal in einem von einer Gesinnung geprägten Umfeld, das deutlich wie schon lange nicht demjenigen gleicht, in dem Horváth seine Romane und Stücke geschrieben hat.

Einblick in die Ausstellung Theatermuseum © KHM-Museumsverband

Er selbst hat sich nicht zu Unrecht als „Chronist seiner Zeit“, also auch der unseren, gesehen und an einer steten „Demaskierung des Bewusstseins“ mittels seiner Tätigkeit gearbeitet. Allen wachen Geistern wurde er zum Vorbild, so den Autoren Peter Handke, Peter Turrini, Wolfgang Bauer, Franz Xaver Kroetz, Werner Schwab, auch der Schriftstellerin Elfriede Jelinek, und nicht zuletzt einem Felix Mitterer. Horváth selbst wurde nur 36 Jahre alt, als ihn in Paris in einem Park während eines Sturms ein Ast erschlug.

 

Für das Theatermuseum hat der Bühnebildner und Ausstellungsgestalter Peter Karlhuber Horváth inszeniert. Er lässt den Besucher in die Bühnenwelt des in der Ausstellung vorgestellten Autors regelrecht eintreten, besser, ihn selbst dort auftreten. Er findet sich am Oktoberfest vor dem Ringelspiel aus „Kasimir und Karoline“ wie im Lachkabinett im Spiegel wieder, erschrickt in der „Italienischen Nacht“ zwischen Scherben von Bierkrügen und zertrümmerten Wirtshausbänken als Folgen einer von den Nazis angezettelten Saalschlacht und gruselt sich vor dem Fleischhauer, wenn der sich in Gestalt von Helmut Qualtinger über das Abstechen einer Sau seine blutigen Gedanken macht. Für Emotionen ist in diesere Ausstellung also gesorgt.

Das Wissen liefern Videos, Bilder und Saaltexte, die von Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar stammen, zwei Experten für diesen Schriftsteller. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Autorin, vor allem aber Mitarbeiterin bei der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke von Ödön von Horváth. Er ist seit 2008 Mitarbeiter an dieser Ausgabe und Herausgeber mehrerer Teilbände wie dem zuletzt erschienenen Band: Ödön von Horvath: Sportmärchen, Kurzprosa und Werkprojekte Prosa. Im wahrsten Sinn zu erleben ist „Ödön von Horváth und das Theater“ bis 11. Februar 2019.

Einblick in die Ausstellung Theatermuseum © KHM-Museumsverband
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