Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Alles tanzt Ausstellungsansicht

ALLES TANZT Ein bewegtes Jahrhundert Wiener Tanzmoderne

Tanzschule Hellerau-Laxenburg, 1929, Foto: Wilhelm Willinger © KHM-Museumsverband

Bilder und Performances als Auffrischung des kulturellen Gedächtnisses

Es geht um Ausdruckstanz, um rhythmische Bewegung abseits von Ballett, Walzer und Disco. Zumeist waren und sind es Frauen, die eine eigenständige Kunstform des Tanzes entwickelt haben, den sogenannten Modernen Tanz, für den Wien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts als internationales Zentrum galt. Eine Ausstellung im Theater Museum unternimmt nun mit dem Titel „Alles tanzt. Kosmos der Wiener Tanzmoderne“ (bis 10.02.2020) den Versuch, diese Richtung des Tanzes wieder in Erinnerung zu rufen und von den vielen andere Formen der musikalischen Bewegung abzugrenzen. In erster Linie sind es die Protagonistinnen, die vorgestellt werden, deren Bewegungsrepertoire in Fotos festgehalten wurde, später auch in Filmen und Videos. Ausgangspunkt für die Kuratoren Andrea Amort und Thomas Hamann war die 2015 erfolgte Übergabe des umfangreichen Text-Nachlasses der Tänzerin, Choreografin und Pädagogin Rosalia Chladek an das neu gegründete Tanz-Archiv der Musik und Privatuniversität der Stadt Wien (MUK).

Isadora Duncan, o. J., Foto: Anonym

Es sollte aber keine Chladek-Personale werden. Ihnen ging es vielmehr darum, den Aufbruch zum Modernen Tanz in Wien seit 1900 anschaulich zu machen. Dass das Jahr 1938 und das NS-Regime eine Zäsur und einen brutalen Kahlschlag in den Reihen der Tänzerinnen bedeutete, wird ebenso eindringlich dargestellt wie der Neubeginn und die unmittelbare Gegenwart mit ihren Lehrmethoden und Tanztechniken.

 

Die Ausstellung ist in einen DOKU-Raum und einen KUNST-Raum eingeteilt. Die historischen Materialien werden von Wandtexten begleitet, an denen für viele Besucher Namen auftauchen und ihnen nähergebracht werden, die bisher nur einem kleinen eingeweihten Kreis bekannt waren.

Grete Wiesenthal, Valeria Kratina, Hilde Holger waren u. a. die Stars einer Szene, die seinerzeit bestimmt mehr Breitenwirkung erzielt hatte als heutige Tanzfestivals. So lichtete Madame D´Ora die Tänzerinnen des Ensembles Gertrud Bodenwieser in deren Programm „Dämon Maschine“ oder Elsie Altmann-Loos als Femme fatale ab und bewegte sich mit der freizügigen Darstellung von kunstvoll arrangierten Frauenkörpern am Rande eines gesellschaftlichen Skandals. Heute ist man gottlob so weit, daran nichts Anstößiges mehr zu finden und kann sich auf die Ästhetik der grazilen Bewegung genussvoll konzentrieren. Auch dazu gibt es im Rahmen der Ausstellung Gelegenheit, wenn im Eroica-Saal Tänzerinnen der freien Szene und Studierende der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien unter dem Motto „Rosalia Chaldek Reenacted“ historische Soli in neuem Gewand vorstellen. (Fr., 29. u. Sa., 30.03., 19.30 Uhr, So., 31.03. 2019, 11 Uhr.)

Mafdame D´Ora: Tänzerinnen des Ensembles Gertrud Bodenwieser © KHM Museumsverband
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