Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Maria Stuart Ensemble © Barbara Palffy

MARIA STUART Alle Register der Verständlichkeit gezogen

Alexander Rossi (Leicester), Alexandra-Maria Timmel (Elisabeth) © Barbara Palffy

Zwei Frauen im zeitlosen Kampf um Anerkennung, Macht und Liebe

Es war schon die Rede, Maria von Schottland heilig zu sprechen. Immerhin ist sei auch für ihr Bekenntnis zu Papst und Katholizismus gestorben. Vertieft man sich allerdings in ihren kurzen Lebenslauf, erscheint uns eine Frau, die Gebote wie „Du sollt nicht töten“ nicht allzu ernst genommen hat. Ihr wurde vorgeworfen, ihren Gemahl Darnley seinen Mördern ausgeliefert zu haben. Wenn auch die Historiker bis heute darüber streiten, ob sie von diesem Anschlag gewusst hat, verdanken wir Friedrich Schiller eine klare Antwort. Er lässt sie selbst das Geständnis ablegen, dass sie es zumindest zugelassen hätte, ihren ungeliebten Mann zu beseitigen. Die größere Gefahr ging von ihr jedoch für die regierende Königin von England aus. Die anglikanische Elisabeth wusste zu gut Bescheid um ihre nicht ganz astreine Herkunft, die im Gegensatz zu ihr bei Maria Stuart klar und unzweideutig war. Damit wäre der englische Thron durchaus der katholischen Königin von Schottland zugestanden. Die weit Gerissenere von beiden war aber gewiss Elisabeth.

Alexandra-Maria Timmel (Elisabeth), Johanna Rehm (Maria Stuart) © Barbara Palffy

Sie ließ ihre Kontrahentin bei günstiger Gelegenheit inhaftieren und konnte am Ende sogar deren Todesurteil unterschreiben. Dass dabei eine ganze Reihe von Männern ihre Hände im Spiel hatte, macht das Drama „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller zu einer nicht ganz einfachen Theaterkost. Allein die beiden Doppelagenten, der junge Mortimer und Lord Leicester, verwirren den Zuschauer mehr als sie ihm die Handlung erklären. Dazu kommen die anderen britischen Earls, die auf ihre auch nicht immer erklärbare Weise zum tragischen Ende der Geschichte beitragen.

Maria Stuart Enesmble © Barbara Palffy

Erstaunlich, wie man mit einem einfachen Trick das Ganze durchschaubar machen kann, beweist Bruno Max mit seiner Inszenierung im Theater zum Fürchten. Er verlegt das Geschehen in die Gegenwart, bringt Handy, Fernsehen und Zigaretten ein und schon wird vieles klar, was in düsteren Gemächern des 16. Jahrhunderts möglicherweise unverständlich über die Rampe gekommen wäre. Dabei gelingt dem Prinzipal dieser eher kleinen Bühne auf zwei Ebenen ein beachtenswertes Kabinettstück.

Den kunstvoll gedrechselten Text Schillers lässt er unverändert und von seinen Darstellern wie feine Prosa sprechen. Dazu braucht es natürlich das entsprechende Ensemble, das heutige Menschen darzustellen versteht, ohne den Geist des klassischen Dramas zu verletzen. Rührend sorgt sich Christine Renhardt als Hanna Kennedy um die ihr anvertraute Maria. Mortimer, der junge Spund, erhält von Matthias Tuzar die Schneid, sich nach misslungener Befreiung in die Luft zu sprengen.

Sein Onkel Amias Paulet (Christoph Prückner) passt auf die Gefangene mit so viel menschlicher Wärme auf, dass es dem auf Maria mit unerbittlichem Hass erfüllten Lord Burleigh in Person von Christian Kainradl wahrlich schwer fällt, das ersehnte Todesurteil vollstrecken zu lassen. Graf von Shrewsbury wird von Jörg Stelling als abgeklärter Alter angelegt, der in die aufgeheizte Stimmung stets Ruhe einzubringen versteht. Alexander Rossi ist der Feschak Leicester, dem sowohl Elisabeth als auch Maria verfallen sind. Da er sich im Endeffekt nicht zwischen den Frauen entscheiden kann, muss er leider am Ende nach Frankreich fliehen. Blöd läuft es für den braven Diener Davison (Florian Lebek), der sich das unterfertigte Todesurteil aus der Hand nehmen lässt und dafür am Ende bitter büßt. Ein Musterbeispiel für gegenseitige Abneigung sind aber die beiden Frauen Alexandra-Maria Timmel als Elisabeth und Johanna Rehm als Maria. Man spürt ihre Abneigung füreinander, aber auch den eisernen Willen, in diesem Kampf um Anerkennung, Macht und Liebe siegreich zu bleiben.

Matthias Tuzar (Mortimer), Christoph Prückner (Paulet) © Barbara Palffy
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