Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die beiden Sachsen Leopold Selinger, Matthias Tuzar © Bettina Frenzel

LOVEPLAY Ein Spiel für alle in allen Zeiten

Für freie Liebe Johanna Rehm, Matthias Tuzar © Bettina Frenzel

Zehn amüsante Liebesgeschichten mit stets demselben Wollen und ganz diversem Können

Irgendwo im heutigen London traf vor 2000 Jahren auf freiem Feld ein römischer Soldat eine Barbarin und wollte mit ihr schlafen. Zivilisiert wie er war, bot er ihr für in Aussicht gestellte Dienste den Obolus an, eine Münze, die sie jedoch zurückwies. Die hübsche kleine Keltin wollte dafür ein Huhn. Nichts wurde es mit der hormonellen Erleichterung des Legionärs. Weniger Skrupel hatten die Sachsen, die exakt dort in einer verfallenen römischen Tempelruine A. D. 544 ihrem sexuellen Notstand abhalfen. Sie fragten nicht lange, sondern bummsten einfach drauf los, egal ob ihre weibliche Unterlage das Ganze überlebte. Mit der christlichen Religion wurde dort ein Kloster erbaut. Es kamen Nonnen, die in Sachen Liebe auf Zärtlichkeiten ihrer Mitschwestern angewiesen waren. In dieser Tonart geht es weiter, über das Jahr 1584 mit einem Dichter und dessen Komödianten, der lieber die Frau des Prinzipals als die als Mädchen verkleideten Burschen küsst. 1735 ist es die in die Jahre gekommene Roxanne, eine Wissenschaftlerin, die sich einen Mann vorführen lässt.

Die Wissenschaftlerin Eszter Hollósi am Handwerker Philipp Stix © Bettina Frenzel

Die aufgeklärte Dame will endlich ein solches Exemplar nackt sehen. Bezüglich Sinnlichkeit kann sie weder mit dem zum Striptease engagierten Handwerker noch mit der Gouvernante aus dem Jahr 1823 mithalten. Diese reitet auf ihrem Herrn, während sie ihn mit ihrem neuesten Romanprojekt voller grauser SM-Phantasien anfeuert. 1898 sind es ein Künstler und ein Geistlicher die zueinander finden. Der schüchterne Junge und die einfühlsame Prostituierte haben es 1932 miteinander getrieben, während es 1969 nur beim verunglückten Versuch eines Mixed-Doppels im Zeichen von sexueller Freiheit bleibt. Der Blick in die nahe Zukunft fällt auf eine Partneragentur, anders scheint es wohl nicht mehr zu gehen, um miteinander ins Bett zu gelangen, wäre da nicht die Liebe, die sich an keine Vorgaben hält.

 

Bruno Max hat dieses pointierte Spiel von der Liebe, das „Loveplay“ der britischen Dramatikerin Moira Buffini mit sechs Darstellern inszeniert, die sage und schreibe 31 Rollen verkörpern.

Philipp Stix, Johanna Rehm, Leopold Selinger, Matthias Tuzar, Eszter Hollósi und Samantha Steppan werden von Alexandra Fitzinger in Windeseile zu Gestalten aus 2000jähriger Liebeshistorie verkleidet. Der Raum, geschaffen mit Kreidezeichnungen, erhält seine eigene Persönlichkeit. In den Grundmauern haben sich alle die Geister der Liebesuchenden versammelt und lassen immer wieder von sich hören, um dieses ewige Spiel mit gruseligem Heulen zu kommentieren.

Der Römer Philipp Stix und die Barbarin Johanna Rehm © Bettina FRenzel
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