Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Das VErsprechen, Ensemble © Bettina Frenzel

DAS VERSPRECHEN das der Tod nicht einlösen lässt

KLaus Rohrmoser, Monica Pallua, Kind © Bettina Frenzel

Dürrenmatts Requiem auf einen Kriminalroman packend auf der Bühne zelebriert

Wenn es sich die Polizei leicht machen kann, dann tut sie es auch. Ein kleines Mädchen wird brutal ermordet im Wald aufgefunden. Der Finder ist dummerweise wegen eines Sexualdelikts vorbestraft und bietet sich in seiner Unbeholfenheit den erhebenden Beamten als Mörder an. Nach endlosem Verhör spuckt er ein Geständnis aus und macht den Polizisten die Freude, sich zu erhängen. Fall abgeschlossen! Jedoch nicht für den erstermittelnden Kommissar, der die Causa bereits an einen jüngeren Kollegen abgegeben hat. Es bleibt ihm nur die Möglichkeit, auf eigene Faust auf die Jagd nach einem Unbekannten zu gehen, dessen Tötungsdrang auf Mädchen in roten Kleidchen und mit blonden Zöpfen anspringt. Man glaubt, die Handlung und deren Ausgang zu kennen, wenn man den Film „Es geschah am hellichten Tag“ (sic!) mit Heinz Rühmann in der Titelrolle gesehen hat. Friedrich Dürrenmatt hat die Geschichte aber weitergeschrieben und „so schoss ich notgedrungen über das Ziel ... hinaus“, wie er selbst im Nachwort für die erste Buchausgabe von „Das Versprechen“ schreibt.

Lilly mit rote´m Kleidchen und blonden Zöpfen © Bettina Frenzel

Schauplätze sind die Schweizer Kantone Zürich und Graubünden, das Verbrechen könnte sich aber überall auf der Welt abspielen. Es handelt sich um einen Sexualmord an einem Kind, der blutigen Version der ohnehin abscheulichen Übergriffe auf hilflose Wesen, die sich mit den Intentionen des Verführers aufgrund ihres Alters noch nichts anfangen können und oft trotz eindringlicher Warnungen der Eltern den verbrecherischen Verlockungen auf den Leim gehen. Wenn das Opfer überlebt, bleiben lebenslange Traumata und ein zutiefst gestörtes Verhalten einem Partner gegenüber noch im Erwachsenenalter.

Bettina Soriat,

Claus Tröger hat sich in der Bühnenfassung an den Roman gehalten und lässt seinen Helden am Misserfolg, den ihm der Tod des unbekannten Täters bereitet, letztendlich zerbrechen. Für die SCALA Wien hat Tröger selbst Regie geführt und gewährt in den fünf Viertelstunden, die die Aufführung dauert, das Publikum kaum Zeit zum Atemholen. Auf der von Klaus Gasperi einfach, aber effizient  düster gestalteten Bühne lassen sich ein paar wenige Schauspieler für eine stattliche Zahl an Rollen einsetzen.

So wird Christoph Prückner vom zaghaften Lehrer zum Pfarrer, der kaum in der Lage ist, den Eltern des ermordeten Kindes Trost zu spenden, um nach einem Zwischenspiel als Pfleger und Tankwart mit einer Angelrute in der Hand dem Kommissar den entscheidenden Tipp zu geben: Raubfische kann man nur mit einem lebendigen Köder fangen. Monica Pallua ist unter anderem die von Trauer verbitterte Mutter, die dem Kommissar das Versprechen abnimmt, den Mörder von Lilly zu finden, und eine lebensfrohe Frau Heller, deren Tochter Annemarie (beide Mädchen werden ganz mutig alternierend von Nina Greicha und Mia Wendt gespielt) als eben der Köder herhalten soll. Zwischen der Psychologin Dr. Locher und der eiskalten „Mutti“ von Albert (Florian Lebek als dämonisch debiler Lustmörder) pendelt gekonnt Bettina Soriat und hat nichts als die Sonnenbrille, um sich von der jeweils anderen zu unterscheiden. Der im Leid aggressive Vater von Lilly und ein zu pragmatischer Kommandant der Züricher Polizei sind die beiden Rollen, die Jörg Stelling vom Arbeitsgewand des Bauern in den eleganten Anzug des Polizeichefs wechseln lassen.

Sein junger, vom Ehrgeiz getriebener Untergebener ist Henzi (Christian Kainradl), dem man ob seiner brüsken Art im Umgang mit unschuldigen Verdächtigen am liebsten in die Goschen hauen möchte. Er lässt sich auch vom alten Matthäi keinen Tipp mehr geben, obgleich dieser seine Erfahrung zwischen den Worten überzeugend anklingen lässt. Man leidet mit Klaus Rohrmoser, wenn er seinen Kommissar an sich selbst und am Versprechen scheitern und verzweifelt an der Schnapsflasche enden lässt.

Jörg Stellng, Christian Kainradl © Bettina Frenzel
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