Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Umsonst, Ensemble in Braunau © Bettina Frenzel

Umsonst, Ensemble in Braunau © Bettina Frenzel

UMSONST spielt´s nichts auf dieser Welt, oder?

Magdalena Hammer, Jörg Stelling, Leonard Srajer, Simon Brader © Bettina Frenzel

Magdalena Hammer, Jörg Stelling, Leonard Srajer, Simon Brader © Bettina Frenzel

Nestroys süffisanter Blick auf seine Kollegenschaft

Wenn was kein Geld kostet, ist´s dann wirklich umsonst? Wenn´s nicht grad der Tod ist, dann meistens eher nicht, aber das merkt man erst später. Oder wenn man kein Geld hat und sich trotzdem was Teures wünscht? Das ist vollkommen umsonst! Umsonst kann man lieben, also nicht gerade eine teure Gattin, denn eine solche liegt schwer am Börsl, eher die andere, die man nicht haben kann, aber um die hat man dann umsonst geschmachtet. Und wenn man sie dann doch kriegt, dann war das schmerzliche Sehnen auch ganz umsonst, weil das Plaisir der Zweisamkeit jetzt wirklich umsonst ist. Es ist also nicht einfach mit diesem Wörterl UMSONST, das Johann Nestroy über seine Komödie aus 1857 geschrieben hat. Inspiration hatte er ja genug. Figuren mit ausgeprägten Spleens boten sich täglich bei den Proben: der Untalentierte, der am liebsten Hamlet verkörpert hätte und vor dem Pathos seiner eigenen Stimme erbebte, die junge Liebhaberin, deren Raffinesse sogar den Prinzipal die Ohren rot werden ließ, die Alte, die beharrlich ihr Geburtsdatum ignorierte und den Burschen im Ensemble nachstellte oder den soignierten Herrn, der vor lauter Würde keinen Text mehr lernen wollte, weil er meinte, seine Ausstrahlung allein müsse genügen. Am einfachsten zu handhaben war noch der junge Held. Er wusste um sein Können, hatte die passenden Rollen und war lediglich eitel bzw. gegenüber den Mitspielern etwas überheblich. Ob sich daran seit Nestroys Zeiten viel geändert hat?

Magdalena Hammer, Christina Saginth © Bettina Frenzel

Magdalena Hammer, Christina Saginth © Bettina Frenzel

Hermann J. Kogler, Simon Brader © Bettina Frenzel

Hermann J. Kogler, Simon Brader © Bettina Frenzel

Bis zu einem gewissen Grad findet man sie alle in dieser Posse mit Gesang, allerdings gezähmt durch eine nicht gerade tiefsinnige Handlung. Es geht darum, dass der begüterte Onkel seinen Neffen unbekannterweise als Bräutigam für sein Mündel ausersehen hat. Er weiß nicht, dass beide ohnehin schon verliebt ineinander sind und löst damit tolle Verwechslungen aus, die darin münden, dass sich am Ende sowohl die beiden Liebenden und als Nebeneffekt ein Kellner und die Tochter eines schlitzohrigen Wirten verpaaren. Neffe Artur ist ein Mimerer, der es als solcher zu etwas bringen könnte. Sein Darsteller Simon Brader ist bereits ein ernsthafter Komödiant, der es wie Leonard Srajer als dessen Freund Pitzl wunderbar versteht, zwischen realer Person und dem herrlich komisch outrierenden Schauspieler zu pendeln. Sein Herzblatt Emma ist mit Magdalena Hammer wahrhaft ein reizendes Geschöpf, das bei Fräulein Anastasia Mispl eine ausgezeichnete Erziehung genossen hat. Aber auch dieses ältliche Mädchen verspürt angesichts ihres Untermieters Artur überraschend Frühlingsgefühle, die Christina Saginth humorig schwärmen lassen. Der Wirt aller Wein pantschenden Wirte ist Hermann J. Kogler, der als Sauerfaß und Betreiber des Gasthauses „Zum Lamm“ in Braunau partout nichts von einer ehelichen Verbindung seiner Tochter Sali (Teresa Renner) und dem Kellner Schorsch (Markus Tavakoli mit Turban ganz Inder) wissen will.

Umsonst, Ensemble in Steyr © Bettina Frenzel

Umsonst, Ensemble in Steyr © Bettina Frenzel

In Doppelrollen wirken Randolf Destaller als abgeklärter Inspizient Knapp und als Ignaz Maushuber, Sohn des Hotelbesitzers Maushuber in Person von Christoph Prückner, der im ersten Akt als Theaterdirektor Schofel an einer undisziplinierten Truppe von Provinzschauspielern am Stadttheater Steyr verzweifelt. Zuerst schreibt Claudia Marold (alternierend mit Bernadette Mold) als Frau Gschlader für die Truppe das Einser Menü (Bier und Schnaps) an, um im zweiten als Margarete zu kochen und die Wirtshausküche in Brand zu setzen. Nicht zu vergessen, zum Bier in Braunau gehört auch der fast stumme Alois H., wer immer damit gemeint sein mag. Die entscheidende Rolle spielt jedoch Jörg Stelling. Er ist als Fabriksbesitzer Finster auf der Suche nach Emma und findet damit gleichzeitig seinen Neffen Artur, der jedoch nach Wiedererkennen schleunigst seinen Job wechseln muss, denn der Onkel meint unumwunden: „Komödienspielen ist ein Malheur!“ Gottlob sind Bruno Max, der Regie geführt und die Textfassung erarbeitet hat, Marcus Ganser, verantwortlich für das sensationelle Bühnenbild, und Sam Madwar mit einem schwarzweiß flimmernden Stummfilm zwischen den Akten in diesem Punkt gänzlich anderer Meinung: Gutes Theater ist nie UMSONST.

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