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100 Jahre Frauenwahlrecht Austellungsansicht

100 JAHRE FRAUENWAHLRECHT Sie meinten es politisch

100 Jahre Frauenwahlrecht Ausstellungsansicht

Volkskunde bedeutet auch, wenn das Volk in seiner Gesamtheit mitbestimmen darf

Es brauchte das Ende der Monarchie und die Gründung einer Republik, dass sich die Demokratie in ihrer ganzen Bedeutung entwickeln konnte. Bis dahin hatten lediglich die Männer, und das erst seit 1907, die Möglichkeit, ihre Stimme für eine bestimmte Partei abgeben. Warum die männlichen Bürger diesbezüglich bevorzugt waren, könnten wohl Soziologen schlüssig beantworten. Es gab auch damals längst genügend Frauen, die ihre Überzeugung deutlich und lautstark vertraten und in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen ein starkes Wort mitzureden hatten. Mit dem allgemeinen, gleichen, geheimen Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechts (wie sonderbar sich in einem solchen Zusammenhang dieses Anhängsel vom Geschlecht ausnimmt!) trat jedenfalls eine tiefgreifende Veränderung in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ein. In den sozialdemokratischen Vereinslokalen waren die Männer nunmehr nicht unter sich und mussten sich auch mit den Meinungen von Genossinnen auseinandersetzen.

Collage von Peter Karlhuber Foto © Volkskundemuseum Wien

In den trauten Heimen war beim Abendessen politischer Diskurs angesagt und im Parlament saßen Männlein und Weiblein ganz zwanglos nebeneinander und sollten einander zuhören und nicht dreinbrüllen, wenn eine Abgeordnete am Rednerpult stand und die andere Fraktion durch den Kakao zog. Ein wenig Angst hatten die Männer vor diesen Aktivistinnen bestimmt, denn sie waren es nicht gewöhnt, dass ihnen eine Frau sagte, wo es lang geht. Aber sie konnten, angesichts der politischen Wirren der Ersten Republik, zumindest darauf hinweisen, dass sich mit Frauen in den Entscheidungsgremien nichts verbessert hatte. Aber seit 1919 sind 100 versöhnliche Jahre vergangen und der weibliche Anteil in Parlament, Landtagen und Gemeinderäten hat sich zu einem so guten Maß entwickelt, dass man eigentlich nicht mehr darüber reden müsste.

„… beim Frühstück im Café Prückel“. © Volkskundemuseum Wien

Im Volkskundemuseum Wien wurde „100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich“ unter dem Titel „Sie meinten es politisch“ (bis 25. August 2019) mit einer Ausstellung gründlich aufgearbeitet. Vorbei an der Pallas Athene mit Megaphon von Gerhard Spring betritt der Besucher Wahlzellen, die mit Fotos und Flugzetteln dekoriert sind. Es gibt schon hier genug zum Schauen und Lesen. Man lernt Politikerinnen der ersten Stunde kennen, so die erste demokratisch gewählte Bürgermeisterin Österreichs.

Zenzi Hölzl trat ihr Amt in Gloggnitz allerdings erst 1948 an und übte es bis 1958 aus. Es wird auch auf die Unterbrechung des politischen Aufstiegs von Frauen in Österreich während der beiden Diktaturen (Ständestaat und nationalsozialistische Ära) eingegangen. Eine Collage von Peter Karlhuber unter Verwendung des Aquarells „Die Carolinen-Barrikade“ von Johann Christian Schoeller und einer Wiener Flugschrift aus dem Jahr 1848 ist einer der künstlerischen Beiträge.

Ein Ausschnitt aus Österreichs Illustrierter Zeitung vom 22. Juni 1913 berichtet über die Teilnehmerinnen der internationalen Frauenrechtskonferenz in Wien, die sich beim Frühstück im Café Prückel getroffen haben. Es sollte von diesem Moment an noch ein verheerender Krieg durch die Welt wüten und sechs Jahre vergehen, um den an sich normalsten Zustand in der Politik herbeizuführen, nämlich Frauen und Männer gleichermaßen wählen und sich wählen zu lassen.

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