Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Adi Hirschal als Konstantin © Katharina Schiffl

DER MENSCHENFEIND witzig kritisch und eine Spur französisch

Der Menschenfeind (frisch verliebt) Ensemble © Katharina Schiffl

Molière von Max Gruber in die Wiener Kunstszene übersetzt

Was fühlt ein Experte für Alte Meister, wenn seine Herzallerliebste in ihrer Galerie zeitgenössische Kunst verkauft? Erstaunlicherweise Liebe, trotz der Gegensätze, die seine und ihre Auffassung von einem großen Werk trennen. Das heißt aber nicht, dass Eifersucht und ähnliche Liebestöter ausgeschlossen sind. Wenn einer wegen ein bisserl Murren und Matschkern aber gleich als Menschenfeind abgestempelt wird, ist das wohl nur seiner Rechtschaffenheit zuzurechnen.

Julia Jelinek als Schnecke Ariane © Katharina Schiffl

Molière hat uns einen solchen Typen aus dem 17. Jahrhundert launig auf die Bühne gestellt und würde sich wundern, was daraus ein österreichischer Autor wie Max Gruber in freier Anlehnung an seine Komödie daraus machen kann. Der französische Misanthrop wird im Wiener Lustspielhaus zum vor Liebe schmachtenden Sympathler, deswegen auch (frisch verliebt) im Untertitel, der lediglich gegenüber moderner Kunst ausfällig werden kann.

 

Adi Hirschal ist als Konstantin ein wortgewaltiger Gegner von ein paar mit Lippenstift und Mascara auf Botox geschmierten Strichen mit dem hehren Titel Venus und drei weißen Flächen, die als Triptychon verkauft werden sollen. Die von ihm verehrte Galeristin Caroline (Sonja Romei) sieht es vielleicht genauso, aber ihr Geschäftssinn sagt ihr, dass dieser junge Maler damit ganz groß herauskommen wird. Der Künstlername ist bereits vorhanden. Florian Haslinger ist als Oronte der radikale Verfechter einer Kunstrichtung, die in unbemalten Leinwänden ihren Höhepunkt gefunden hat. Aber er ist auch schüchtern und lässt sich von seinen Werken, wenn´s sein muss nur mit körperlicher Gewalt trennen. Als Konstantin patscherterweise in die Venus steigt, muss gehandelt werden. Damit beginnt ein Spiel, das den aufrechtesten Menschenfeind ins Verbrechen der Fälschung und mit viel Esprit français am Ende alle Beteiligten in ein überraschendes Parship treibt.

Dazu zählen auch Konstantins Freund und Rechtsanwalt Philipp, genannt Flipp, der bei der praktisch veranlagten Assistentin Elly (Bettina Schwarz) landet, und die aufstrebende, sehr neugierige Kuratorin Ariane (Julia Jelinek), die sich schon längst den aufstrebenden Künstler gekrallt hatte. Regie führt Katharina Schwarz, die mit Geschick die Zuschauer vom Wirbel der Versteigerungsparty fernhält und nur durch eine Tür an der von Thomas Mahn zu Drinks und Snacks gespielten Pianomusik teilhaben lässt.

Florian Haslinger (Orinte), Bettina SChwarz (Elly) © Katharina Schiffl
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