Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der bethlehemitische Kindermord © Her Majesty Queen Elizabeth II 2017

RAFFAEL Packende Zeichnungen und deren Gemälde

Studie für die "Disputà", Stanza della Segnatura, Vatikan © Albertina, Wien

Lebendige Begegnung mit einem Genie der Renaissance

„Die Zeichnungen von Raffael führen ein Doppelleben“, sagt Direktor Albrecht Schröder über die Werke auf Papier, die bis 7. Jänner 2018 in der Albertina im wahrsten Sinn des Wortes zu erleben sind. Sie dienten Raffael zum einen als Vorbereitung zu seinen Gemälden, sind zum anderen aber absolut selbständige Kunstwerke. Raffaelo Santi, geboren 1483 in Urbino in den Marken und gestorben in Rom 1520, hat in diesem kurzen Leben Unglaubliches geschaffen. Unsterblich wurde er unter seinem Vornamen Raffael und bildet mit Leonardo da Vinci und Michaelangelo das große Dreigestirn der Renaissance. Der erste Lehrer war sein Vater Giovanni Santi, der sein hochbegabtes Kind jedoch bald nach Perugia zu Pietro Perugino in die Lehre gab. 1500 ist er bereits selbständiger Meister und erhält Aufträge. Ab diesem Jahr sind auch eigene Werke bekannt, die allerdings noch stark von Perugino beeinflusst sind.

Madonna dell’Impannata © © Galleria Palatina, Palazzo Pitti, Uffizi, Florenz

Die Lebendigkeit seiner Figuren schimmert jedoch bereits in diesen Bildern durch, was an der „Krönung der Maria“ deutlich wird. Die Bilder der Predella (bemalter Sockel unter dem Altarbild) und die Vorzeichnungen bilden den beeindruckenden Einstieg in diese Ausstellung. Der um 30 Jahre ältere Maler Bernardo Pinturicchio erkannte die Genialität des jungen Mannes und ließ von ihm Entwürfe für Fresken in der Libreria Piccolomini in Siena fertigen, so auch das Bild mit dem „Traum des Scipio“ aus den Lebensszenen des späteren Papstes Pius II.

Kopf- und Handstudie © Ashmolean Museum, University of Oxford

Anhand der Werke verfolgt man den rasanten Aufstieg Raffaels, der ihn über Florenz bis Rom geführt hat. 1508 trifft er in der Ewigen Stadt ein und steht vor einer Reihe großer Aufgaben. Als Papst Julius II. das oberste Stockwerk des Papstpalastes beziehen will (er wollte nicht in den Räumen seines verhassten Vorgängers Alexander I. wohnen), verpflichtet er etliche Künstler zu deren Gestaltung. Raffael genügt ein Entwurf, um den Papst die bereits fertigen Fresken der anderen Meister abschlagen zu lassen. Er übertrrägt dem jungen Raffael die gesamte Ausschmückung der Stanzen. Der Papst mit dem bezeichnenden Beinamen Il terribile beschließt auch den Neubau von Sankt Peter und will nicht mehr und nicht weniger als die größte Kirche des Erdenkreises errichten. Raffael wird in der Folge zum Leiter dieses gigantischen Bauprojekts, hat aber trotzdem die künstlerische Energie, beispielsweise des „Borgobrand“ in den päpstlichen Gemächern eigenhändig zu malen.

In dieser Zeit vollzieht sich in seinen Arbeiten ein anschaulicher Stilwandel. Seine Figuren scheinen nun nicht mehr von außen geleitet, sondern sind sich ihres Körpers und ihrer eigenen Kraft bewusst, was bereits an den Rötelzeichnungen sichtbar wird.

 

Der heutige Italienbesucher trifft an den Originalplätzen auf Raffael, zumeinst aber auf die fertigen Gemälde. In der Albertina hat man nun Gelegenheit, dem Künstler bei der Entstehung seiner Werke zuzuschauen, den Strich zu verfolgen, mit denen er seinen Figuren Leben einhaucht.

Er zeichnet sie vielfach nackt oder so spärlich bekleidet, dass er Gliedmaßen und Muskeln genau studieren konnte.

 

Es werden, soweit es Kurator Dr. Achim Gnann möglich war, die Zeichnungen mit dem ausgeführten Bild gemeinsam gezeigt. Eines der berührendsten Beispiele ist die durch Restaurierung wieder prächtig zum Leuchten gebrachte „Madonna dell´Impannata“ aus der Galleria Palatina im Palazzo Pitti, Florenz. Flankiert wird sie von den Studien aus verschiedensten Sammlungen, auch aus der Albertina, die auch bei der Restaurierung einen nicht unbeträchtlichen Beitrag geleistet hat. In ungewöhnlich eindringlicher Form lassen diese Zeichnungen den Betrachter die Genese eines Meisterwerkes nachvollziehen.

Hl. Georg, 1505 Musée du Louvre, Paris: © RMN-Grand Palais  / Jean-Gilles Berizzi
Albertina Logo 350

Statistik