Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

 

 

 

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Kultur und Wein

 

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Friedrich Gulda, Ich-Theater, eine Biografie

 

Ein Aufsässiger, ein

 

Unbequemer, ein Liebender

So hatte man es noch nie gehört, das Andante aus Mozarts Konzert für Klavier und Orchester, K 467, eingespielt 1974 mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado und – Friedrich Gulda am Flügel. Jeder andere Pianist hatte den Anschlag an die weiche Melodieführung angepasst. Nicht so Gulda, bei ihm stehen die einzelnen Töne glasklar im Raum, glitzern wie Tropfen über den sanften Streichern. Das Publikum im Großen Saal des Musikvereins hielt damals den Atem an, wie so oft, wenn der Meister am Klavier saß.

 

Sein Spiel hat bis heute nichts an Spannung verloren, an dieser kleinen Unendlichkeit, die Gulda zwischen seinen Tönen ausbreitet.

Zu dieser Zeit machte dieser sich, was die klassische Musik betraf, bereits rar. Stattdessen sah man in den Zeitungen, nicht nur auf den Kulturseiten, Bilder, auf denen Friedrich Gulda in legerer Kleidung und mit Mütze auf dem Kopf auf verschiedensten Instrumenten mit Jazzgrößen wie Joe Zawinul oder Fatty George jammte. Der Aufschrei der Kulturwelt war nicht ohne, beirrte aber den Musiker offenbar in keiner Weise, seinen Weg des Andersseins, der Regelbrüche, Inszenierungen und der Befreiung weiter zu gehen.

Irene Suchy schreibt selbst über ihre Arbeit: Ein Porträt eines Musikers ... ist eine Stellungnahme. Es ist die Auswahl, er ist der Auserwählte. Es braucht bei einer solchen Biografie, wie in so einem Falle nicht verwunderlich, beim Leser einiges an einschlägigem Vorwissen. Es wäre aber nicht anders möglich, die Musik, wie sie Gulda gelebt hat, angemessen wiederzugeben – und das Leben von Friedrich Gulda war Musik und nichts als Musik.

Die Illustration zu diesem Artikel stammen aus diesem Buch © Styria Verlag

 

Mozart weicht aber nicht aus seinem Leben, nicht nur in der Musik. Guldas Sohn David kommt 1956 exakt am 27. Jänner, also zu Mozarts Geburtstag auf die Welt, an einem Tag, der markant bleibt in Guldas Leben und Sterben – er ist auch das Datum seines Todes im Jahr 2000.

Der eigentliche Anlass für das Gedenken an Friedrich Gulda war heuer aber nicht der zehnte Todestag, sondern sein 80. Geburtstag am 16. Mai. Die Musikjournalistin Irene Suchy, vielen bekannt für die von ihr großartig gestalteten Sendungen auf Ö1, hat sich über eine Biografie Guldas gewagt. Man spürt den Respekt, mit dem sie diese Persönlichkeit in ihrer ganzen Größe, in all ihrer Vielfältigkeit und ihren bunt, oft grell schillernden Facetten zu ergreifen versucht. Er hat es ihr nicht immer leicht gemacht, mit seinen Eskapaden, die jeden Autor zum Erzählen von Anekdoten reizen. Gulda, der unvergleichliche Beethoven-Interpret, hat den Beethoven-Ring abgelehnt, hat Agnes Baltsa mit seiner Ansicht über Karajan düpiert, hat sich mit dem Sänger Golowin ein kurioses alter ego zugelegt, und er hat 1999 mit einer fingierten Todesmeldung das eigene Ableben und seine Wiederauferstehung inszeniert.

 Irene Suchy: Friedrich Gulda Ich-Theater, Styria Verlag, Wien.Graz.Klagenfurt 2010, ISBN 978-3-222-13290-2, www.ichlese.at, Preis € 24,95.

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Der Wiener, von Natur aus neugierig, ist ein Fenstergucker; weswegen es für ihn nicht uninteressant sein mag, dass bei genauem Hinsehen diese Figuren im Stephansdom eine etwas andere Geschichte erzählen, als man selber noch in der Schul´ gelernt hat. Oder, wer schaut schon nach oben, wenn er durch die Gassen im Ersten irrt!? Ein Tipp: Tun Sie´s in der Bäckerstraße 12 und wundern Sie sich nicht über eine bebrillte Kuh am Spielbrett.

Innenhöfe sind Oasen der Ruhe. Wenn man aber weiß, was sich dort im Laufe der Jahrhunderte alles abgespielt hat, kommt mit einem Mal Leben in die beschaulichen Gevierte.

Und was wär´ Wien ohne seine schöne Leich!? Auch darauf wurde nicht vergessen, auf die außergewöhnlichen Friedhöfe und die dazu passenden Museen, die es wahrlich nicht in jeder Stadt gibt.

Ordnung muss sein. Sie erleichtert nicht nur Faulen das Leben, sondern auch dem Leser dieses Buches. Die 95 beschriebenen Hotspots werden säuberlich zu Themenkreisen wie „Von den Römern in die Neuzeit“, in „Kirchen und Sakralbauten“ oder in „Denkmäler mit Geschichte und Geschichten“ aufgeteilt. Das „Unbekannte Wien“ ist schließlich kein Buch zum Durchlesen, sondern zum genüsslichen Herauspicken von Schmankerln, die dank genauer Adresse und Angabe der dort verkehrenden Öffis auch in der rauen Wirklichkeit des Großstadtdschungels einfach zu finden sind.

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Isabella Ackerl: Unbekanntes Wien. Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht, erschienen im Pichler Verlag 2010, www.ichlese.at, ISBN: 978-3—85431-513-1, Preis € 24,95.

 

Streifzug durch ein unbekanntes Wien

 

Geschichte, die dahinter steckt

Schön, wenn Wissenschaft unter die Leute getragen wird; mitnichten in populärwissenschaftlicher Form, sondern vollkommen seriös und dennoch für den Laien lesbar. Die Historikerin Isabella Ackerl hat sich dankenswerter Weise dieser keineswegs einfachen Aufgabe gestellt. Auf kurze prägnante und dennoch unterhaltsame Weise öffnet sie Geheimtüren zur meist unbekannten Geschichte von Gebäuden, Plätzen und Einrichtungen unseres scheinbar so vertrauten Wiens. Unterstützt wird sie dabei von Harald A. Jahn, einem Architekturfotografen, mit präzisen und dennoch ungemein gefühlvollen Fotos zum jeweiligen Thema.

Bilder zum Vergrößern anklicken

l.o.: Fenstergucker

o.l.: Bäckerstr. 12

o.r.: Fillgraderstiege

l.: Rüdigerhof

u.: Am Himmel

 

Die Illiustrationen stammen aus diesem Buch © Pichler Verlag

 

Wo Babenberger und Habsburger residierten

 

Es begann in Bechelaren

Nachdem die Ungarn 955 auf dem Lechfeld entscheidend geschlagen worden waren, konnte Kaiser Otto I. an die Wiedererrichtung der ehemaligen karolingischen Mark im Osten seines Reiches denken. Erster Markgraf der ottonischen Mark war Burchhard, Burggraf von Regensburg. Er residierte in Pöchlarn, eben dem Bechelaren des sagenhaften Markgrafen Rüdiger im Nibelungenlied. Burchhard fiel jedoch in Ungnade und verlor die bayerische Mark. An seiner Stelle erhielt sie Liutpold (Leopold), ein Babenberger.

Nach und nach wandert deren Residenz nach Osten, über Melk, Gars am Kamp und Klosterneuburg, bis Wien erreicht ist. Am Hof entsteht die erste Burg, die noch unter den Babenbergern von der Neuen Burg, der Hofburg, abgelöst wird.

Als ehemaliger Burghauptmann ist Richard H. Kastner mit dem zuletzt genannten Herrschersitz besonders innig verbunden. Dort kennt er jeden Winkel. In seinem Buch „Wo Babenberger und Habsburger residierten“ (Pichler Verlag) führt er den Leser durch die Räume der Hofburg, erzählt dabei detailliert deren Geschichte und weiß etliche amüsante Histörchen, wie die Geschichten von Gespenstern und weißen Frauen, die nächstens durch die Hofburg spuken sollen. Man erfährt, wie der Fräuleingang oder die Bellaria zu ihren Namen gekommen sind, begegnet Eugen Ketterl, dem Kammerdiener von Kaiser Franz Joseph und wirft einen Blick auf die festlich gedeckte Hoftafel samt Menükarte, auf die der penible Kaiser höchstderoselbst handschriftliche Eintragungen getätigt hat.

 

 

Bildtexte:

o.: Reichskanzleitrakt, Kupferstich von Salomon Kleiner, 1733

u.: Blick durch die Habsburgergasse auf die neu gebaute Winterreitschule, S. Kleiner, 1737

Mit der gleichen Hingabe widmet sich Kastner aber auch den weniger bedeutenden Plätzen, an denen unsere Monarchen zumindest zeitweise ihre Zelte aufgeschlagen hatten, wie Hainburg, Wiener Neustadt und die Feste Starhemberg; und als gewissenhafter Erzähler vergisst er auch nicht die getreuliche Erwähnung und Beschreibung der jeweils letzten Residenzen, den fürstlichen Grablegen unserer beiden Herrscherdynastien.

 

 

Richard H. Kastner: Wo Babenberger und Habsburger residierten. Vom Markgrafensitz zur kaiserlichen Hofburg, Pichler Verlag, www.ichlese.at, 2010, ISBN: 978-3-85431-517-9, Preis € 24,95.

 

 

Die Illustrationen stammen aus dem Buch „Wo Babenberger und Habsburger residierten“ © Pichler Verlag.

 

Die Schlosskapelle im Belvedere

 

Ein wohl verborgenes Barockjuwel

Prinz Eugen ließ die besten Künstler seiner Zeit für sich arbeiten. Architekt seins Belvederes ist Luca von Hildebrandt, der es wunderbar verstand, Genies wie Francesco Solimena, Carlo Innocenzo Carlone oder Domenico Parodi in einem vollkommenen Programm zu vereinigen.

1776 schon wurde das Sommerpalais Prinz Eugens zu einem öffentlichen Museum und für diesen Zweck entsprechend umgestaltet. Von der vormals reichen Ausstattung der Prunkräume ist bis auf den Stuck oder die Deckengemälde weder im Unteren, noch im Oberen Belvedere allzu viel erhalten geblieben.

Eine einzige Ausnahme gibt es. Ein Raum sieht noch fast genauso aus wie zu Lebzeiten des Bauherren. Wir wüssten es nicht, gäbe es nicht die Bilder von Salomon Kleiner. Er hat seinerzeit den ursprünglichen Zustand beider Belvedereschlösser grafisch bis ins Detail genau festgehalten, auch die Kapelle des kleinen Abbe´ (Prinz Eugen hatte in seiner Jugend die niederen Weihen empfangen) im südöstlichen Turm des Oberen Belvederes. Sie hat die Zeiten unbeschadet überdauert.

Die Schlosskapelle des Belvedere, The Belvedere Palace Chapel, www.belvedere.at, ISBN 978-3-901508-81-3, Preis € 19,-  

 

Die Illustrationen stammen aus dem Buch „Die Schlosskapelle des Belvedere“ © Belvedere.

In der Reihe „Meisterwerke im Fokus“ wurden die Schlosskapelle und ihre Kunstschätze der Öffentlichkeit präsentiert. Man kann sie im Rahmen eines Galeriebesuches vom Eingang der Empore aus besichtigen oder (wie schon bisher) jeden Sonntag (außer Juli und August) bei einem Messbesuch in seinem ureigenen Zweck als sakrale Stätte erfahren. Der Gottesdienst wird vom Rektor der Belvedere Schlosskapelle, Monsignore Alfred Sammer, zelebriert.

Monsignore Sammer ist auch einer der Autoren des zu diesem Anlass erschienen Buches. Er beschreibt die sakrale Symbolik der Kunstwerke in der Kapelle. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Altarbild mit Jesu Christi Auferstehung. Mit einem Blick in das strahlende Antlitz des Auferstandenen ist man gern bereit, Sammers Ausführungen zu folgen, wenn er von einem klassischen, d. h. „zeitlosen“ Kunstwerk aus der Hand Francesco Solimenas spricht.

Katharina Schöller führt in einem weiteren Beitrag durch die Geschichte der Kapelle. Georg Lechner beschreibt aus der Sicht des Kunsthistorikers die Kapelle und die daran beteiligten Künstler.

Alle Texte sind in Deutsch und Englisch abgedruckt. Herausgeberin des Buches zeichnet Agnes Husslein-Arco, die Direktorin des Belvedere.

Zum Thema Prinz Eugen gibt es übrigens noch bis 6. Juni 2010 eine Ausstellung im Unteren Belvedere: Prinz Eugen – Feldherr, Philosoph und Kunstfreund.

 

r.: A richtige Hitz´ is wichtig zum Kochen

r.m.: Bauernhendl mit Zitronenthymian

r.u.: Kürbissuppe

Der Weg zurück zu ursprünglichen Genüssen

 

Die gute Seele in der Küche

Zuerst wird einmal ordentlich eingeheizt – nicht der Induktionsherd aufgedreht, nein, nein, mit Zeitungspapier und Kleinholz wird in einem richtigen Kuchlherd Feuer gemacht. Wenn es ordentlich brennt und wohlig knistert, dann wird aufgekocht wie weiland zu den höchsten Feiertagen; vielleicht ein gekochtes Wurzelfleisch mit Kren als Einstieg, nach dem Rezept der Klosterküche im Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, gefolgt von einer Kräuterschöberlsuppe und einem Bauernhendl mit Zitronenthymian, und als Abschluss Powidltascherln.

Selbstverständlich kann man alle diese Rezepte nachlesen, sie sind Teil der „Seele der österreichischen Küche“, so der Titel der jüngst im Leopold Stocker Verlag erschienenen Genusslektüre von Johann Landschützer. Sie will mehr als ein Kochbuch sein, eher eine Anregung, einen Blick auf unsere kulinarischen Wurzeln zu werfen.

Unterstützt wird der Leser dabei von gestandenen Österreichern wie dem Rössl-Wirt Oliver Trutmann, dem Salzbaron Dr. Hannes Androsch, der Schilegende Franz Klammer oder ganz einfach zwei alten Damen aus dem Mittelburgenland, die berühmt sind für ihre Kastanien und ihre Lebensweisheit.

Ein wenig Nachdenken, ganz einfach raus schauen, was sich draußen im Garten, im Wald oder im See so tut, dann hat man schnell eine Antwort auf die Frage: „Was koche ich heute?“ Das Buch führt mit bodenständigen Gerichten und mit einer Menge stimmungsvoller Bilder durch die Jahreszeiten. Gepflückt wird im März „das erste frische Kräutlach vom Wald und da Wiesn“ und in die Eierspeis gerührt, im Sommer wachsen die Eierschwammerl, man muss sie nur finden, im November sorgen die Jäger und Kürbisbauern und im Winter der Mehlspeiskoch für die Hauptspeis´. Wenn man sich davon Gusto machen lässt, wird man schnell selber Teil der Seele, die unsere österreichische Küche auszeichnet.

Johann Alois Landschützer: Die Seele der österreichischen Küche. Ursprüngliche Genüsse im Jahreslauf. Leopold Stocker Verlag, Graz 2010, ISBN: 978-3-7020-1267-0, Preis € 34,90, www.stocker-verlag.com.

 

Illustrationen aus dem Buch „Die Seele der österreichischen Küche“, © Leopold Stocker Verlag

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