Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Unsere Winzer des Monats

Castello di Verduno Titel 300
Betonei Titel 300
Cavallotto Titel 300
Silvano Bolmida Titel 300
Montalbera Titel 300
Josetta Saffirio Titel 300
Lanson Titel 400
Rote Wachau Titel 300
Champagne Autréau Titel 300
Weingut Taubenschuss Titel 900
Weingut Walter Wien Titel 300
Colli Euganei Winzer Titel 300
Weingut Schagl Titel 300
Maria Faber-Köchl Titel 300 neu
Weingut Christian Rieder Titel 900
Colli di Poianis Titel 300
Weingut Bernhard Ernst Titel 300
Heviz Bezerics Titel 300
Christoph Berger Röschitz
Andreas Porzelt © Weingut Porzelt
Weingut Frauwallner Titel 900
Kräntner Stadtwinzer Titel 900
Soave Titel 900
Filippi Titel 900
Le Battistelle Titel 900
Dal Cero Titel 900
Ott Titel 160
FuhrgasslTitelbreit160
Mostelleria Titel 600
Weinwurm Titel 250
Thell Titel
Graben Gritsch
Tatzber Titel
Sternat Lenz Titel

Weinbau Nössing

 

Neue Power in der alten Kellergasse

Weinbau Pammer

 

Ideales Package für den Wachausüchtigen


Reinhold Krutzler


Perwolff heißt Verantwortung

Alfred Weber

 

Im Zeichen der Bogenschützen

Mike Faulhammer

 

Spass und Engagement am Schützenhof

Thomas Kopfensteiner


macht Weingärten aus der Wildnis

Winzer des Friaul

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VINI DOC DELLE MARCHE

 

Winzer und Weine zwischen Adria und Apennin

Sechs Topwinzer aus dem Südburgenland - ganz persönlich!

Ilse Gassler

beherzte Kämpferin für den Uhudler

Franz Wachter

Bürgermeister von Deutsch Schützen-Eisenberg
und Winzer des Weingutes Wachter-Wiesler

Vier Spitzenwinzer aus Südtirol und ihre Gedanken

Alois Ochsenreiter

Sektfrühstück auf der Haderburg

Alois Lageder

Im Einklang mit der Natur

Werner Morandell

Rebenexperte auf dem Lieselehof

Dominikus

Kellerbaumeister im Bärentalerhof

Alois Ochsenreiter vom Weingut Haderburg in Salurn

Sektfrühstück auf der Haderburg

 

Sekt aus den eigenen Weingärten, handgemacht und biodynamisch – eine wohlklingende Kombination, die den Wert dieses an sich edlen Getränks noch zu steigern vermag und dem Weingut Haderburg den gleichen Adel verleiht wie der in gräflichem Besitz stehenden Haderburg selbst.

 

Schlossherr ist der Weinbauer Alois Ochsenreiter keiner, aber sein Hof hoch über Salurn in Buchholz braucht den Vergleich mit herrschaftlichen Ansitzen nicht zu scheuen. Der Ausblick reicht übers Etschtal bis zur Salurner Klause und dem Ort Salurn mit der Haderburg, von der das Weingut seinen Namen geliehen hat. Das Bauernhaus des Weingutes Haderburg wächst gleichsam aus dem Hang heraus, mitten in seinen Weingärten. Manche Mauern des Hausmannhofs dürften schon im 16. Jahrhundert errichtet worden sein und sein Äußeres hat nichts vom Charakter eines alten Tiroler Bauernhauses eingebüßt. „Wir haben ihn 1985 gekauft“, erzählt Frau Christine, die Gattin von Alois Ochsenreiter, „und haben als erstes die Rebanlagen saniert. Vier bis fünf Hektar haben wir bepflanzt und haben seit damals unseren eigenen Wein für den Sekt.“

Sekt wurde von ihnen schon seit 1976 hergestellt, als eine der ersten in Südtirol, allerdings nur mit angekauftem Grundwein. Mittlerweile ist das Alois Ochsenreiter, aufrechtes Mitglied bei den Freien Weinbauern Südtirol, einer der größten Sektwinzer des Landes. Seine Frau nennt ein paar statistische Zahlen: „In ganz Südtirol sind es 250.000 Flaschen, wir machen 45.000, alles noch händisch!“

 Die Familie Ochsenreiter hätte, genauso wie ein paar andere Große, diesbezüglich manchmal schon ans Aufhören gedacht, „zum Beispiel 2008. Ein feuchter Sommer. Wenn´s regnet, is´ es schlecht, weil man müsste vorher spritzen, Rückwirkend geht es nicht.“ Sie haben aber durchgehalten, und trotz aller Skepsis ist die Frau stolz darauf.

Der Besucher wird freundlich in die Unterwelt des Hausmannhofes eingeladen. „Seit 1990 nix anderes als Graben und Bauen“, erinnert Frau Ochsenreiter und kann darüber sogar fröhlich lachen: „und im Eisacktal haben wir 2002 noch den Obermairlhof dazugekauft, weil wir g´meint haben, dass mir no nit gnug Arbeit han.“
In den vorderen Kellerräumen liegen die Barriques. Blauburgunder, Merlot und Cabernet sind die roten Sorten der Haderburg. „Eine gute Lage für den Blauburgunder. Eine sehr warme Gegend. Merlot und Cabernet, das bietet sich an“, sagt Frau Ochsenreiter, „was willscht sonst machen!? Lagrein? Der is´ eher was für Bozen.“ Und auch der Vernatsch, eigentlich eine Leitsorte Südtirols, kann ihr Herz nicht recht erwärmen, aber sie räumt ein, dass auch der ein sehr guter Wein sein kann.  
„Den Chardonnay haben wir automatisch – für den Sekt“, sagt sie zu den weiteren Sorten des Hauses, „und sonst Gewürztraminer vom Blasbichl in Rungg bei Tramin“, also direkt von der Wiege des Traminers. Im Eisacktal werden unter anderem Sylvaner, Riesling und seit kurzem Kerner geerntet.
Und dazu biodynamisch, volles Programm! „Ich hab´ ein bissl´ ein Problem damit, das zu erklären. Dafür is´ mei Mann zuständig“, gesteht freimütig die gestandene Weinbäuerin in schönstem Tiroler Dialekt, und braucht keine zwei Atemzüge, um mit einem Kunden am Handy in fließendem Italienisch eine Lieferung zu vereinbaren. Nach einer kurzen Entschuldigung für das Telefonat schließt sie nahtlos an ihre vorige Rede an: „Dass ma lei Kupfer und Schwefel spritzt, dass ma nit düngt, soweit komm´ ich noch mit. Aber wie das mit dem Dynamisieren geht…“ Sie erinnert sich, dass sie bei einer Weinverkostung auf dieses Thema von esoterisch Interessierten angesprochen wurde: „Wir sind keine Schamanen, habe ich denen gesagt.“

o.: Haderburg bei Salurn

u.: Weingut Haderburg

li.: Hauszeichen am Hausmannhof

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o.: Rüttelpulte

u.v.l.n.r.: Weinknospe, Rüttelpult, Abfüllanlage, Sekt 

 

 Der anschließende Sektkeller wurde 2007 fertiggestellt. Drei Sorten Haderburg werden hier hergestellt und harren in sehr unterschiedlichen Zeiträumen in der Flasche ihrer Reifung: 36 Monate der Brut, 48 Monate der Pas Dosé und nicht weniger als mindestens neun(!) Jahre der Riserva.  Frau Ochsenreiter: „Der Wein ruht dafür ein Jahr im Fass, dann wird die Hefe zugesetzt, und er gärt acht Jahre in der Flasche als Sekt.“ Das elegante Ergebnis ist ein intensives Strohgelb mit goldenen Reflexen und feinkörniger, lang anhaltender Perlage.

Die drei Sekte können natürlich nicht nur auf der eigentlichen Haderburg genossen werden, finden in deren historischen Mauern aber mit Sicherheit einen würdigen Rahmen. Auf einem schroffen Felsen erhebt sich das noch als Ruine imposante Schloss Salurn über den Ort.

Erbaut im 13. Jahrhundert, kam es im 14. Jh. zu den Habsburgern und wurde 1514 von Kaiser Maximilan erweitert. In der folgenden Zeit verlor die Burg ihre wehrhafte Funktion und verfiel. Seit 1648 gehört die Haderburg der venezianischen Familie der Grafen Zenobio, später Zenobio-Albrizzi, und deren direkten Nachfahren. Der heutige Besitzer, Baron Ernesto Rubin de Cervin Albrizzi, sorgte für die Sanierung. Seit 2003 ist die Haderburg für Besucher geöffnet und gemeinsam mit dem Weingut Haderburg mit einem jährlichen Sektfrühstück (heuer am 29. Mai) eine der zahlreichen kulturellen und kulinarischen Attraktionen auf der Südtiroler Weinstraße. 

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Weingut Alois Lageder in Margreid

Von der Sehnsucht, im Einklang mit der Natur zu leben

„Unser Dorf ist so erhalten geblieben, wie es immer war“, sagt Alois Lageder, „das ist der Schatz von Margreid.“ Freilich, für den Winzer war auch der Boden rund um den Ort interessant, „100 Prozent Kalkgestein, Dolomit, das gibt dem Wein einen besonderen Touch. Ein bedeutendes Gebiet für Weißwein und für kräftige Rotweine.“ 1823 hat sich ein Vorfahre mit dem Wein eingelassen. Seit 1934 verfügt seine Familie über Besitzungen in Margreid, er selber hat schließlich die Tätigkeit hierher auf den Ansitz Löwengang konzentriert, die Rebflächen durch Zukauf vergrößert und unter anderem ein weiteres Weingut, das Casón Hirschprunn, zugekauft. Lageder gerät ins Schwärmen: „Seit dem 11. Jahrhundert hat man dort instand gelassene Bausubstanz – ein Juwel, in dem man die Atmosphäre von damals einatmet.“ Das Paradeis ist die Weinschenke in den altehrwürdigen Mauern und dahinter erstreckt sich bis zum gleichnamigen Weinberg der „Garten im Schatten des Paradeis“. Seit dem 17. Jahrhundert wird im Casón Hirschprunn Wein aus eigenen Trauben gemacht. Mit dem neuen Besitzer erfährt das Gut eine Renaissance und liefert große Lagenweine.

 

Bildtexte: (Bilder zum Vergrößern anklicken!)

o.: Pfarrhof in Margreid

u.l.: Malerischer Hauserker

u.r.: Durchgang eines Bauernhauses

 

Der Ansitz Löwengang wurde 1995 neu gebaut, nach Vorstellungen, die sich schon in den Jahren davor entwickelt hatten und sich nun im neu gestalteten Weingut auch in einem großen gedanklichen Gebäude vereinigten.

Bildtexte:

o.l. u. r.: Impressionen aus Margreid

u. l.: Altes Bauernhaus in Margreid

u.r.: Innenhof von Casòn Hirschprunn

u.r.: Arbeiterinnen im Paradeis

Alois Lageder ist kein Missionar, aber es ist ihm gelungen, die Hintergründe seines Vorgehens auch seinen Mitarbeitern verständlich zu machen. „Heute sind sie imstande besser zu beobachten und es kommen Beobachtungen zurück, die nützlich sind.“ Er kann ein befriedigendes Resümee ziehen: „Die dynamische Wirtschaftsweise führt zu ganz anderem sozialen Bewusstsein.“

Ein weiterer Aspekt ist das höherwertige Produkt: „Über Qualität lässt sich streiten. Aber auch bei Blindproben hat sich der biodynamisch erzeugte Wein als ausgewogener, harmonischer als andere herausgestellt. Die Rebe ist gesund und resisdent. Sie hält auch unterschiedlichen Stresssituationen im Lauf des Sommers durch die Klimaerwärmung stand. Es gibt kaum eine Verzögerung der physiologischen Reife. Wir können eine Woche bis 10 Tage vor den Nachbarn ernten. Der Erfolg ist weniger Alkohol und damit ein gefälliger Wein. Das ist sehr wichtig.“ Alois Lageder hält nicht allzu viel von den „Hochprozentigen“, er sieht den hohen Alkoholgehalt eher als Problem.

Bildtexte:

g.o.: Tòr Löwengang

o.: Wintergarten mit Installation von Philipp Müller

u.: Mario Aitò: Wiengenlied für Barrique-Fässer

„Bedingt durch die Erziehung meiner Mutter habe ich in die biodynamische Richtung tendiert“, erinnert sich Lageder, „wenn sie ihren Küchengarten biodynamisch bewirtschaftet, so dachte ich mir, müsste sich das auch im Großen verwirklichen lassen – nicht gegen die Natur, sondern in Symbiose mit den Naturkräften.“

2004 wurde der Betrieb, immerhin über 540 ha, umgestellt und ist mittlerweile zertifiziert.

Die radikale Hinwendung zum biodynamischen Weinbau hat zu einer Zweiteilung im Angebot geführt. TENUTÆ LAGEDER ausschließlich mit Trauben aus diesem Weingut, und ALOIS LAGEDER. „Dafür wird Traubenmaterial zugekauft“, so der Winzer: „Es gibt bei uns den schönen alten Brauch Kauf auf Ehre. Der Bauer übergibt uns die Trauben, ohne den Preis fixiert zu haben, im Vertrauen darauf, dass wir den Wein möglichst gut verkaufen. Wenn wir wissen, was der Wein wert ist, was der Markt dafür bezahlt, wird der Preis fixiert. Das gibt uns die Möglichkeit, den Preis sehr qualitätsbewusst zu gestalten.“ Die Bauern werden damit motiviert, wenig Menge und mehr Qualität zu produzieren, und werden für dieses Bemühen mit einem besseren Preis belohnt.

Der Bau selbst, also die Hardware, in der Lageders Weine gekeltert werden, wurde ebenfalls nach außergewöhnlichen Parametern errichtet. Lageder sieht in der Hauptsache drei wesentliche Punkte.

Erstes Ziel war die Schaffung eines gesunden natürlichen Umfeldes. Der Bauherr erinnert sich, dass es damals nicht leicht war, überhaupt Handwerker zu finden, die mit den neuen Technologien zurande gekommen wären. Aber abgesehen von unbedeutenden Kompromissen ist das Vorhaben gelungen. Nicht nur frisches Grün wuchert überall im Haus, auch die elektrischen Leitungen wurden so verlegt, dass von ihnen kein Elektrosmog ausgeht.

Zweiter Schwerpunkt sind erneuerbare Energiequellen. Das Ziel, Selbstversorger zu werden, wird durch eine raffinierte Kombination aus Wärmepumpe, geschickt eingesetzter Strahlungswärme und Fotovoltaikanlage angestrebt. 

Das dritte Ziel ist die schonende Verarbeitung der Trauben in einem Kellerturm, der 70 m in die Tiefe geht und eine mechanische Beförderung der Trauben erübrigt.

Die anschließende Führung durch das Weingut wird zu einem Galeriebesuch mit zeitgenössischer Kunst, einer faszinierenden Symbiose aus Kultur und Wein. Christian Philipp Müller nennt seine Arbeit „Von der Sehnsucht, im Einklang mit der Natur zu leben“ (2001) und hat dafür kleine Stücke aus Lageders Weingärten in den Wintergarten verlegt. Der amerikanische Konzeptkünstler Matt Mullican hat in unterschiedlichsten Bereichen des Weingutes schwarze Granittafeln mit eingeritzten Sternkarten platziert, als Ausdruck des makroskopischen Beziehungsgeflechts, in das speziell das Wachstum und die Herstellung des Weines eingebunden sind. Mario Airò hat für das das Weingut ein „Wiegenlied für Barrique-Fässer und Streicher“ geschaffen. Das Abspielgerät wird von einer Windturbine angetrieben, das, wenn es die Natur will, Fässern und Besuchern ein ungewöhnliches Hör- und Schauerlebnis mit projizierten tanzenden Weinteilchen beschert.

Als zu guter Letzt Alois Lageder auf Erzherzog Johann zu sprechen kommt, ist eine Ähnlichkeit zwischen den beiden Persönlichkeiten nicht zu übersehen: „Er war die treibende Kraft, er hat die Bauern motiviert, Sorten anzubauen, die in gewissen Lagen und Weinbergen optimale Voraussetzungen finden. Wir mussten damit keinem Trend nachlaufen. Chardonney, Weißburgunder, Blauburgunder oder Cabernet gibt es bei uns schon 150 Jahre, sie gehören zur Tradition. Wir haben große Erfahrung, wie die Sorten reagieren und haben damit einen Vorteil gegenüber anderen Weinbaugebieten, die damit erst vor 20 Jahren angefangen haben.“

 

Werner Morandell vom Lieselehof in Kaltern

Aufgewachsen mit den Reben

Die Apfelbäumchen stehen bereits in voller Blüte, die Weinstöcke zeigen schüchtern grüne Triebe, einzig der Gewürzgarten des Lieselehofes verharrt noch in der Winterruhe.

Die lange kalte Zeit mit einer durchgehenden Schneedecke hat ihm zugesetzt und etliche Kräuteln erfrieren lassen. Aber schon wenige Wochen später wird es dort üppig grünen und appetitlich nach mehr als 100 Gewürzpflanzen duften. Dafür wird Claire sorgen, die Gattin von Werner Morandell, der sich, wenn ihm das Weingut Zeit lässt, um sein Rebenmuseum kümmert.

Unterhalb seines Lieselehofes hat er 300 Rebsorten aus der ganzen Welt angepflanzt. Jede einzelne von ihnen will säuberlich gepflegt und beschriftet sein. Es finden sich dort erstaunliche Gäste, wie die Reben aus Georgien, angeblich der ältesten Weinregion der Welt mit den meisten autochthonen Sorten (über 400). Vor sieben Tausend Jahren soll im Kaukasus schon Wein gemacht und in Amphoren abgefüllt worden sein. Neben der japanischen Rebe namens Geisha, die gegen Kälte resistent ist, finden sich hier sogar vertraute Österreicher wie Grüner Veltliner, Rotgipfler, Zierfandler und Neuburger.

Sie alle dienen der Forschung um die Herkunft und die Natur der Reben, ein Fachgebiet, das Werner Morandell im Blut liegt. Er erinnert sich: „Wenn ich als Bub von der Schule nach Hause kommen bin, sind sechs, sieben, oft auch zehn Mandl in der Kellerei g´sessen und haben Reben zusammeng´schnitten; in der Mitte ein Ofen, wo jeder sei Hafele Wein oben g´habt hat, damit er net so kalt is.“ Unterlagsreben, so erklärt der Spezialist, sind Wildreben, die sehr stark ranken, bis 30 Meter in einen Baum hinein wachsen. „Dagegen ist die Europäische Kulturrebe mittlerweile in Tausenden von Jahren durch ständige Selektion domestiziert worden und ist braver.“ Den so genannten Omegaschnitt, mit dem die Edelreiser damals im Hause seines Vaters händisch aufgepfropft wurden, erledigen heute Maschinen im fünffachen Tempo.

Der Lieselehof liegt auf 500 m Seehöhe, wo üblicherweise die traditionellen Weißweinsorten wie der Weißburgunder und der Gewürztraminer angebaut werden. Im Weingarten von Morandell gedeiht auch eine Sorte namens Bronner. Es dürfte keine Schande sein, diesen Namen im Zusammenhang mit Wein zum ersten Mal gehört zu haben. Der Bronner, eine Weißweinsorte, wurde im Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg gezüchtet. Benannt wurde sie zu Ehren von Johann Philipp Bronner, einem Rebsortenzüchter aus dem 19. Jahrhundert. Morandell liegt diese Sorte besonders am Herzen. Er verwendet sie für einen trockenen, mineralischen Weißwein, den Julian, benannt nach einem seiner beiden Zwillingssöhne, und für einen Süßwein. „Alkohol normal, Säure neun Gramm, furchtbar hoch, Restzucker 258 Gramm, Wahnsinn! fast Marmelade“, schwärmt Morandell. Gewidmet hat er den Wein seiner Frau Claire, „weil sie so sweet ist.“

Bildtexte:

o.: Namensschild im Rebenmuseum von Werner Morandell

u.: Geisha, eine Rebe aus Japan

 

Bildtexte: (Fotos zum Vergrößern anklicken!)

o.l.: Werner Morandell

o.: Kirschblüte auf dem Lieselehof

u.: Kaltern

 

 Neben dem Bronner schätzt er die – ebenfalls hierzulande weniger bekannten – Sorten Johanniter, Helios und Solaris. Sie alle haben gegenüber herkömmlichen Rebsorten den großen Vorteil, gegen Pilzbefall natürliche Widerstandskräfte zu besitzen. Sie sind das Ergebnis intensiven Forschens und Züchtens.

Erzielt werden derartige Erfolge, so Morandell, durch die Nachahmung der Natur. Es beginnt bei der Blütenkreuzung, „einer sehr delikaten, aufwändigen Angelegenheit“, wie er selber feststellen musste, bis zu Überlegungen betreffend die Blattgröße oder das Wachstum des Stockes, das wiederum durch den Bewuchs zwischen den Reihen reguliert werden kann.

Werner Morandell ist Vizeobmann bei PIWI Südtirol, der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten. Als Winzer zählt er zwar auch zu den FWB (Freie Weinbauern Südtirol), aber nur als einfaches Mitglied, wie er selber einräumt. Sein Betrieb, der Lieselehof, wird – für den engagierten Winzer selbstverständlich – als Bioweingut geführt.

Im Keller seines Weingutes, dessen gewaltige Steinmauern von ihm selbst in langen Wintern aufgelegt wurden, werden die Weine des Gutes verkostet. Der Bronner hält, was Morandell zuvor versprochen hat: ein großer, sehr frischer, leicht zitronig duftender Weißwein. Die Überraschung des Abends ist ein Solaris. Der Winzer versichert seinen ungläubig kostenden Gästen, dass die Trauben für diesen Wein auf 1300 m Seehöhe, ganz oben auf dem Mendelpass, zu dieser Qualität gereift sind.

Neben dem Bronner schätzt er die – ebenfalls hierzulande weniger bekannten – Sorten Johanniter, Helios und Solaris. Sie alle haben gegenüber herkömmlichen Rebsorten den großen Vorteil, gegen Pilzbefall natürliche Widerstandskräfte zu besitzen. Sie sind das Ergebnis intensiven Forschens und Züchtens und brauchen weder mit chemischen Giften, noch mit Schwefel und Kupfer gespritzt werden.

Auch die Rotweine des Lieselehofes bestehen aus anderen als den in der Umgebung traditionellen Sorten.  Im Talgrund bei den drei Zypressen, die Morandell vor 35 Jahren als Markenzeichen gesetzt hat, wachsen die Bordeauxtrauben Cabernet Frank, Cabernet Sauvignon und Carménère, die den dunklen Maximilan, benannt nach dem zweiten Sohn, ergeben.

Eine Kuriosität und wahrhaftig ein Wein zum bedenkenlos vergnüglichen Trinken, man möchte nicht vom Saufen reden, ist der Leps. Es handelt sich dabei um eine Art Haustrunk, der auf dem Lieselehof aus der Vernatsch- oder Kaltererseetraube in der vom Vater Gottlieb-Amadeus überlieferten Weise wie in alten Zeiten sorgfältig gekeltert wird.  

 

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Die fantastische Kellerwelt des Dominikus Morandell

Traulich und treu ist´s nur in der Tiefe

Bildtexte: (Fotos zum Vergrößern anklicken!)

o.r.: Der Krampen des Dominikus

o.,.u. u. r.: Kellerimpressionen

130 Meter hat er hier in 26 Jahren gegraben, erzählt Dominikus, „immer nach Feierabend, jede Nacht, oft bis drei Uhr in der Früh´. Am Tag muss ich ja im Weingarten arbeiten. Aber ich will arbeiten, ich liebe das Arbeiten.“ Die Welt unter der Erde hatte ihn von Jugend an angezogen, ja vielmehr, sie wurde zu seinem Lebenselixier. „Wenn irgendwo ein Brunnen zu graben war, dann bin ich hineingekraxelt“, erinnert er sich, „und wenn i do einageh, bin i nimmer müd´. I könnt bis in der Früh arbeiten.“

Der Krampen liegt bereit, um in einem der Stollen weiter zu graben. Der Boden setzt ihm an dieser Stelle Gottlob keine allzu großen Hindernisse in den Weg. Der kompakte Schwemmschotter, der diesen Hang in Tausenden von Jahren geformt hat, lässt sich relativ leicht hacken, muss aber bis zur endgültigen soliden Wölbung sorgfältig gestützt werden.

Dominikus ist jetzt 72 Jahre alt. Eine Weile will er noch graben, sofern es seine Gesundheit zulässt. Energie und Wille konnte auch ein schwerer Traktorunfall mit lebensbedrohlichen Verletzungen im Vorjahr nicht brechen. „Zum Essen habe ich genug“, sagt er, während er für die Gäste am runden Tisch im Rittersaal die Gläser bereit stellt, „und wenn mir jemand sagen würde, Dominikus, kannst fliegen, wohin du möchst´, in die besten Hotels, dann würde ich noch was draufzahlen, dass i´ kann a Monat arbeiten, nur da.

In der kleinen Küche, auf die Dominikus in seinem Keller nicht vergessen hat, bereitet derweilen Frau Christine ein bodenständiges Essen zu. „Zuerst werden Hauswurst und Speck gekocht“, sagt sie und wird von ihrem Mann ergänzt, „und eine geräucherte Schweinshaxen“, zirka 10 Minuten, dann wird das Fleisch herausgenommen und schnell Maismehl ins Kochwasser gerührt. Wenn nach einer dreiviertel Stunde die Polenta fertig ist, kommen die geschnittenen Würste und das Fleisch oben auf. Serviert wird auf Papiertellern, „wie seinerzeit im Weingarten“, erklärt die Köchin das einfache Gedeck, „wenn man dort mit dem Essen fertig war, hat man das Papier einfach verbrannt und nichts ist übrig geblieben – praktisch!“

Was schon den Rheintöchtern bei Richard Wagner klar gewesen ist, wurde auch zur Lebensmaxime des Südtiroler Weinbauern Dominikus Morandell. Er ist Winzer am Bärentalerhof, einem Weingut oberhalb des Kalterer Sees, direkt am Waldrand. Die steil abfallenden Weingärten vor dem Haus hat er als junger Mann in einem Tauschgeschäft übernommen und darüber einen schmucken Ansitz hingestellt. Auf dessen Front prangt groß sein Vorname: Dominikus. Das genügt, denn es gibt keinen anderen Dominikus außer ihn, und seine einzigartige Kellerlandschaft gilt in Kaltern und Umgebung längst als Attraktion, die nach ein paar Gläsern Kalterersee dem Urlaubsgast bereitwillig als Geheimtipp gesteckt wird.

Dominikus ist Winzer, und als solcher selbstständig, also nicht an eine der großen Kellereien gebunden, die in Südtirol nach wie vor das Weingeschäft beherrschen, er ist zutiefst umweltbewusst und allein schon von der Neigung seiner Weingärten her zur Handarbeit angehalten und kann gerade dadurch seinem Wein viel Persönlichkeit mitgeben, und vom vorgeschriebenen Wenigen noch weniger ernten.

Den Weinverkauf erledigt gern seine Frau Hermine. Für den weiteren Grund des Besuches, für einen Besuch der Keller, dafür sei aber nur ihr Mann zuständig, sagt sie und fügt mit freundlichem Lachen hinzu, dass er sich, sofern er in der Nähe ist, gerne bei der Arbeit ein wenig aufhalten lässt. Zum Glück ist Dominikus gerade im Weingarten direkt oberhalb des Hauses beschäftigt. Ohne langes Fragen stellt er den Traktor ab und führt den Eindringling bereitwillig durch den vergleichsweise nüchtern gehaltenen Weinkeller in ein fantastisches Labyrinth aus schmalen, gewundenen Gängen, die in einer kleinen, zum Tageslicht hin offenen Halle, einer Art Rittersaal, münden, sich dort wieder im Nachtdunklen verzweigen und neuerlich in taghellen Räumen enden. Wände und Gewölbe sind solide mit mächtigen Steinen verkleidet. Hin und wieder wurden kleine Nischen frei gelassen, in denen malerisch alter Hausrat und bäuerliches Werkzeug für rustikale Stimmung sorgen.

Mit seinem Kalterersee „Dominikus“, einem runden, schönen Vernatsch, wird auf die nächsten Kellermeter angestoßen, freilich wird auch sein feiner Gewürztraminer verkostet und zuletzt ein Glas Lagrein, ein kräftiger roter Südtiroler. Dominikus ist stolz auf seine Weine: „Die Leut´ wollen nur guten Wein, und einen guten haben alle. Das Besondere an meinem Wein is´, dass die Leute, das ist komisch, extra da übernachten und sie sagen, immer wenn sie trinken, Dominikuswein. Die haben eine mords Freud, auch wenn er nicht so gut wär´, es muss stimmen, einfach und fertig – Dominikuswein!“

Mediterranes Flair im Weingarten des Dominikus

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