Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

Der Bockkeller in Ottakring als idealer Schauplatz einer Komödie des Rokoko

Krista Pauer (Silvia) und Steven Klopp (Dorante) © Vondru

Nichts als Liebe und Zufall füllen unterhaltsam einen ganzen Abend

Nur ein Franzose kann aus so wenig Stoff ein abendfüllendes Theaterstück machen. Pierre Carlet de Marivaux, oder kurz Marivaux (1688 – 1763), begnügt sich mit zwei jungen Paaren, einem Brautvater mit Humor und dessen Sohn, der in freundlicher Durchtriebenheit bereits bestehende Verwirrungen noch verschlimmert. Die Hauptfrage, um die es sich dreht: Liegt das Standesbewusstsein in den Genen und damit auch die gegenseitige Anziehungskraft, in diesem Fall Liebe genannt?

Roswitha Meyer (Lisette) und Florian S. Fitz (Arlequin) © Vondru

Heute wäre man wohl anderer Meinung als ein Dichter vor gut 250 Jahren. 1730 wurde die Komödie „Le Jeu de l´amour et du hasard“ uraufgeführt, in der galanten Epoche also, im Rokoko, in den Tagen einer erst schüchtern aufkeimenden Aufklärung. Allein der Gedanke an Gleichmacherei war damals ein Wagnis, das Marivaux allerdings eingegangen ist. Er stellt unverblümt die Frage in den Raum, ob Liebe vom Zufall oder doch von einer tiefer sitzenden Wesensart abhängig ist. Eine List jagt die nächste, wenn Herrschaft und Dienstbot´ ihre Rollen tauschen. Der Grund dafür ist die unverbindliche Prüfung des potentiellen Ehepartners. Allein der Umstand, dass das Edelfräulein Silvia nicht sonderlich auf eine Ehe erpicht ist („Ich bin unverheiratet glücklich!“), mag damals bereits Revolution bedeutet haben.

Manfred Jaksch (Orgon) und Marcel-Philip Kraml (Mario) © Vondru

Ihr Vater Orgon ist anderer Meinung und gedenkt seine Tochter unter die Haube zu bringen. Er stimmt dem Spaß zu, zumal auch der Vater des Bräutigams dieselbe Idee hat. Das Happy End war Marivaux den Vorstellungen seiner Zeitgenossen schuldig. Trotz Verkleidung verlieben sich die entsprechenden Beteiligten ineinander: die Zofe Lisette und Diener Arlequin ebenso wie Dorante und Sivlia. Der gesellschaftliche Bruch bleibt also aus.

Die Übersetzung in „Liebe und Zufall“ stammt von Maurice Schwarz. Sehr geschickt wird darin der sprachliche Unterschied zwischen oben und unten herausgearbeitet. Adelige haben einander ihre Liebe in angemessenem Pathos zu erklären, während es die Untergebenen in dieser Sache um vieles leichter haben. Sie können reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das Ensemble des „Armen Theaters Wien“ schafft mit erfrischender Leichtigkeit das Spiel in beiden Ebenen. Zu Hilfe kommt ihnen der Schauplatz, der Festsaal des Bockkellers in Ottakring mit seinem neobarocken Ambiente. Mehr braucht das Arme Theater nicht. Den Rest erledigen ohnehin die Schauspieler.

 

In der Regie von Erhard Pauer wird die Fläche vor den Sesselreihen mit den Zuschauern zur Bühne, die gern auf jede Kulisse verzichten kann. Manfred Jaksch ist ein sehr entspannter Orgon, der launig die Fäden zieht, unterstützt von seinem Sohn Mario (Marcel-Philip Kraml). Krista Pauer als Silvia und Steven Klopp als Dorante alias Sauvignon stolpern gekonnt über ihre Standesdünkel in innige Zuneigung. Nichts hindert hingegen die Zofe Lisette (Roswitha Meyer) und den Diener Arlequin (Florian S. Fitz) ihre unverhüllte Lust an der Paarung mit wundervoller Komik auszuleben.

 

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