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Schloss Artstetten

Leopold Forstner: ein Künstler, bekannter als sein Name

Mosaik von Leopold Forstner hinter dem Hochaltar der Kirche am Steinhof

Der „Mosaik-Macher“ des Wiener Jugendstils

Die Kirche am Steinhof, erbaut von Otto Wagner, ist eines der architektonischen Juwelen des Wiener Jugendstils. Der Hochaltar wird von einem prächtig leuchtenden Mosaik beherrscht, Ausgeführt wurde es von Leopold Forstner (1878 – 1936), der mit den Künstlergrößen der Reichshauptstadt in inniger Verbindung stand. So wurde Koloman Moser nach dem Studium an der k.k. Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie zu seinem Mentor, der ihm wohl auch die Mitarbeit an etlichen Projekten, beispielsweise von Gustav Klimt bei dessen berühmten Fries im Palais Stoclet in Brüssel, ermöglichte. 1906 hatte Forstner die „Wiener Mosaikwerkstätte“ gegründet und erste Bekanntheit durch mehrmalige Teilnahmen an der Wiener Kunstschau und 1911 an der Frühjahrsausstellung des Hagenbundes erlangt. Leopold Forstner war nämlich weit mehr als ein geschickter Kunsthandwerker.

Skizze von Leopold Forstner wärhend seiner Balkanreisen

Er war selbst Künstler, der sich mit sicherem Strich und großem Gefühl für Farben als Zeichner, Maler und Buchgraphiker betätigte. Zu all dem war er noch Sammler volkskundlicher Gegenstände, die nun im Mittelpunkt einer kleinen Sonderausstellung auf Schloss Artstetten unter dem Titel „Stationen eines Künstler-Lebens“ (bis 1. November 2016) zu sehen sind.

Ausgussschnabel einer Tonkann aus Albanien

Der Erste Weltkrieg bedeutete für die künstlerische Entwicklung von Leopold Forstner einen tiefen Einschnitt. Er wurde zum Militär einberufen, hatte aber das Glück, als Sammeloffizier für das Wiener Museum für Volkskunde tätig sein zu können. Er bereiste die zur Monarchie zählenden Balkangebiete mit dem Auftrag, „eine möglichst große Anzahl von volkskundlichen Gebrauchsgegenständen, Erzeugnissen des Handwerks und der Hausindustrie mitzubringen.

Dieser Befehl zeigt deutlich, dass zu dieser Zeit noch niemand an das Ende des Kaiserreiches dachte und in der Hauptstadt ungebrochen das Bedürfnis lebte, das Wissen über Seele und Kultur der vielen Völker, die unter dem Doppeladler zusammengeschlossen waren, zu vertiefen.

Eine Glasschale aus der Österreichischen Edelglaswerke AG um 1920 von Leopold Forstner

Während seiner Reisen fertigte Forstner Skizzen und Ölbilder und beschrieb in Briefen sowie Reiseberichten das Lebensumfeld und den Alltag dieser Menschen. Es entstand damit ein gewaltiges Archiv, das jedoch nach dem Zusammenbruch der Monarchie mehr oder weniger in Vergessenheit geriet. Dem Künstler und Kunsthandwerker Leopold Forstner selbst erging es nicht wesentlich besser. Er übersiedelte nach Stockerau, gründete dort 1919 weitere Werkstätten, die er jedoch bald wieder verkaufen musste. Er betätigte sich, wie es in seinem Lebensbericht heißt, künstlerisch vielseitig, unter anderem mit der Ausführung von Denkmälern, als Architekt und Landschaftsplaner, aber auch als Zeichenlehrer am Gymnasium in Hollabrunn.

Für die Ausstellung auf Schloss Artstetten öffnete nun das Österreichische Museum für Volkskunde seine Depots und steuerte zahlreiche Objekte aus der Zeit der Balkanreisen wie Guslen (traditionelle Streichinstrumente), Tschibuks (kunstvoll gedrechselte Tabakpfeifen) und Opanken (urtümliche Schuhe) bei. Ergänzt mit prachtvollen Gläsern, Mosaiken und Bildern, zum guten Teil aus dem Besitz eines Enkels von Leopold Forstner, wird der Besucher zu den Stationen eines Künstlerlebens geführt, dessen Werke bekannter sind als ihr Schöpfer.

Postkarte aus Shkodra (Skutari), Albanien
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