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Man Ray Ausstellungsansicht

MAN RAY Universalkünstler, nicht nur genialer Fotograf

Man Ray Noire et Blanche , 1926 © MAN RAY TRUST/Bildrecht, Wien, 2017 /18

Der Ästhet in der Kunst des jungen 20. Jahrhunderts

In Europa hatten Dadaismus, Kubismus und ähnliche Experimente die Schönheit aus der Kunst entfernt. Wilde Burschen wie Tristan Tsara, Louis Aragnon oder André Breton hatten ihre Zeitgenossen erfolgreich geschockt und dem Surrealismus den Weg geebnet. Mitten in ihr „Zerstörungswerk“ platze ein junger Amerikaner, der faszinierende Ideen hatte, diese aber auch grandios, vor allem aber ästhetisch umzusetzen verstand. Man Ray nannte sich der begabte „Eindringling“, der eigentlich Emmanuel Radnitzky hieß. 1912 hatte die Familie den osteuropäischen Namen zu Ray gekürzt, sein Vorname wurde zu Man. Dass er zeichnen konnte, hatte er schon als Kind bewiesen. Ein Stipendium für ein Architekturstudium an der University of New York lehnte er ab. Statt dessen richtete er in der elterlichen Wohnung ein Atelier ein und verdiente sein Brot in einem Anzeigenbüro und einem technischen Verlag.  Er besucht in dieser Zeit regelmäßig die Galerie 291 von Alfred Stieglitz in Manhattan.

Man Ray Violon d’Ingres , 1924 © MAN RAY TRUST /Bildrecht, Wien, 201 7/18

Dort kommt Man Ray zum ersten Mal mit der Fotografie in Berührung und scheint von den damit verbundenen Möglichkeiten fasziniert gewesen zu sein. Er heiratet 1914 die belgische Dichterin Donna Lecoeur mit dem Künstlernamen Adon Lacroix. Das Paar lebt in einer Künstlerkolonie in Ridgefield (New Jersey), wo vom Kubismus und Fauvismus beeinflusste Landschafts- und Aktstudien entstehen. Entscheidend ist der Besuch von Marcel Duchamp, mit dem Man Ray eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte.

Man Ray Woman Asleep 1913 (Ausstellungsansicht)

Der Amerikaner folgt 1921 dem Franzosen nach Paris. Bereits nach in paar Monaten erhält Man Ray seine erste Einzelausstellung. Er lernt dort das Modell Alice Prin, damals besser bekannt unter Kiki de Montparnasse, kennen und bleibt bis 1928 mit ihr zusammen. Als Künstler entwickelt er die „Rayografie“, entstanden aus direkter Belichtung eines Gegenstandes auf Fotopaper. Sein Einkommen bescheren ihm Portrait- und Modefotografien. Man Ray ist in der Metropole der Mode ein gefragter Fotograf mit den Schönen seiner Zeit vor der Linse.

Erst nach seinem Rückzug aus Paris 1940 nach dem Einmarsch der Deutschen beginnt er wieder Bilder zu malen. Seine Kontakte zur Alten Welt reißen nicht ab, zumal viele der schöpferischen Menschen zwangsläufig nach Amerika emigrieren müssen. Es entstehen der Gemäldezyklus „Shakesperean Equations“ und Gemälde wie „Mon premier amour“. 1951 zieht es Man Ray wieder nach Paris, wo er weiter als Maler arbeitet. Auf der Biennale della Fotografia in Venedig wird er 1961 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Einige Jahre später erhält Man Ray den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie und 1976 den Ordre des Arts et des Lettres von der französischen Regierung. Am 18. November 1976 stirbt Man Ray im Alter von 86 Jahren in seinem Atelier in der Rue Férou und wird am Cimetière du Montparnasse beigesetzt.

 

Bis 24. Juni 2018 zeigt das Kunstforum Wien einen faszinierenden Überblick über das breit gefächerte Kunstschaffen von Man Ray. Sein Herangehen an die verschiedensten Formen der Kunstproduktion hat in jedem Fall, egal in welcher Sparte, stets neue Wege geöffnet oder bereits Bestehendes in ein neues Licht gerückt.

Anhand von rund 200 Werken von internationalen Leihgebern wie dem Museum of Modern Art und dem Whitney Museum in New York, dem Centre Pompidou in Paris oder der Tate London und privaten Leihgebern wird mit Malerei, Fotografie, Zeichnung, Assemblage, Aerografie, Film, Buch- und Objektkunst der „ganze Man Ray“ vorgestellt, ohne jedoch verhindern zu können, dass faszinierende Fotografien wie „Noire et Blanche“, „Le Violon d´Ingress“ oder „Tränen“ als seine wesentlichen Schöpfungen dem allgemeinen Kunstgedächtnis verhaftet bleiben werden.

Man Ray La Fortune 1938 (Ausstellungsansicht)
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