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Impression aus Simon Quendlers Labor © Simon Quendler

SIMON QUENDLER Schöpferische „Reaktionen“ des Malchemisten

Der Malchemist in seinem Labor © Simon Quendler

Destruktion und Neuschaffung bei der Suche nach den Ur-Farben

Simon Quendler (1983*) ist der jüngste Künstler, dem in den Heil´gen Hallen des Bank Austria Kunstforums eine Personale gewidmet ist (bis 11. April 2017 bei freiem Eintritt zu erleben). Quendler ist Maler, gleichzeitig aber auch Alchemist auf der Suche nicht nach dem Stein der Weisen, sondern nach den Ur-Farben, eben Malchemist. Wenn man so will, kann man ihn in der Schublade „Reaktionskunst“ verstauen. Seine Reaktionen sind jedoch doppeldeutig. Zum einen reißen sie brutal Landschaften, was sagt man, ganze Welten auf, um damit einen neuen Kosmos zu schaffen. Zum anderen handelt es sich um ein hochkomplexes chemisches Experimentieren in der technischen Bedeutung des Wortes Reaktion. Dazu benutzt er, was andere als Atelier bezeichnen, ein abenteuerliches Labor mit einem Hochofen, in dem nicht immer gefahrlos die Strukturen unterschiedlicher Stoffe aufgebrochen werden, um deren Kern freizulegen. Es geht dabei um die Suche nach neuen Materialeigenschaften des Verbrennungsstoffes.

Geälde von Simon Quendler © Simon Quendler

Sie sollen es ihm ermöglichen, die Grenzen des Kunstspektrums zu verschieben. Zusätzlich experimentiert Quendler mit der Auslösung von Schwebe- und Vulkanascheteilchen aus Flüssen und Böden mithilfe von Filtersystemen. Eine Kombination von biologischen und chemischen Mechanismen soll ihn zu seinem Ziel der Ur-Farben führen, die sich „teilweise noch während der Ausstellungseröffnung durch Oxidation verändern und so als neue, unerwartete, scheinbar zufällig Erscheinungen wahrgenommen werden“, beschreibt Simon Quendler seine Vorstellung von der Wirksamkeit seiner Malerei, die er, wie er erzählt, in etlichen Schichten aufträgt.

 

Als Text zur Ausstellung und zur Person Simon Qendler gibt es das Buch mit dem nicht gerade bescheiden anmutenden Titel „ESSENZ DER WELT“.

Es handelt sich dabei abgesehen von einigen gegenständlichen Zeichnungen und Ausschnitten aus abstrakten Bildbeispielen um handschriftliche Notizen zu seinen Experimenten und Gedanken. Darin beruft er sich auf Zarathustra mit Verweis auf Ahura Mazda als Schöpfergott und Macht des Lichts, um über das Gilgamesch-Epos zu Gott als ständigem Erklärungsgrund und zu seinem persönlichen Schluss zu kommen, dass geistige Grenzerfahrung zur Gottes Konfrontation führt, „da die eigene Grenzerkennung wohl zu schmerzhaft ist!

Der Malchemist Simon Quendler in seinem Labor © Simon Quendler
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