Kultur und Wein

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Dracula Ensmeble © Tim Hüning

DRACULA als vielversprechender Einstand für das neue Theater

Alexander Jagsch (Dracula), Matthias Mamedoff (Jonathan) © Tim Hüning

Bekanntschaft schließen mit einem äußerst sympathischen Vampir

Kaja Dymnicki & Alexander Pschill haben es gewagt und in der Porzellangasse 8 das Theater Bronski & Grünberg eröffnet. Der herkömmlichen Literatur für ein solches Unternehmen haben die beiden Bühnenprofis offenbar nicht getraut und für den Start gleich selbst ein Stück ihrem Ensemble auf den Leib geschrieben. Die Wahl fiel auf den wohlbekannten Daracula-Stoff von Bram Stoker, der sich aufgrund seiner Vielschichtigkeit nicht nur für Gruselromane und Horrorfilme eignet.

Julia Edtmeier (Lucy), Josef Ellers (Dr. Seward) © Tim Hüning

Schon Roman Polański hat gezeigt, dass man über Untote auch lachen kann und je weniger man die düstere Bedrohung durch transsilvanische Vampire ernst nimmt, umso mehr wird man sich selbst bewusst, wie viel von einem Blutsauger in jedem von uns steckt. Dymnicki & Pschill packen Dracula ebenfalls von der ironischen Seite und machen recht deutlich, dass niemand davor gefeit ist, in vorgeblicher Angst vor einem abstrakten Schrecken umgehend am Hals oder an anderen Köperteilen des Nächsten anzudocken und wie an einer Tankstelle dessen Lebenssaft für sich abzuzapfen. Ihrer Intention nach ist das Stück zumindest hintergründig politisch und eine Entlarvung der Furcht vor Fremdem, die allerdings fast zu gut in der Satire versteckt ist.

Matthias Mamedoff (Jonathan) © Tim Hüning

Freilich kann sich jeder seine persönlichen Gedanken machen, wenn Alexander Jagsch von den Jahrhunderten untoten Daseins gebeugt als Graf Dracula durch sein „Schloss“ latscht, vorbei an Jolly Buntstiften, Kinderspielzeug und spartanischer Einrichtung. Die Wände sind schwarz, mit geheimnisvollen Botschaften beschriftet und an die Tür zu verbotenen Räumlichkeiten schreibt Dracula deutlich ein NEIN! Unterbrochen wird seine Einsamkeit durch das Eintreffen des Engländers Jonathan Harker (Matthias Mamedoff).

Der quirlige Londoner Immobilienhändler ist ob der gewöhnungsbedürftigen Gastfreundschaft seitens des Grafen irritiert. Das Bettzeug staubt, laute Musik stört seine Ruhe und vor der Tür heulen die Wölfe, die Kinder der Nacht. Mit dem Essen auf einer unendlich lang scheinenden Tafel kann er sich jedoch anfreunden, wenngleich die seltsamen Umstände dazu beitragen, dass Jonathan zum Fliegenfresser wird. Jagsch und Mamedoff machen den ersten Akt mit subtiler Komik und fein ausgespielten Gags zu einem amüsanten Kräftemessen zwischen dem reizend hilflosen Herrn aus dem Westen mit allen seinen Vorurteilen und dem in Aberglauben und Mythen versponnenen Dracula mit attraktiv slawischem Akzent.

 

In der zweiten Hälfte tritt die gesamte Mannschaft auf. Die Beteiligten erscheinen zuerst einzeln, schneiden sehenswert Grimassen und verschwinden wieder hinter einer der vielen Türen. Erst nach und nach versammelt sich die Gesellschaft, bestehend aus Jonathans Verlobter Mina (Doris Hindinger mit Mut zur Hässlichkeit), dem verklemmten Arzt Dr. Seward (Josef Ellers), dem mordsgeilen Lord Arthur Holmwood (Rafael Schuchter) und Lady Westenraa (resolut und mit respektablem Hinterteil: Pilar Aguilera). Sie alle verbindet die scheinheilige Sorge um die kranke Lucy und dumpfe Angst, verbunden mit der finsteren Ahnung, die sich kurz darauf bestätigt, als diese hübsche junge Dame mit Dracula persönlich flirtet.

Wer könnte Julia Edtmeier widerstehen, wenn sie verführerisch lächelnd und lediglich mit einem Nachthemdchen bekleidet den Grafen um eine Zigarette anschnorrt. Offenbar begreift sie nicht die Folgen ihres Tuns, denn gegen den Vampirismus helfen laut dem zu Hilfe gerufenen Prof. Van Helsing (Aleksandra Corovic wird mit aufgemaltem Schnurrbart in den männlichen Vampirjäger verwandelt) nur Bluttransfusionen. Die Folge ist eine letale Blutleere, an der allerdings Graf Dracula, der legendäre Blutsauger, die geringste Schuld trägt.

Dracula Ensemble beim gemeinsamen Fürchten © Tim Hüning
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