Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Chianti, die herbe Schönheit der Toskana

Das Land, wo Wein und Olivenöl fließen und die Menschen offen auf dich zukommen

Gebüsch und dichter Laubwald, steile, wild bewachsene Hänge, von der Fahrbahn der schmalen Straße, einer Strada bianca oder sterrata, also nicht asphaltiert, wirbelt mächtig Staub auf. Weiß sind die Büsche am Straßenrand und ebenso weiß ist die Heckscheibe des Autos. Der Weg vom Arnotal herauf in den Chianti entspricht so gar nicht dem romantischen Bild von einer Toskana, wie man es seit jeher im Kopf hat, als eine in glühendes Abendrot getauchte Landschaft mit Reihen von Zypressen, die an sanften Hügeln zu imposanten Anwesen empor führen.

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Diese, fast möchte man sagen, noble Einfachheit beginnt beim Essen, bei dem ein Stück Pecorino auf einem im Holzofen gebackenem Brot einem hart arbeitenden Weinbauern genauso als Mahlzeit genügt wie die Pici, eine selbstgemachte Pasta mit nichts als Olivenöl und Käse. Sie reicht bis zur Gastfreundschaft, die dem Besucher vom ersten Moment an entgegengebracht wird, in einer Offenheit und Herzlichkeit, die anderswo selten zu finden ist. Und sie gehört auch zu den geschotterten Straßen, die auf dem Weg in den Weingarten geradeso wie bei der Anfahrt zur eleganten Ferienvilla den Reisenden ohne Rücksicht auf Rang und Namen mit dem gleichen weißen Staub bedecken.

Bevor sich aber noch ein Schimmer von Enttäuschung einstellen könnte, taucht das Traumbild ganz von selber auf. Der Wald öffnet sich und gibt den Blick frei auf das Städtchen Radda in Chianti oder auf Castellina in Chianti oder auf Castelnuovo Berardenga. Rotbraune Häuser mit flach geneigten Dächern scharen sich um ihre Burg. In den engen Gassen ist die Zeit stehen geblieben. Das Heute hat draußen zu bleiben, zum Beispiel auf einem der Parkplätze, die man erfreulicherweise in genügender Zahl für die beachtlichen Besucherscharen bereitgestellt hat.

 

Umgeben sind die Orte von Weingärten, deren sattes Grün immer wieder vom silbrigen Grau der Olivenhaine unterbrochen wird. Mitten drinnen, eingebettet in Grund und Boden, stehen die Bauernhäuser, eigentlich wiederum kleine Dörfer, in denen einst die Bauern neben den Herrschaften gewohnt haben. Dort wurde einst gemeinsam gelebt, im Rahmen der Mezzadria (Halbpacht) gearbeitet und in der Hauskapelle gebetet. Leider stehen viele dieser Gebäude heutzutage leer und schaffen in ihrem Verfall eine eigentümliche Melancholie, die allerdings bereits zum Reizprogramm in diesem Landstrich zu zählen scheint.

 

Gebracht haben den Wein die Etrusker. Nach ihnen kamen die Römer und alle die Völkerschaften, die irgendwann gen Rom gezogen sind. Wenn man aber etwas genauer hinhört und hinschaut, dann merkt man unweigerlich: Die Etrusker sind keineswegs verschwunden. Die Leute bezeichnen sich nach wie vor recht gerne als Etruschi, zeigen gerne die sonderbar heiter anmutenden Nekropolen ihrer Vorfahren und pflegen eine bäuerliche Kultur, die durch Harmonie und anziehende Einfachheit besticht.