Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht © Hertha Hurnaus, Dom Museum Wien

DOM MUSEUM WIEN Gegenwart und Geschichte neu vereint

Fassade (Rendering) des Dom Museum Wien Originalfoto: Hertha Hurnaus, Dom Museum Wien

Vom Bildnis Rudolfs IV. bis zum Selbstporträt von Arnulf Rainer

Man muss am Stephansdom vorbeigehen, um zu seinen Schätzen zu gelangen. Immerhin ist er das zentrale Gotteshaus für eine große Diözese rund um Wien und es haben sich hier wertvolle Artefakte religiös motivierter Kunst angesammelt. Ein guter Teil ist davon jedoch im neu eröffneten Dom Museum Wien zu bewundern. Die einzigartigen Objekte der Sammlung wurden aus den angehörigen Pfarren an das Dom Museum Wien verliehen, besser gesagt, hierher in Sicherheit gebracht. Es handelt sich unter anderem um Monstranzen und liturgischem Gerät, die wegen ihrer reichen Ausstattung mit Gold, Silber und Edelsteinen auch eine entsprechende Verwahrung erfordern, die kein Pfarrhof in dieser Form bieten könnte, um nicht die Begehrlichkeit von gewissenlosen Kunstdieben zu entfachen. Mittelalterliche Marien- und Heiligenfiguren finden im Dom Museum die ihnen gebührende Behandlung durch kundige Restauratoren und das ideale Klima, das ihr sensibles Material, zumeist Holz, erfordert. Die Empfindlichkeit von Büchern und Stoffen braucht man nicht eigens zu betonen.

Schreinmadonna, Wiener Bildhauer, um 1420-30 © Lena Deinhardstein, Lisa Rastl

Im Dom Museum wird jedoch die Möglichkeit geschaffen, ein karolingisches Evangeliar aus dem 9.(!) Jahrhundert und eine Kasel (Messgewand) aus der Zeit kurz nach 1400 ganz aus der Nähe zu betrachten und sich als Besucher in die Zeit von deren Entstehung zurück zu versetzen. Das Highlight ist freilich ein Gemälde, das als ältestes Porträt des Abendlandes gehandelt wird. Es zeigt Rudolf IV., den Stifter und ist eines der wichtigsten historischen Zeugnisse nicht nur Wiens, sondern ganz Österreichs.

Taufschüssel mit Pelikanmotiv und Umschriften, Anfg. 16. Jh. © Lena Deinhardstein, Lisa Rastl

Für Johanna Schwanberg, Direktorin des Dom Museum Wien, ist neben der großen Vergangenheit der Diözese auch das Kunstschaffen der Gegenwart ein persönliches Anliegen. Sie konnte dabei auf die Sammlung Otto Mauer zurückgreifen, deren Werke ein Schlaglicht auf den Aufbruch der Kunst in den 1950er-Jahren werfen. Aus den mehr als 3.000 Arbeiten unter anderem von Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Joseph Beuys oder Alfred Kubin wurde eine feine Auswahl getroffen, die in die Sonderausstellung „Bilder der Sprache und Sprache der Bilder“ führt.

Der zeitliche Bogen dieser Auseinandersetzung mit dem Wesen des Geschriebenen spannt sich von einem Antichrist-Bildertext aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts über die Totenklage von Günter Brus aus 1988 bis zu dem für das Museum geschaffene Mitmach-„Studio – ein Projekt zur Geheimschrift Rudolfs IV.“ von der Künstlerin Johanna Kandl aus 2017.

Man versucht, einen geheimnisvollen Text zu entziffern und schreibt das Ergebnis mit einem Bleistift auf ein vorbereitetes Blatt Papier.

 

Untergebracht ist das Dom Museum Wien in einem Palais aus dem 19. Jahrhundert. Der Denkmalschutz machte den Umbau in ein helles, dem 21. Jahrhundert entsprechendes Museum keineswegs einfacher. Dennoch gelang es Architekt Boris Podrecca Alt und Neu geschickt zu verbinden und nebenbei auch Annehmlichkeiten wie einen Aufzug in das ehemalige Wohnhaus einzubauen. An Audio- und Videostationen hat der Besucher die Möglichkeit, sich in das Gezeigte zu vertiefen oder für diese beiden Medien geschaffene Kunst wie „Kirchenlieder – Psychoanalyse“ von Maria Hahnenkamp zu erleben. Eine Menge Wissen vermitteln die Broschüren, die den Rundgang Station für Station mit einfach zu verstehenden Informationen in einer doch für viele fremden Materie begleiten und den Museumsbesuch mit dem Blick auf den Stephansdom zu einem nicht zuletzt auch besinnlichen Erlebnis gestalten.

Das Porträt Rudolf IV., um 1360 © Lena Deinhardstein, Lisa Rastl
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