Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Usbekistan zu Gast im Kabinett des Dommuseums

Schätze aus dem Reich der tausend Städte

Mit den Aufzeichnungen des venezianischen Forschungsreisenden Marco Polo (13. Jh.) verbreitete sich im Westen das Wissen auch um die Regionen Zentralasiens. Sie lagen an der legendären Großen Seidenstraße, durch die China, Indien, der Nahe Osten und Europa verbunden waren und wo bereits ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. Seide, Porzellan, Gewürze, Tee, aber auch Wissen nach Westen transportiert wurden.

 

Sie führte durch das Gebiet des heutigen Usbekistan, in der Antike „Reich der tausend Städte“ genannt. Die berühmtesten davon sind Samarkand, Buchara und Chiwa, die hierzulande spätestens durch die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe zum Begriff wurden. So kann beispielsweise Samarkand auf eine Geschichte von 2750 Jahren zurück blicken und besitzt damit die bedeutendsten Baudenkmäler der islamischen Welt.

Panorama: Susani (aus dem Persischen: Mit einer Nadel genäht)

l.g.o.: Silberne Schmuckdose

l.o.: Schmuck und Teller (geprägt mit "Buxoro" und Bild von Minarett)

l.u.: Baumwollstoffe und Seide

r.o.: Usbekische Messer mit Griffen aus Tierknochen

r.u.: Kleine Tasche aus Seide

Leiste u. Titel: Puppe in traditioneller nationaler Kleidung

Ausstellungsansichten anklicken zum Vergrößern

Im Kabinett des Dommuseums führt nun eine Reise durch diese historischen Städte der Seidenstraße, beginnend bei Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, über Samarkand, Buchara bis Chiwa. Gezeigt wird das geistige, kulturelle Vermächtnis anhand bildender Kunst und Beispielen großartigen handwerklichen Könnens vom fein verzierten Dolch, kunstvollen Schnitzereien bis zu wertvollen Stoffen und Beispielen der Nationaltracht.

 

Möglich gemacht wurde dieses anschauliche Bild eines uns nach wie vor geheimnisvoll erscheinenden Orients durch das „Forum of Culture and Arts of Uzbekistan Foundation“ mit Unterstützung der Botschaft der Republik Usbekistan in Österreich. Gewidmet ist die Ausstellung „Usbekistan – Wiege der Kulturen und Zivilisationen Zentralasiens“ dem 20. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Republik Österreich und der Republik Usbekistan und wird bis 21. März 2012 zu sehen sein.

 

domMUSEUM: Die Göttliche Komödie in Bildern

Durch die Hölle zum Licht


Dantes Vision „Die Göttliche Komödie“ ist mehr als Weltliteratur und mehr als das erste Meisterwerk in italienischer Sprache. Sie ist ein Grundstein unserer abendländischen Kultur, ein in Versen gefasstes Gedankengebäude, das unser (west)europäisches Denken und unsere Gesellschaft bis in unsere Tage prägt.

Man braucht dazu diese Dichtung nicht einmal gelesen, geschweige denn verstanden zu haben. Im Grunde genügt der große Bogen ihres Inhaltes, um diesen Grundwasserstrom in den Tiefen unseres Strebens zu erkennen; ausgedrückt im Abstieg zur Hölle, im Weg der Läuterung durch das Purgatorium und im Aufstieg ins Paradies.

Zeit, Auffassung und Stil spielen dabei keine Rolle. Neben (Faksimile)Zeichnungen von Sandro Botticelli (1445-1510) hängen die „Sieben Todsünden des 20. Jahrhunderts“ des österreichischen Malers und Zeichners Robert Hammerstiel (*1933) und die Radierungen des Südtirolers Markus Vallazza (*1936).

Mit eben diesen Voraussetzungen gewappnet darf man derzeit getrost auch das Dommuseum zu Wien betreten. Die Sonderausstellung „Dantes Vision – durch die Hölle zum Licht. Die >Göttliche Komödie< in Bildern“ führt sicher wie Vergil und beredt durch die künstlerische Umsetzung dieses Werkes, die von einigen sehenswerten gedruckten Buch-Exemplaren, unter anderem der weltweit kleinsten Ausgabe dieses Werks, ergänzt wird.

Bilder anklicken zum Vergrößern

l.o.: Theodor Zeller: Blatt 45, Dante, Divina commedia, Inferno Hölle, Erdmittelpunkt, Luzifer zermalmt mit seinen drei Mäulern die drei Erzverräter an ihren Herren: Judas Ischariot, den Verräter Christi, Brutus und Cassius, die Verräter und Mörder Julius Cäsars. Leihgabe: Stiftung „Oratio Dominica“, Freiburg im Breisgau © Theodor Zellers Rechtsnachfolger Foto: Karl Grohmann

r.o.: Robert Hammerstiel: „Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, August 1945“ aus dem Zyklus: „Die sieben Todsünden des 20. Jahrhunderts“ Leihgabe: Robert Hammerstiel © Robert Hammerstiel; Foto: Manfred Koch

l.: Valery Kharitonov: „Nichtige (Vorhölle)“ aus dem Zyklus „Hölle“ Leihgabe: Valery Kharitonov © Valery Kharitonov; Foto: Alexander Kharitonov

r.u.: Markus Vallazza: Zu „La Divina Commedia“ – Purgatorio/Canti I/XXXIII Leihgabe: „Peter Infeld Privatstiftung“, Wien © Markus Vallazza; Foto: Privat

Leiste: Theodor Zeller: Blatt 102 [v.], Dante, Divina Commedia, Paradiso Dante und Beatrice entschweben ins himmlische Paradies. Leihgabe: Stiftung „Oratio Dominica“, Freiburg im Breisgau © Theodor Zellers Rechtsnachfolger Foto: Karl Grohmann

l.u.: Roger Roberts: „Purgatorio“ aus dem Triptychon (Inferno, Purgatorio, Paradiso) der Dante‐Installation Leihgabe: Roger Roberts © Roger Roberts; Foto: Karl Grohmann

g.u.: Valery Kharitonov: „Lied des Paradieses“ aus dem Zyklus „Paradies“ Leihgabe: Valery Kharitonov © Valery Kharitonov; Foto: Alexander Kharitonov

Der amerikanische Künstler und Menschenrechtsaktivist Roger Roberts (*1952) bringt die großen Gedanken von „La Divina Commedia“ in einer knappen Installation auf den Punkt, während der deutsche Maler und Grafiker Theodor Zeller (1900-1986) in einem umfangreichen Bilderzyklus eine möglichst vollständige und textgetreue künstlerische Verarbeitung des Stoffes geschaffen hat.

 

Beinahe körperlich empfindet man Abstieg, Reinigung und Erlösung an den teils abstrakten, aber in ihren Andeutungen ungeheuer mystischen Bildern des Russen Valery Kharitonov (*1939). Sie brauchen keine Erklärungen, man braucht sich nur darin zu verlieren, um „Die Göttliche Komödie“ im Kern zu verstehen (bis 28. Jänner 2012).