Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

Herbe Zeichnungen von Rudolf Schönwald

Ästhetik des Verfallenen

Die Werkzeuge Schönwalds sind Zeichenstift und Schwarzkreide. Damit fängt er die Aura dieser Bauten ein, seien es die Krupp-Mannesmann Hochöfen in Duisburg, die „Friedrich-Heinrich“ Zeche in Kamp-Lintfort oder längst still gelegte Metallwaschanlagen in Sardinien, ohne sie aber auf die Tristesse des Untergangs zu beschränken, sondern, so der Künstler, „damit die Architektur erstmals wirklich gesehen wird.“

Aufgelassene Industriebauten, vom Rost benagte Kräne, längst still stehende Förderanlagen, kurz, all das, was sich hinter verbogenen Schranken und dem Schild „Betreten verboten!“ verbirgt, das sind die Modelle von Rudolf Schönwald. Sie haben ihn vor gut drei Jahrzehnten zum nach wie vor werdenden Zyklus Industriezeichnungen inspiriert, der nun bis 13. Mai 2012 im Essl Museum gezeigt wird.

Fotos © Reumiller & Reumiller, Wien zum Vergrößern anklicken


r.g.o.: Schacht „Rudolphe II“, Elsass, 2010

r.: Hochofen „Krupp-Mannesmann“, Duisburg, 2011

r.u.: Metallwaschanlage (Lavaria Brassex) Ingurtosu / Sardinien, 2011

l.o.: Bergwerk “Consolidation“, Gelsenkirchen, 2011

l.u.: „Malakoff-Turm“, Bottrop, 2011

Leiste: Portrait Rudolf Schönwald, 2011 Fotonachweis: Clemens Schülgen

Auftakt des Ausstellungsjahres 2012: Anselm Kiefer

Antiheroische Bildplastiken


„Trümmer sind an sich Zukunft. Weil alles, was ist, vergeht“, verkündet Anselm Kiefer und bezieht sich dabei auf eine Stelle bei Jesaja im Alten Testament, wo es heißt: Über euren Städten wird Gras wachsen – und wieder eine Stadt darauf erbaut werden. Es ist also unerschütterlicher Optimismus, der das Werk dieses Künstlers prägt. Er erzählt in seinen Bildern Geschichte, „um zu zeigen, was hinter der Geschichte ist. Ich mache ein Loch auf und gehe hindurch.“

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Panorama: The Fertile Crescent, 2009, © Anselm Kiefer Foto: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris · Salzburg

l.g.o.: Samsons (anklicken zur betreffenden Bibelstelle)

l.o.: Für Paul Celan, 2005, © Anselm Kiefer Foto: courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris

l.u.: tönend wie des Kalbs Haut die Erde, 2011, © Anselm Kiefer Foto: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris · Salzburg

r.: Claudia Quinta, 2005, © Anselm Kiefer Foto: courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris

r.u.: Horlogium (Sternenfall), 2003, © Anselm Kiefer

Leiste: Dia-Lyse, 2006, © Anselm Kiefer Foto: Lothar Schnepf, Köln

Titel: Portrait Anselm Kiefer, 2007 Foto und © Renate Graf

Anselm Kiefer bezieht sich auch in seinen jüngsten Werken auf literarische Texte. So ist die 2011 entstandene Arbeit „tönend wie des Kalbs Haut die Erde“ einem Gedicht von Friedrich Hölderlin entlehnt. 3,80 x 5,60 x 0,14 Meter ist das Bild mächtig und zeigt ein abgeerntetes Feld, laut Kiefer verbrannte Erde. Dahinter baut sich eine Berglandschaft auf, von der herab ein überdimensionales Stethoskop den Herzschlag dieser, im Grunde unserer Welt prüfen will – ob es dabei eine Diagnose gibt?

Prof. Karlheinz Essl hat Anselm Kiefer (* 1945 in Donaueschingen), einen der bedeutendsten Künstler der Gegenwart, zwar erst auf den zweiten Blick lieben gelernt – dieser Begeisterung aber umgehend „durch signifikante Ankäufe von Arbeiten in den letzten zehn Jahren“ (Essl) Ausdruck verliehen. Bis 29. Mai 2012 sind diese Werke nun der Öffentlichkeit zugänglich. Prof. Karlheinz Essl hat es sich nicht nehmen lassen, deren Präsentation persönlich zu kuratieren.

 

Sein Bestreben war, jedem Werk den nötigen Freiraum zu geben. Kiefers Arbeiten sind teils von gigantischem Format, nicht nur in Höhe und Breite, sondern vor allem auch in der Tiefe. Sie überwinden in ihrer Weise das klassische Tafelbild. Öl, Emulsion, Schellack und Erde auf Fotografie auf Karton mit Draht und Bleiboot sowie Objekte schaffen beispielsweise Claudia Quinta 2005 oder ein ganz normaler Metallsessel am winterlichen Weingarten hängend gemalte Poesie „Für (den Dichter) Paul Celan, 2005“.

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