Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Richard Kriesche Studienskizze, 1965-1968 © Bildrecht, Wien, 2017

WERNER HOFMANN und die Biennale des Jeunes Paris 1967

Adolf Frohner Die Flucht © LENTOS Kunstmuseum Linz

Als der neue Begriff für das Wort Kunst in Wien gelernt werden sollte

Werner Hofmann (1928-2013) war in den 1960er-Jahren einer der wenigen, die mit den Entwicklungen des Kunstbetriebes außerhalb von Österreich bekannt waren. Der Dadaismus hatte sich bereits überholt, der Surrealismus lebte gerade noch mit Salvador Dalí weiter und das Wirken von Georges Braque und Pablo Picasso war längst über jede Diskussion erhaben – außer in Wien. Dort hatten sich zwar seit den 1950er-Jahren um den kunstsinnigen Propst Otto Mauer österreichische Vertreter der Avantgarde wie Herbert Böckl, Josef Mikl, Arnulf Rainer oder Maria Lassnig versammelt. Die Stimmung im Lande ihnen gegenüber darf jedoch von skeptisch bis ablehnend bezeichnet werden. Sie verbesserte sich nicht, als Werner Hofmann, Gründungsdirektor des Museums des 20. Jahrhunderts, der Öffentlichkeit im damals noch jungen Fernsehen einen für die meisten Zuseher neuen Begriff von Kunst vermitteln wollte.

Porträt Werner Hofmann von Konrad Klapheck

In einer Diskussionssendung war ein untergriffiger Journalist der Meinung, dass moderne Kunst in den Koloniakübel gehöre, eine Missgeburt sei, am Lande auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden würde und deren Produzenten Conterganopfer seien. Hofmann wies die Aussagen ais Dummheit zurück – und wurde dafür vom Gericht zu einer Woche Haft beziehungsweise zu einer Geldbuße verurteilt. Dagegen protestierte Adolf Frohner mit einer Unterschriftenaktion, in der er forderte, dass mit allen Unterzeichnern ebenso zu verfahren sei. Der „Wiener Kunstkrieg“ war damit erklärt. Wirklich beendet ist er bis heute nicht, es gibt lediglich einen Burgfrieden. Die Versteher der modernen Kunst und der große Rest der Bevölkerung haben seither einander einfach nichts mehr zu sagen. Zeitgenössische Kunst und ihre Museen sind nach wie vor eine Angelegenheit, die von den meisten Menschen mehr oder weniger ignoriert wird, abgesehen von einigen Aufschreien, wenn ihnen mit einem der Projekte möglicherweise zuviel Steuergeld verschwendet erscheint.

Richard Kriesche Serie IV, Nr. 3, 1965 © mumok

Bei all dem Eifer wurde auf das Wesentlichste vergessen. Über Jahrtausende war Kunst eine begreifliche Sache. Man freute sich an der Ästhetik, die auf den drei Grundpfeilern Form, Technik und Aussage ruhte. Das 20. Jahrhundert machte jedoch radikal damit Schluss. Zwei Kriege, wirtschaftliche Not in den 1920er- und 30er-Jahren und die Zeit des Nationalsozialismus ließen kein Weitermachen wie bisher zu. Das Wort Kunst bekam von einer jungen Generation Schaffender einen vollkommen neuen Inhalt zugewiesen, der nicht mehr das Geringste mit dem Überlieferten zu tun hatte. Das Verständnis des damit weniger befassten Teils der Bevölkerung hätte diesbezüglich jedoch einer behutsamen Schulung bedurft.

Kunst muss seither einfach anders gedacht werden. Eine solche Einführung ist bis heute aber ausgeblieben – ein Vorwurf, der nicht verschwiegen werden darf. Sogenannte Kunstvermittler wie Kuratoren und Kulturjournalisten haben sich auf das Verfassen esoterischer Texte zurückgezogen und lassen den Rest mit zynischer Überheblichkeit blöd sterben.

 

Dass Wien auch ohne breites Interesse der Bevölkerung mittlerweile eine pulsierende Kunststadt ist, verdanken wir Persönlichkeiten wie Werner Hofmann. Er hat in der vergifteten Atmosphäre dieser Tage junge österreichische Kunst zur Biennale des Jeunes Paris 1967 gebracht. Drei an sich unterschiedliche Künstler mit genauso unterschiedlichen Positionen waren die Vertreter: Der Maler Adolf Frohner, der sich bereits davor vom „Wiener Aktionismus“ weg der „Art brut“ eines Jean Dubuffet zugewandt hatte, der Objekt- und Installationskünstler Walter Pichler, der 1966 das Fauteuil „Galaxy“ entworfen und mit der Firma Svoboda auf den Markt gebracht hatte, und Richard Kriesche mit einem kinetischen Objekt, das leider nicht mehr existiert.

Bis 1. Oktober 2017 ist im Forum Frohner in Krems/Stein die HOMMAGE AN WERNER HOFMANN BIENNALE DES JEUNES PARIS 1967 zu sehen. So weit es nach 50 Jahren möglich war, wurde der österreichische Pavillon von Brigitte Borchardt-Birbaumer und Elisabeth Voggeneder für die jetzige Ausstellung nachempfunden. Dazu kommen zeitgleiche Hauptwerke der Protagonisten neben Dokumentationsmaterial und Archivalien zur „Biennale des Jeunes“.

 

Diese Ausstellung ist der Auftakt zu einer Serie über Werner Hofmann, die das Forum Frohner in Kooperation mit dem Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig (mumok) und der Forum Morgen Privatstiftung durchführt, als schuldige Verbeugung vor der impulsgebenden Bedeutung und des Lebenswerks eines Doyens der europäischen Geistesgeschichte.

Adolf Frohner Veronika © mumok
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