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10 Jahre Forum Frohner Sammlung Gabriel Ausstellungsansicht

10 JAHRE FORUM FROHNER Die Sammlung Gabriel

Adolf Frohner, Die Revolte, 1971  (Detail) Foto: Christian Redtenbacher

Der Zugang des Künstlers zur Figuration

Sie alle waren damals noch junge Leute, Adolf Frohner, der im 19. Bezirk in der Paradiesgasse sein Atelier betrieb, und das in der Nähe wohnende Ehepaar Harald und Mechtilde Gabriel. Vielleicht war es Neugier, Interesse an der damals ungewöhnlichen Kunst des Nachbarn oder die frühe Lust am Sammeln von Kunstwerken, die erschwinglich waren. Jedenfalls entwickelte sich zwischen Frohner und den Gabriels eine Freundschaft, oder anders gesagt, ein Nahverhältnis. Man kann sich gut die Gespräche vorstellen, die zwischen den beiden aufgeschlossenen Käufern und dem Künstler abgelaufen sind, wie sie vielleicht gemeinsam zu neuen Erkenntnissen über den Aufbruch, der mit dem Wiener Aktionismus begonnen hatte, vorgedrungen sind. Im Hause Gabriel entstand eine beachtliche Sammlung mit Werken von Adolf Frohner, der in diesen Jahren seinen internationalen Durchbruch erlebte.

Adolf Frohner, Ohne Titel, 1965, Aquarell auf Leinwand Foto: Christian Redtenbacher

1969 gelang ihm die Teilnahme an der Biennale von São Paulo und der Biennale von Venedig 1970.

 

Frohner hatte einen neuen Zugang zum Figuralen entwickelt, zu einem Strich, der seinem Motto „Kunst muss nicht schön sein, aber sie muss notwenig sein“ entsprach. Reste der Matratzen aus der Blutorgel, einer mehrtägigen Performance, bei der auch die Aktionisten Otto Mühl und Hermann Nitsch teilgenommen hatten, wurden zum künstlerischen Material. Mit Jute und Gips wurde experimentiert oder es wurden Zeitungsausschnitte wie im Aquarell „Ohne Titel“ aus 1965 integriert.

Eine für Frohner typische Frauengestalt entstand, gedanklich angelehnt an Klassiker wie „Die vier Hexen“ von Albrecht Dürer, aber im eigenständigen Ausdruck. Nicht nur in der Signatur lehnte sich Frohner sehr deutlich an Dürer an. Zu spüren ist bei Fohners Frauen auch der Einfluss von Egon Schiele. Er verarbeitete Anregungen aus der aufkommenden Art brut und definierte aus all dem ein neues Menschenbild.

 

Die vom Ehepaar Gabriel erworbenen Werke sind als „Fokus Frohner. Die Sammlung Gabriel“ bis 8. April 2018 nun aus Anlass von „10 Jahre Forum Frohner“ zu sehen. Die gezeigten Zeichnungen, Drucke, aber auch Gemälde, erlauben einen persönlichen Zugang zum Werk von Adolf Frohner und sind Teil eines bisher erfolgreichen Ausstellungsreigens.

Adolf Frohner, Ohne Titel, 1960er Jahre, Graphit auf Papier Foto: Christian Redtenbacher

2007, unmittelbar nach dem unerwarteten Ableben des Künstlers, war ihm posthum der Wunsch in Erfüllung gegangen, kein dezidiert eigenes Museum, sondern ein Forum zu haben, in dem spannende kulturelle Arbeit geleistet werden kann. Es ist im eigentlichen Sinn des Wortes Forum zu einem Marktplatz, zu einem Treffpunkt der zeitgenössischen Kunst geworden, eingebaut in den großen zeitlichen Spannungsbogen des historischen Minoritenklosters in Stein und dem White Cube, den Architekt Lukas Göbl in dieses Ensemble integriert hat. Begonnen wurde mit „Zufälle, die ich provoziere“ und hat nun mit der ersten Ausstellung, die aus einer Sammlung mit Werken von Adolf Frohner gestaltet wurde, eine würdige Jubiläumsveranstaltung erfahren.

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