Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Frohner Hommage auf eine Jungfrau Foto: Peter Böttcher

DAS ABENTEUER WIRKLICHKEIT in einer zunehmend virtuellen Welt

Flora N. Galowitz, 100 Boots / Eleanor Antin (100%y-100%m) © MUSA

Kunst als Argument der Realismusdebatte

Einfach zu verstehen ist die gedankliche Basis der Ausstellung „Das Abenteuer Wirklichkeit“ im forum frohner tatsächlich nicht. Laut Kuratorin Elisabeth Voggeneder folgt sie Momenten der Realismusdebatte anhand ausgesuchter plastischer Werke aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Was immer das heißt, aber eine plausible Erklärung für dieses allzu tiefgründige Statement wird kaum möglich sein. Auch dann nicht, wenn man liest, dass die Ausstellung eine kulturtheoretische Frage in den Mittelpunkt stellt: Wie zeigt sich die Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Darstellung im Bild und wie verändert sich damit auch das Verhältnis von Kunstwerk, Wirklichkeit und Betrachter? Es ist die Rede vom „erregenden Abenteuer einer Wahrnehmung der Wirklichkeit an sich“ (Pierre Restany in den 1960ern) und davon, dass das reale Objekt an die Stelle der illusionistischen Darstellung gesetzt wurde. In wachsender Ratlosigkeit bietet sich ein erster, dünner Faden des Verständnisses mit dem Satz:

Adolf Frohner, Erstes Hackbild, 1961 © (c) Franz Haniel & Cie. GmbH Foto: Heinz Jokisch

Mit der Veränderung des täglichen Lebens durch virtuelle Realitäten – Stichwort: Handymanie, Selfie und globale Netzwerke – erlangte diese Fragestellung neue Aktualität, und die Feststellung, dass das plastische Werk Adolf Frohners den Ausgangspunkt der Betrachtungen bildet.

 

Wenn man einem Werk wie dem Ersten Hackbild von Adolf Frohner einen derartig komplizierten philosophischen Überbau aufsetzen zu müssen glaubt, spricht das nicht gerade für Vertrauen in die eigene Kraft eines solchen Kunstwerks.

Gut, Frohner war damals, so erfährt man dazu, in Kontakt mit der von Pierre Restany begründeten Gruppe der Nouveaux Réalistes in Paris gekommen und hatte dadurch einen entscheidenden Einschnitt in seinem Schaffen erfahren. Aber seine Arbeiten packen und irritieren den Betrachter auch ohne hochgestochene Definierungsversuche. Sie allein wären es bereits wert, diese Ausstellung zu besuchen. Dazu kommen noch Werke von Oswald Stimm, Erwin Wurm oder das bedrückend nach unten zählende elektronische Zahlenband von Werner Reiterer mit dem Titel „My Predicted Lifetime“ aus 2009. Fabio Zolly hat der nunmehrigen Wirklichkeit mit dem Smartphone Reverenz erwiesen: Kunst ist meine Anwesenheit ist Kunst aus 2011/2013, dem 100 Gummistiefel (2003) entgegensetzt wurden, 100 Readymade-Objekte, denen Flora N. Galowitz aufgetragen hat, den Betrachter zur Mediation über den Gegensatz von Masse und Individuum anzuregen.

Erwin Wurm, Untitled, 1989 Foto: Christoph Fuchs (c) Bildrecht, Wien, 2016
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