Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Dorian Steidl, Reinhard Nowak, Angelika Zoidl © Gloria Theater

NUR EINE STUNDE RUHE und bitte keine Katastrophen!

Gerald Pichowetz, Reinahrd Novak © Gloria Theater

Nichts darf so ernst sein, dass man nicht darüber lachen kann

Gute Komödien verkleiden wahrhaft Tragisches mit Humor und scheuen auch vor Klamauk nicht zurück. Der junge französische Schriftsteller mit dem deutschen Namen Florian Zeller hat es in diesem Sinn geschafft, Probleme, die anderswo zu lebenslanger Feindschaft, zu Frustration oder vielleicht sogar zum Tod führen, in eine lustige Handlung zu verpacken. Immerhin geht es, was noch am wenigsten wehtut, um überschwemmte Wohnungen, aber auch um sexuelle Untreue zwischen Freunden und vor allem um den Verlust der Vaterschaft, die nicht nur den gehörnten Ehemann, sondern in erster Linie das Kind betrifft. So lange darüber geschwiegen wird, können zumindest alle Ahnungslosen in Frieden leben. Wenn es da aber einen Psychotherapeuten gibt, der Wahrheitsfanatiker ist, kommt irgendwann ans Licht, was vor 25 Jahren in einem fremden Bett passiert ist. Gerlinde (Angelika Zoidl), die Frau des Bankers Paul (Reinhard Nowak), hatte eine Affäre mit dessen Freund Horst (Dorian Steidl). Entstanden ist daraus Selina (Nina-Marie Mayer).

Reinhard Nowak © Gloria Theater

Der Fehltritt ist inzwischen zu einer Bummelstudentin mit dem Namen Fucking Sel herangewachsen. In ihrem Eifer, die alte Schuld endlich los zu werden, will Gerlinde beichten. Nur ihre Freundin Elsa (Kerstin Raunig) soll vorerst den Namen des verflossenen Geliebten erfahren. Dass gerade diese ein Gspusi mit Paul hat und sich ebenfalls just an diesem Tag zum Outing veranlasst sieht, verschärft die Krise enorm. Dass nichts in Ruhe besprochen werden kann, dafür sorgen Leo (Robert Notsch), ein portugiesischer Schwarzarbeiter, der sich praktischer Weise als Pole ausgibt und die Wasserleitung anbohrt, sowie Pavel (Gerald Pichowetz), ein echter Pole. Er ist der Nachbar darunter und flüchtet in seiner Not aus der überfluteten Bleibe zu Paul, verbunden mit dem festen Willen bei ihm zu übernachten.

 

Was sich zu einer Sammlung von Katastrophen auswächst, hat einen so schönen Anfang genommen. Paul hat auf einem Flohmarkt die Schallplatte mit Aufnahmen eines von ihm verehrten Jazzmusikers entdeckt; eine wahre Rarität, die er sich in einer ruhigen Stunde anzuhören gedenkt. Es beginnt ein zähes Ringen um die beschaulichen 60 Minuten, das Paul auf der ganzen Strecke verliert. Eigenartiger Weise amüsiert man sich darüber, obwohl alles wie in einer bösen Traumsequenz abläuft. Kaum hebt Paul den Arm des Plattenspielers, bricht neues Ungemach über ihn herein.

Regisseur Leo Bauer hat diese Farce menschlicher Unzulänglichkeiten für das Gloria Theater in flottem Tempo inszeniert. Indem ein Gag den anderen jagt und der Wortwitz nur so prasselt, dominiert das Gaudium im Publikum das Quälende des Geschehens. Robert Notsch hat eine elegante Wohnung als Kulisse geschaffen, die er als Leo, bewaffnet mit einer Bohrmaschine, lustvoll wieder zerstören darf. Das Fazit: Schadenfreude ist, so traurig es sich anhört, das beste Mittel, um Menschen herzhaft lachen zu lassen.

Reinhard Nowak, Nina-Marie Mayer © Gloria Theater
Gloria Theater Logo 300

Statistik