Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Gerald Picjowetz, Elisabeth Osterberger © Gloria Theater

CRAZY CHRISTMAS Ein Weihnachts-Thriller nur für starke Lachmuskeln

Crazy Christmas Ensemble © Glooria Theater

Der Weihnachtsmann in den Fängen der Russenmafia

Ho! Ho! Ho!

Üblicherweise bringt der Weihnachtsmann die Geschenke, nicht im Fall von Stefan Weinholz. Er spielt am Heiligen Abend auf einer Weihnachtsfeier den Santa Claus. Auf dem Weg nach Hause hat er einen Buserer, bei dem der Christbaum das Auto durch die Windschutzscheibe verlässt und nur eine ramponierte Staude übrig bleibt. Zu allem Überfluss entdeckt Stefan, dass sein Aktenkoffer vertauscht wurde. Aber statt Knackwurst, halbem Paradeiser und Lesebrille enthält der fremde schwarze Lederbehälter nicht weniger als 10 Millionen Euro in praktischen 500er-Scheinen. Was macht man in einem solchen Fall? Bringt man den brisanten Fund zur Polizei? Oder soll er sich ins Kaffeehaus zurück begeben, wo die Koffer verwechselt wurden? Nichts von alledem! In Stefan reift augenblicklich der Plan, das Vermögen so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen; das heißt, noch am selben Tag irgendwohin in die Welt zufliegen, ohne Rückflugticket. Seine Frau Doris, beglückt von Heinz, dem goldenen Dildo, ist emsig mit den Vorbereitungen auf das Fest beschäftigt.

Elisabeth Osterberger, Dorian Steidl © Gloria Theater

Sie brät ein Hendl, macht Erdäpfelsalat und schmückt die Wohnung weihnachtlich. Zur Stärkung genehmigt sie sich immer wieder einen kräftigen Schluck Wodka. Der Alkohol auf nüchternem Magen verfehlt nicht seine Wirkung. Statt unverzüglich den Fluchtplänen ihres Gatten nachzukommen, schafft sie dank einer stets steigenden Illuminiertheit ein respektables Chaos, das Robert Mohor unter dem Titel „Crazy Christmas“ zu einer turbulenten Komödie, zu einem wahren Weihnachts-Thriller nur für starke Lachmuskeln verpackt hat.

Crazy Christmas Ensemble © Gloria Theater

Der zweifelhafte Glückspilz Stefan Weinholz ist im Gloria Theater selbstverständlich dessen Prinzipal Gerald Pichowetz himself. Das Kostüm des Weihnachtsmannes steht ihm von Natur aus gut, sein Held ist schlagfertig, wenn auch nicht mit den Fäusten, und er beherrscht den Wiener Schmäh, der ihm aus der verzwicktesten Situation verlässlich heraushilft. Seine weihnachtlich gestimmte Gemahlin Doris hat mit Elisabeth Osterberger ihre Verwirklichung gefunden. Sie hat die Lizenz zum hemmungslosen Blödeln.

Mit ihrer Doris bringt sie es aber unter den Vorzeichen einer wachsenden Promillezahl im Blut zu einer komödiantischen Meisterschaft. Schließlich hat sie den Taxler Georg (Gerhard Huber), die karntnerische Vawondtschaft in Gestalt der hübschen Lisi (Kerstin Raunig) und dem rührend unterbelichteten Bernhard Underberg (Robert Notsch), den baumlangen Polizisten Schestak (Dorian Steidl) und den patscherten Teilzeitkiller Habermann (alternierend Franz Mifkovic oder Paul Graf) so weit zu verwirren, dass sich am Schluss keiner mehr auskennt, welcher Koffer nun welcher ist und wer wirklich in der Donau bei der Floridsdorfer Brücke mit zwei Einschusslöchern im Kopf und Steinen an den Füßen versenkt wurde. Es handelt sich also durchwegs um erklärte Publikumslieblinge des Gloria Theaters, die einen mehr als verrückten Weihnachtsabend, den der Autor selbst inszeniert hat, alles andere als besinnlich feiern.

Robert Mohor spart nicht mit Pointen und Gags, lässt aber trotzdem seine Protagonisten als Leute wie du und ich erscheinen, denn jeder von uns käme wohl, genauso wie Stefan Weinholz, in einen ordentlichen Gewissenskonflikt, wenn er plötzlich so viel Geld hätte, dass ihm Kieberei, Russenmafia und ähnliche finstere Gestalten im Grunde wurscht sein könnten; Hauptsache, sie erwischen einen nicht, bevor man sich mit den Millionen im Koffer ins diesbezüglich sichere Scheichtum Dubai abgesetzt hat.

Crazy Christmas Ensemble © Gloria Theater
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