Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


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Viribus Unitis machen´s möglich: Vienna Design Week bis 15.01.2017

dolfi Patrick Rampelotto Knieschwimmer © Ditz Fejer für SKB

Historisch-habsburgische Möbel im Dialog mit modernem Design

Was wohl der alte Kaiser dazu gesagt hätte, dass in seinem Schlafzimmer vor dem Bett eine moderne Multifunktionslampe als stummer Diener jede Nacht bereit steht? Das Gestell bietet Platz für ein Notizbuch, in dem der Monarch seine Träume und nächtlichen Gedanken notieren könnte, das Licht kann gedimmt und in einer Schatulle Geheimes aufbewahrt werden. „Gute Nacht“ nennt das Studio Dankl & Lisa Elena Hampel das brave Stück, das derzeit vor genau jener Bettstatt aufgebaut ist, in der Kaiser Franz II./I. mit seiner Frau Carolina Augusta geschlummert hat. Wohltuender Schlaf könnte auch in unseren Büros angesagt sein. Die Idee dazu, wie man Relaxen mit Arbeit am angenehmsten verbindet, kommt von Lucy.D Design, das mit m.zone im „Sissi“-Setting des Museums mittels eines Kanapees eine Insel mit „Optionen für temporäres Arbeiten“ mit Möbeln und damit geschaffenen Räumen für kreative Teamarbeit entwickelt hat.

m.zone Lucy.D Design © Ditz Fejer für SKBr

Im Ganzen sind es zehn Objekte, die anlässlich der Vienna Design Week in der Dauerausstellung des Hofmobiliendepots zwischen den klassischen Museumsmöbeln mit diesen möglichst einen Dialog eingehen sollen.

Die Schöpfer des jungen Designs sind dieselben, die vor zehn Jahren, als die Vienna Design Week geboren wurde, bereits hier ausgestellt haben. Gemäß dem Motto des Jahresregenten Kaiser Franz Joseph betitelt sich diese Intervention mit „Re Design – Viribus Unitis“. Abgesehen von einem fröhlichen Such- und Ratespiel zwischen ehrwürdigen Sesseln, Tischen, Spiegeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen der Habsburger bietet diese Ausstellung auf originelle Weise dem zeitgenössischen österreichischen Möbeldesign eine Plattform zur Präsentation während der Vienna Design Week, die im Hofmobiliendepot erfreulicherweise bis 15. Jänner 2017 verlängert wird.

Gute Nacht Studio Dankl u. Lisa Elena Hampel © Ditz Fejer für SKB

Ausstellungsansicht Schönbrunn Totenkronen

100. Todestag des Kaisers, eine Ausstellung an vier Standorten

Kaiser Franz Joseph, um 1910 © Sammlung Bundesmobilienverwaltung / Fotograf: Marianne Haller

Verneigung der Republik Österreich vor ihrem Monarchen

Kaiser Franz Joseph I. Superstar! Was wäre Wien ohne Sisi und Franzl!? Schönbrunn ist einer der wenigen musealen Selbstläufer, dank der Scharen von Touristen, die auf unzähligen Selfies ihr Österreichbild von der barocken und gleichzeitig imperialen Pracht von Schloss und Park mit nachhause nehmen. Hier ist er geboren, hier hat er gelebt und hier ist er gestorben, der legendäre Kaiser, der nahezu 68 Jahre lang eine Monarchie allmählich zu ihrem Ende hin regiert hat. Am 21. November 2016, exakt um 21.05 Uhr, hat der Kaiser für immer die Augen geschlossen und damit sein Reich mitten in dem von ihm begonnenen verheerenden Weltkrieg einem nur mehr kurz währenden Schicksal überlassen. Aber was soll´s! Ein Todestag ist ein Anlass zum Gedenken und in diesem speziellen Fall sogar zum Feiern. Keineswegs, weil man froh wäre, in einer Republik zu leben, sondern weil es gilt, vor einem unsterblich gewordenen Kaiser den ihm gebührenden Hofknicks zu machen.

Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth © Schloß Schönbrunn Kultur- u. Betr.m.b.H./Sacha Rieger

Angesichts des zu erwartenden Zustroms an Besuchern und den damit verbundenen Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sollten wir also nicht undankbar sein und uns der festlichen Reihe Kondolierender anschließen. Möglichkeiten dazu gibt es im Jahr 2016 genug. Zahlreiche brandneue Erscheinungen über Kaiser Franz Joseph I. schmücken die Buchhandlungen, die Souvenirstandl werden das bekannte Konterfei des Greises mit Backenbart und mildem Blick auf Kaffeehäferln und Silberlöfferln anbieten und nicht zuletzt gibt es bereits jetzt eine Reihe von Ausstellungen, die den Kaiser anschaulich in den Mittelpunkt ihrer Gestaltung gerückt haben.

Leichenzug des Kaisers Franz Joseph aus Schloss Schönbrunn © Schloss Schönbrunn Betr.ges.m.b.H.

Die erste Stelle in diesem Reigen nimmt selbstverständlich die große Sonderausstellung „Franz Joseph 1830-1916 Zum 100. Todestag des Kaisers“ (bis 27. November 2016) ein. An vier Standorten wird eine „Audienz ganz anderer Art“ angeboten. Den Anfang macht der prominenteste Standort, das Schloss Schönbrunn selbst. In einem verwinkelten Labyrinth schlüpft der Besucher durch das Leben von Franz Joseph, wobei es schade um die schönen Wandmalereien der Berglzimmer ist, die dadurch verschwinden.

Die Schau selbst hält sich möglichst an objektive Kriterien; das bedeutet, sowohl kritische Aspekte als auch zu offensichtliche Verehrung einer durchaus umstrittenen Persönlichkeit werden geschickt vermieden.

 

Von Schloss sind es nur ein paar Schritte zur Wagenburg, in die „imperiale Garage“ mit dem Monturdepot der kaiserlich-habsburgischen Sammlungen des Kunsthistorischen Museums.

Ausstellungsansicht Wagenburg

Franz Joseph hatte sich bei seinen Repräsentationsfahrten bis zuletzt nicht von der Pferdekutsche getrennt, auch dann nicht, als es längst das Automobil gab. Damit sind die Wagen an diesem Standort ausschließlich prächtige „Fuhrwerke“, wie der Galastaatswagen aus dem Jahr 1865, in dem der Kaiser stets zu Fronleichnam nach St. Stephan fuhr, oder der pompöse Leichenwagen, mit dem Franz Joseph 1916 seine letzte Fahrt angetreten hat, selbstverständlich in einer Uniform, von denen einige in diesem Teil zu sehen sind.

Die Geschichte vom „spartanischen Kaiser“, der desungeachtet bei öffentlichen Anlässen mit dem pompösen Glanz des Kaiserhofes umgeben war und unerschütterlich an der Inszenierung des Hofzeremoniells festhielt, wird im Hofmobiliendepot – Möbelmuseum Wien erzählt. Der Unterschied zwischen einem einfachen Familiendiner und einem „Allerhöchsten Diner“ wird mit festlich gedeckten Tafeln anschaulich gemacht. Als Kontrapunkt dazu präsentiert man das Messer, mit dem 1853 János Libényi ein Attentat auf den jungen Kaiser verüben wollte. Anziehungspunkt für wahre Franz Joseph-Fans dürften die Filmaufnahmen und drei Tondokumente werden, auf denen der jeder modernen Technik skeptisch gegenüber stehende Monarch zum ersten Kaiser in Bild und Ton geworden ist.

Asstellungsansicht Hofmobiliendepot © SKB Martina Siebenhandl
Porträt des Kaisers im Ischler Jagdgewand  © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Die letzte Station lädt zur Landpartie ein. Wenn gewünscht, bringt auch ein Shuttlebus die Besucher nach Schloss Niederweiden. Es ist dem Thema „Jagd und Freizeit“ gewidmet. Da Franz Joseph neben dem Reiten vor allem der Jagdleidenschaft frönte, ist das pittoreske Jagdschloss nahe Schlosshof der ideale Schauplatz, um den Kaiser als „volksnahen Jäger“ zu präsentieren. Dabei handelt es sich um eben diese Bilder, die seine Untertanen noch zu Lebzeiten von Franz Joseph in ihren Stuben gleich direkt neben dem Herrgottswinkel hängen hatten. Die original eingerichtete barocke Wildküche ergänzt die Jagdschau auf nahrhafte Weise. Abgesehen davon, dass man einen Picknickkoffer für sechs Personen und als Kuriosität ein Porzellanservice aus nachgeahmten Rehgeweihen bewundern kann, können sich die Gäste in eigenen Workshops selbst im Kochen in der Wildküche versuchen.

Für weitere Informationen einfach das entsprechende Stations-Symbol unten anklicken.

Schloss Schönbrunn Symbol
Kaiserliche Wagenburg Symbol
Hofmobliendepot Symbol
Niederweiden Symbol

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