Wien-Jedlersdorf: Fünf Winzer halten treu zur Stange
J5 - Seriensieger aus Transdanubien
Erstaunlich, dass in einer Metropole wie Wien noch an die 250 Winzer tätig sind. Die Stadt ist umgeben von Weinbergen, deren grüner Gürtel nicht nur die Luft, sondern die Lebensqualität der Wiener an sich entscheidend verbessert. Man braucht nur am Stadtrand spazieren zu gehen, um feststellen zu dürfen, dass es keineswegs einfach ist, um ein Glas Wein herum zu kommen.
Es wär´ nicht Österreich, wären nicht auch die Winzer vereinsmäßig organisiert, wobei sich der kleinste Weinbauverein in Jedlersdorf im 21. Bezirk befindet. Er besteht aus ganzen fünf Weinbauern, den letzten Jedlersdorfern, die hauptberuflich und ernsthaft Weinbau betreiben.
Der Ort ihres Wirkens mag einem Wiener Weinbeißer nur wenig sagen. Ihre Namen lassen diesbezüglich geschulte Ohren aber hellhörig werden: Bärenreiter, Christ, Fuchs, einmal Karl und einmal Richard Lentner; fünf Betriebe, die zu den Top-Winzern Wiens zählen.
Der ehrgeizige junge Winzer, der neben den J5 auch mit „wienwein“ national und international reüssiert, kennt den Grund für die Erfolge dieser regionalen Verbindung: „Die Lagen, die wir bewirtschaften, gehören zu den spannendsten in Wien. Der Bisamberg ist der mit Abstand erfolgreichste Rebberg Wiens der letzten Jahre.“ An seinen Hängen liegen die Weingärten der Stammersdorfer, der Strebersdorfer und eben der Jedlersdorfer Weinhauer. Diese wiederum stellen zusammen 70 bis 80% aller Wiener Siegerweine, so Christ, der aber hinter diesem Preisregen mehr als nur das günstige Terroir wissen will: „Die Lage ist das eine, aber es ist genauso notwendig, dass es Produzenten gibt, die das Beste aus dieser Lage herausholen.“
J5, so ihre kurze Bezeichnung, sind also die fünf aus Jedlersdorf, die, so Rainer Christ nicht ohne Stolz, „in den letzten beiden Jahren in Wien rund 40% aller Siegerweine gestellt haben. Die fünf allein waren fast so erfolgreich wie der Rest von Wien miteinander.“
Bisamberg und Jedlersdorf - Impressionen
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Nicht zuletzt sind es die J5, die Jedlersdorf eine Reise wert machen. Als Top-Winzer, die ihren Wein längst in der Spitzengastronomie überall in der Welt an den Gourmet bringen, halten sie trotzdem zuhause die Heurigentradition hoch. Das Quintett teilt sich verlässlich in gerade und ungerade Monate auf, damit in Jedlersdorf zumindest „zwei Stangen“ draußen sind, also zwei Betriebe rund ums Jahr ausgesteckt haben.
J5 alphabetisch:
Bernreiter
Christ
Fuchs
K. Lentner
R. Lentner
Ein Hit aufs Bild führt zum Winzer
Peter Bernreiter ist ein Urjedlersdorfer. Kann gut sein, dass seine Vorfahren schon Wein gemacht haben, als die Ortschaft noch als Insel in den verzweigten Donauarmen gelegen ist und Urliugesdorf geheißen hat. Ganz sicher aber haben sich schon Scharen von frommen Pilgern in seinem Heurigen gelabt. Der Betrieb liegt unmittelbar bei der Wallfahrtskirche Klein Maria Taferl, deren prominentester Pfarrer, nämlich Pater Haspinger aus der Truppe von Andreas Hofer, zweifellos auch Bernreiters Wein zugesprochen hat.
Kultur und Wein sind an sich im Hause Peter Bernreiter innig miteinander verschmolzen. Welche andere Buschenschank kann schon auf ein „Wiener Heurigen Opernfestival“ verweisen!?
Beim Wein setzt Peter Bernreiter auf Gestandenes. Seine Hauptsorte ist der Grüne Veltliner. Die großen Preise wurden aber mit Burgundern eingeheimst, zum Beispiel mit Chardonnay oder Pinot Noir, die sogar international Anerkennung gefunden haben.
Rainer Christ hegt und pflegt den klassischen Wiener Gemischten Satz. Als Mitglied von „wienwein“ war er nicht unwesentlich an dessen Comeback und Aufstieg zum Kultwein beteiligt. Aus dem einst Verachteten wurde ein anerkanntes Produkt mit Markencharakter, das, um weiterhin ernst genommen zu werden, genau definiert werden muss.
Christ legt Wert auf die klare Abgrenzung von der Cuvée, denn der Gemischte Satz entsteht im Weingarten und nicht erst durch den Verschnitt im Keller. Der rührige junge Winzer ist zudem bestrebt, diese Vorgaben auch in strengere gesetzliche Formen als bisher zu gießen.
Weine und Lagen müssen zertifiziert sein, eine Mindestanzahl von Sorten in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Für die Reben verlangt er ein Mindestalter von 25 Jahren. Er selber kann auf einen Methusalem verweisen. „Die Stöcke sind über 70 Jahre alt und ausgesprochen fit,“ sagt Rainer Christ, der dort die Trauben für sein Premiumprodukt erntet, einem ungewöhnlich bunten Gemischten Satz aus Grünem Veltliner, Neuburger, Riesling, Traminer, Sylvaner, Roter Veltliner, Weißburgunder, Welschriesling, Muskat und Sylvaner, in eben dieser Vielfalt, auf die einst auch seine Vorfahren gesetzt haben.
K+K Fuchs punktet mit den meisten Rot- und Weißweinsorten Wiens, und nicht zu vergessen, durchwegs alle in außergewöhnlich hoher Qualität. Als gestandener Jedlersdorfer Winzer hat er wohl als einziger in Österreich einen roten Gemischten Satz aus nicht weniger als 21 Sorten. Eine Reverenz an seine Heimatstadt Wien ist der Fiaker Wein, ein Welschriesling, der bei Kurt Fuchs seine Renaissance erlebt.
Karl Lentners klassisch ausgebaute Weißweine sind legendär. Sein Jedlersdorfer Weingut zählt zur J5-Gruppe und zu den bekanntesten Wiens. In Lentners Weingärten wird besonders auf einen qualitätsorientierten Schnitt geachtet. Durch naturnahen Weinbau, sorgfältige Auswahl der Trauben, kontrollierte Gärung und permanente Weiterentwicklung bei der Kelterung sind in den vergangenen Jahren viele prämierte Weine entstanden.
Zuletzt hat Karl Lentner beim Wiener Weinpreis 2009 in der Kategorie Riesling und Chardonnay die Siegerweine gestellt und damit gleich zweimal punkten können. Verkosten können Interessierte Lentners Weine im engagiert geführten traditionellen Wiener Heurigen der Familie in Jedlersdorf.
Richard Lentner betreibt mit seiner Familie in dritter Generation den Weinbau. Von dem rund sechs Hektar großen lehmigen Boden in den Rieden Hochfeld, Gabrissen und den unteren jungen Bergen werden nur die besten Trauben verarbeitet. Das Resultat sind rund 30.000 Flaschen Wein pro Jahr, darunter mehrfach prämierte Weine – vorwiegend Weiß-, etwas Rot- und zuletzt sehr stark Roséwein.
Die Buschenschank wurde mit dem Titel „Original Wiener Heurigenbetrieb“ geadelt, nicht zuletzt durch zahlreiche Hausschmankerln wie selbst gemachte Grammeln, Aufstriche, gefüllte Knödel, Lammkeulen, Blut- und Presswürste, die zu Lentners prämierten Eigenbauweinen die ideale Unterlage bilden.