Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Mit Sand beladene Kamele auf dem Weg zu den Baustellen von Tel Aviv

ISRAEL BEFORE ISRAEL Fotografien von Ze'ev Aleksandrowicz

Sinaj Zygmunt und Hela Aleksandrowicz (die Eltern), Tel Aviv, 1934 © Ze'ev Aleksandrowicz Estate

Als die weiße Stadt Tel Aviv noch Baustelle und scheinbar Frieden im Lande war

Ein großer alter Koffer voll mit Fotos, das war die Entdeckung der Erben von Ze'ev Aleksandrowicz, die sie Jahre nach dessen Tod machten. Eigentlich waren es 15.000 Negative, die in den 1930er-Jahren auch in einer Gegend gemacht worden waren, die seit 1948 als Israel bekannt ist. Der 1905 in Polen (Krakau) geborene Sohn eines Papierhändlers war während seiner Studienzeit, die ihn auch kurz nach Wien geführt hatte, Weltreisender gewesen. Zwischen den Jahren 1932 und 1935 hatte er auch drei Mal Palästina besucht, das kraft eines Völkerbundmandats von 1922 zum neuen Nationalstaat der Juden werden sollte.

 

Die Aufbruchsstimmung in diesem rasant wachsenden zionistischen Projekt faszinierte ihn und er hielt seine Eindrücke mit der Kamera fest. Er fotografierte Immigranten und Araber, Ozeandampfer und die Baustellen der gerade entstehenden Architektur der modernistischen „weißen Stadt“ Tel Aviv. Er heiratete eine sephardische Jüdin und wählte diese Stadt 1936 als Wohnsitz für seine junge Familie.

Ze´ev Aleksandrowicz in den Sanddünen von Cholon, 1932-1936 (c) Ze'ev Aleksandrowicz Estate

Das Fotografieren gab Ze'ev Aleksandrowicz in der Folge auf, obwohl er durchaus Talent dazu gehabt hätte. Schon seine frühen Fotos, die er mit einer von einer Tante geschenkten Kamera aufgenommen hatte, zeigen deutlich, das er sich im Hier und Jetzt mit Motiven einlassen konnte. Menschen waren ihm dabei am liebsten. Er verstand es, sie aus der Reserve zu locken und sie mit erstaunlicher Leichtigkeit auf dem Bild festzuhalten.

Die in der Ausstellung „Israel before Israel“ (bis 1. April 2018) gezeigten Fotos sind damit auch wertvolle Dokumente für die Entstehung des modernen Staates, wie wir ihn heute kennen. Von bereits bestehenden oder kommenden Konflikten ist auf den Bildern nichts zu bemerken. Aber in ihrer fotografischen Qualität gehen sie über die Reisebeschreibungen, Postkarten und Wochenschauen dieser Tage weit hinaus. Zwischen ihm und seinen Motiven scheint eine Verbindung zu bestehen, als wäre Ze'ev Aleksandrowicz mit all den Menschen, Gebäuden und Gegenständen auf seinen Fotos sehr vertraut gewesen. Die Aufnahmen erscheinen wie Dokumente eines fragilen, damals möglicherweise noch bewahrten Friedens. Er hat damit, so Andrea Winkler, die Kuratorin der Ausstellung im Extrazimmer des Museums in der Dorotheergasse, einen Schatz von Bildern eines sehr spezifischen Ortes zu einer sehr spezifischen Zeit geschaffen, die so ohne ihn und seine Kamera unwiederbringlich verloren gegangen wären.

Ze’ev (Wilhelm) Aleksandrowicz, Tel Aviv, 1933 (c) Ze'ev Aleksandrowicz Estate
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