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Das Haus der Medusa Ausstellungsansicht

DAS HAUS DER MEDUSA Römische Wandmalerei aus Enns

Rekonstruiertes Gesicht der Medusa

Vor ihrem Gesicht erstarrten die Menschen zu Stein

Die Hässlichkeit der einst betörend schönen Frau, die von Pallas Athene wegen eines Pantscherls mit Poseidon in ihrem Tempel missgestaltet worden war, kann nicht abstoßend genug beschrieben werden. Dennoch waren Künstler stets von den Schlangenhaaren, den Schweinshauern, der heraushängenden Zunge und dem Schuppenpanzer der Medusa inspiriert. So wurde paradoxerweise gerade diese bedauernswerte Dame zu einem der beliebtesten Motive der Malerei und Bildhauerei nicht nur der Antike. Aus römischer Zeit wissen wir aber, dass ihr Haupt allgemein als Abschreckung des Bösen angesehen und deswegen gerne verwendet wurde. Medusa fand sich auf den Schilden der Soldaten ebenso wie in den elegantesten Salons, wo sie von der Decke her über das Wohl der Hausgenossen wachte.

 

Vermutlich war es ein hoher römischer Militär, der in Loriacum (Enns-Lorch) neben dem Legionslager ein für damalige Verhältnisse prächtiges Haus bewohnte. Wer und was er genau war, wissen die Wissenschaftler nicht.

Weibliche Figur zwischen Säulen mit Kanneluren © Bundesdenkmalamt

Aber sie entdeckten im Zuge von archäologischen Notgrabungen Fragmente, die sich, in fünf große Blöcke und mehr als 60 Holzkisten aufgeteilt, als einer der umfangreichsten und bedeutendsten Funde an provinzialrömischer Wandmalerei herausstellten. Es ließ sich weiters feststellen, dass es sich um Teile einer gewölbten Decke mit dazugehöriger Wanddekoration handelt. In mehreren übereinander liegenden Putzschichten befanden sich verschiedene dekorative Ausstattungsphasen mit jeweils prachtvollen figuralen und dekorativen Elementen. Deutlich erkennbar erschien das Haupt der Medusa, als die vielen Einzelteile mit den ausnehmend gut erhaltenen Farbenelementen wie in einem Puzzle zusammengesetzt worden waren.

 

Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt bis 8. April 2018 im Rahmen von FOKUS DENKMAL in einer Kabinettausstellung die Ergebnisse dieser Befundung und gleichzeitig den spannenden Weg bis dorthin. Der Besucher trifft gleich mehrere Medusen, aber auch Teile von Wanddekorationen und sieht auf einem Video den mühsamen Hergang der Arbeiten, um diese Fragmente museal repräsentabel zu machen. Beantwortet wird auch die Frage, warum gerade Loriacum für das Römische Reich eine derart große Bedeutung hatte, dass sich hier entsprechend wichtige Persönlichkeiten angesiedelt und sich Wohnstätten wie dieses „Haus der Medusa“ errichtet haben.

Um noch um einiges intensiver in diese Zeit eintauchen zu können, wird jeweils am Do. und Fr., 18. u. 19. Jänner und 22. u. 23. März 2018 dieses römische Haus als interaktives 3D-Modell individuell zu erleben sein. Man besucht dabei virtuell den Pater familias, darf aber auch in einem 3D-Puzzle als Hobby-Archäologe die Fragmente der Waldmalerei spielerisch zusammensetzen und der Medusa, ganz ohne Gefahr zu laufen, zu Stein zu erstarren, ins selbst restaurierte Gesicht schauen.

Versetzen und Einrichten der Fragmente © Bundesdenkmalamt
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