Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Klimtbrücke © KHM-Museumsverband

STAIRWAY TO KLIMT und nackte Wahrheit in der Antikensammlung

Griechische Antike I Gustav Klimt Interkolumnienbild © KHM-Museumsverband

Der Bilderzyklus im Stiegenaufgang – 2018 wieder aus der Nähe zu sehen

Der Eingangsbereich des Kunsthistorischen Museums Wien ist bekanntlich eine üppige Ansammlung von Allegorien, mythologischen Anspielungen und historisierenden Stilen. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war solcherlei einschüchternde Überfrachtung durchaus Mode, und zwar ganz im Sinne des Bildungsauftrages für das neu errichtete Hofmuseum, das als Heimstätte der „künstlerischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses“ dienen sollte. In Form einer opulenten Ouvertüre wird dabei auf alle die im Museum vertretenen Kunstbereiche angespielt, freie Flächen waren verpönt, getrieben von einem Horror vacui musste jede Wand und jede Decke, jedes Eck und jede Rundung kunstvoll ausgestaltet werden. So erhielten 1890, ein Jahr vor der Eröffnung, Gustav Klimt, sein jüngerer Bruder Ernst sowie ihr gemeinsamer Studienkollege und –freund Franz Matsch seitens des Hofbau Comités den Auftrag für einen malerischen Zyklus. Die drei Künstler, die als „Maler-Compagnie“ gemeinsam auftraten, hatten die Aufgabe, die bedeutendsten Stilepochen der europäischen Kunst nachvollziehbar darzustellen.

Ägypten I Gustav Klimt Zwickelbild © KHM-Museumsverband

In einer Höhe von zwölf Metern über der Eingangshalle wurden diese Bilder als sogenannte Zwickel und Interkolumnien in die Säulen- und Arkadenarchitektur des Hauses eingebettet.

 

Über 100 Jahre lang musste der Eintretende entweder auf halber Höhe der Treppe stehen bleiben und nach oben blicken, um diesen Zyklus betrachten zu können, oder er hat ihn wie alle die anderen Artefakte des Eingangsbereiches ignoriert und ist zügigen Schrittes den Sälen mit den Sammlungen zugeeilt. Bis 2. September 2018 hat er nach 2012 neuerlich Gelegenheit, Klimts Gemälde eingehend zu studieren. Für die Dauer der Ausstellung ist vor den Bildern über die gesamte Breite des Stiegenhauses eine Brücke gespannt. Auf Texttafeln erfährt der Besucher das inhaltliche Programm, die gedanklichen und malerischen Hintergründe sowie die Bedeutung der einzelnen Figuren für diverse Epochen der Kunstgeschichte.

 

Der 100. Todestag von Gustav Klimt (14. Juli 1862 – 6. Februar 1918) ist wohl ein schuldiger Anlass, diesen wohl bekanntesten österreichischen Maler mit einer Reihe von Ausstellungen zu feiern. Das Kunsthistorische Museum schließt sich diesem Gedenken mit einer Kostbarkeit an.

Aus den Sammlungen des Theatermuseums – das Bild gehörte einst dem Kulturkritiker und Theaterautor Hermann Bahr und kam über dessen Verlassenschaft in die Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek – wurde Gustav Klimts NUDA VERITAS ins Haupthaus geholt. In ihrer schlichten und dennoch provozierenden Nacktheit ist diese Frauenfigur eine Abrechung des Künstlers mit seinen Kritikern. Der Spruch, ein Zitat von Friedrich Schiller, KANNST DU NICHT ALLEN GEFALLEN DURCH DEINE THAT UND DEIN KUNSTWERK – MACH ES WENIGEN RECHT. VIELEN GEFALLEN IST SCHLIMM und ein Spiegel, der dem Betrachter entgegengehalten wird, machen die Bedeutung der „nackten Wahrheit“ deutlich. Präsentiert wird es in der Antikensammlung in unmittelbarer Nähe des männlichen Torsos eines Doryphoros (Speerträgers), einer römischen Replik nach dem griechischen Bildhauer Polyklet (5. Jh. v. Chr.), und führt so den Besucher in ein Spannungsfeld von zweieinhalb Jahrtausenden, in denen sich das Ideal der Kunst im Grunde kaum verändert hat.

Ägypten II Gustav Klimt Interkolumnium © KHM-Museumsverband
KHM neues Logo 300

 

Diashow mit den schönsten Objekten der Kunstkammer Wien

Statistik