Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ladykillers Ensemble © Komödie am Kai Andrea Eckstein

LADYKILLERS Geigenkästen voll geraubter Moneten

Ulli Fessl © Komödie am Kai Andrea Eckstein

Liebe Verbrecher, hütet euch vor lieben alten Damen!

Man muss der Polizei nur ordentlich auf die Nerven gehen, damit sie einem irgendwann überhaupt nichts mehr glaubt. Es scheint fast, als wäre das die Strategie von Margaret Wilberforth gewesen. Denn nachdem sich die Gangster von selbst eliminiert haben, bleibt ihr die gesamte Beute eines großartigen Überfalls auf einen Geldtransporter. Man verrät damit, glaube ich zumindest, nicht die Pointe. Seit der Film „Ladykillers“ 1955 die Kinos eroberte und später regelmäßig im Nachmittagsprogramm des Fernsehens gezeigt wurde, kennt man den Ausgang dieser herrlich britischen Krimikomödie. Trotzdem macht es ungeheuren Spaß, den Umtrieben der angeblichen Geigenvirtuosen quasi live auf der Bühne zuzuschauen, wie derzeit in der Komödie am Kai, wo dieses Stück unter der Regie von Sissy Boran ins Programm genommen wurde.

 

Zum wahren Vergnügen einer Bühnenversion gehört natürlich eine entsprechende Besetzung. Der brave Polizeiinspektor Mr. Thompson muss ein netter junger Mann sein.

Rafael Witak, Ulli FEssl © Komöie am Kai Andrea Eckstein

Statt um Verbrecher kümmert er sich um das Wohl alter Damen, bringt ihnen den Schirm nach und leistet ihnen bei einem Glas Portwein Gesellschaft. Rafael Witak nimmt man diesen hilfsbereiten Herrn auf der Stelle ab. Bei seinem Charme schmilzt das Herz einer jeden Lady, egal welchen Alters. Die beiden Freundinnen Gwendolyn Livingstone und Harriet Plimshead benötigen reizende Naivität, zumindest bescheidenes Interesse für Musik und vor allem die entsprechende Aufdringlichkeit, wenn es darum geht, für das Fest ihres Wohltätigkeitsvereins nicht nur das Streichquartett, sondern gleich die Komposition einer ganzen Symphonie zu bestellen. Eva Agai und Ingeborg Bauböck scheinen dafür wie geschaffen. Diese beiden wissen, wie man das G auf der Gitarre bzw. auf der Klarinette findet und dabei das Publikum zum Lachen bringt.

Ladykillers Ensemble © Komödie am Kai Andrea Eckstein

Professor Marcus ist der eloquente Kopf der Bande. Er weiß in der blödesten Situation die richtige Ausrede, muss seine kriminelle Energie hinter großtuerischem Gehabe verbergen können und in jeder Lage der elegante Primgeiger des Streichquartetts bleiben. Victor Kautsch ist diese Rolle auf den Leib geschrieben. Nicht nur, dass er der größte der vier ist, er hat auch die Souveränität eines Bosses, der minutiös einen Überfall planen und dirigieren kann. Dr. Courtenay ist der Arzt, der irgendwann vom medizinischen Heilsweg abgekommen ist.

Geblieben sind ihm ein Rest von Zynismus und ein etwas ramponiertes, besser gesagt, versoffenes Erscheinungsbild; eben ein ganz normaler zweiter Geiger. Man kann sich keinen anderen als Rudi Larsen in dieser Rolle vorstellen, der sich mit bitterem Humor über sich selbst lustig macht. Louis Harvey ist der Böse. Er hat das Messer und den Slang, der so gar nicht zu seinem Instrument, zur Bratsche, passen will. Wenn es aber darum geht, die Alte um die Ecke zu bringen, versagt er vollkommen. Er ist ein Gauner, aber kein Mörder. Mit Stefan Wilde ist auch dieser Gangster ideal besetzt, ebenso wie Willie Knoxton, der dicke Cellist. Er liebt den Kuchen von Mrs. Wilberforth, hat Bärenkräfte, aber nicht das Hirn, diese auch entsprechend einzusetzen. Josef Pechhacker gibt den gutherzigen, aber verfressenen Verbrecher in einer so rührenden Weise, dass es einen leid tut, wenn ihn in der Aufregung der Schlag trifft.

 

Die Gewinnerin ist, na wer? natürlich Mrs. Margret Wilberforth. Ihre Doppelkonferencen mit dem Papagei Mr. Gordon, ihre Begeisterung am Menuett von Boccherini, der Genuss einer Schale Tee und ihre Abneigung gegenüber dem schwarzen Regenschirm, das ist ihr Leben.

Die Pension, die ihr der mit seinem Schiff im Meer versunkene Gatte hinterlassen hat, ist ausreichend, um kommod die nächsten Jahre zu genießen. Sie hätte also keine Sorgen, abgesehen davon, dass die Polizei ihr keinen Glauben schenken will, was sie an Untaten und Außerirdischem beobachtet. Wer sonst als Ulli Fessl könnte diese Dame besser verkörpern?! Ihr sitzt der Schalk im Nacken, vor allem dann, wenn sie feststellen muss, dass ihr ein Vermögen zugewachsen ist und sie endlich Gelegenheit hat, den freundlichen Polizisten nicht nur auf ein oder zwei Gläser Wein, sondern zum Besuch des Theaters einzuladen, wo gerade das Kriminalstück „Ladykillers“ gegeben wird.

Das kriminelle Streichquaertett und Mrs. Wilberforth © Komödie am Kai Andrea Eckstein

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

THEATER-WAHNSINN?! Revue für vier leidenschaftliche Komödianten

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Hinter allem Lachen das emotionale Bekenntnis zu einem Leben für die Bühne

Wer einmal davon infiziert ist, bleibt von dieser „Krankheit“ lebenslang befallen. Gemeint ist das Theater, das bekanntlich keinen mehr loslässt, der sich unvorsichtig zu intensiv damit eingelassen hat. Das Gefühl, die Menschen da draußen im dunklen Zuschauerraum zu spüren, diese direkte Verbindung zum Publikum aufzubauen, ist rational schwer erklärbar. Und doch weiß der Schauspieler auf geheimnisvolle Weise, wie er unten ankommt. Der Applaus ist zwar die Bestätigung dafür, aber noch mehr ist er ein Suchtmittel, ohne das sich ein Leben nicht mehr lohnt. Einem Schauspieler kann man schonungslos alles sagen, aber nur das Beste, ist ein geflügeltes Wort in diesen Kreisen. Schließlich trägt er jeden Abend sein Haut zu Markte und ist dementsprechend empfindlich, zum Beispiel auf Kritik, und sei sie noch so gut gemeint. Daher ist auch in der schreibenden Zunft Vorsicht geboten, was man zu einem neuen Stück sagt. Aber noch schlimmer ist es, wenn der vom Theatervirus Befallene vielleicht gerade kein Engagement hat und zusehen muss, wie andere auf der Bühne stehen und spielen dürfen.

Peter Kuderna, Sissy Boran © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

„Theater-Wahnsinn?!“ schlägt genau in diese Kerbe. Sissy Boran, unerschütterliche Prinzipalin der Komödie am Kai, hat gemeinsam mit ihrer rechten Hand Andrea Eckstein eine Revue aus Chansons und bewährten Sketches zusammen gestellt, die hinter allem Lachen, das sie einen Abend lang bietet, ein emotionales Bekenntnis zu einem Leben auf der Bühne ist. Im Grunde ist es eine berührende Story, die das dennoch erfüllte Dasein einer Provinztruppe abseits der großen Bühnen erzählt.

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Boran selbst als Luise Sommer schildert authentisch und sehr persönlich, was ihre Heldin bewegt, ein Theater zu führen. In feinen Zwischentönen lässt durchschimmern, dass ein solches Unterfangen alles andere als ein Honiglecken ist. Aber, so sagt sie an einer Stelle, „es ist wie ein Wunder“, das täglich passiert. Sie lernt ihren Waldemar kennen, alles andere als ein Traummann, doch, wie schon der alte Schlager sagt, liebt sie ihn. Hochachtung für Peter Kuderna, der als Waldemar Sommer tapfer die Mühen des Tingelns mit seiner Luise teilt.

Otto Hupfauf, ein Trafikant, lässt sich trotz garantierter Talentlosigkeit nicht davon abhalten, als Mitglied dieses Ensembles in Wirtshaussälen und Volksheimen aufzutreten. Victor Kautsch ist ein Komödiant ohne Rücksicht auf sich selbst. Mit zusammen gezwickten Beinen und einer Rolle Klopapier steht er vor dem besetzten Häusel und rezitiert in seiner Not wie einer vom Burgtheater den Monolog „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus Shakespeares Hamlet.

Ganz im Gegensatz zu Otto lässt Luna Soleil (Bernadette Mezgolits) keinen Zweifel offen, dass sie alles kann, was eine Schauspielerin braucht. Sie kann großartig tanzen, singen und spielen, dazu schaut sie noch ungemein verführerisch aus. Kein Wunder, dass es eine Weile dauert, bis die Chefin der Truppe einwilligt, dass man die junge Dame ins Ensemble holt. Wenn es dann aber so weit ist, dann steht einem vergnüglichen Abend voll „Theater-Wahnsinn“ nichts mehr im Wege.

Victor Kautsch © Komödie am Kai / Andrea Boran

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