Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Franzensburg im Park von Laxenburg

Junge Alte oder alte Junge, auf jeden Fall „EWIG JUNG“

Prof. Adi Hirschal anno 2062 © Willi Denk / Kultursommer Laxenburg

I hope I die before I get old – und wenn´s dann doch einmal so weit ist?

Wir schreiben das Jahr 2062. Die Franzensburg in Laxenburg ist eine Seniorenresidenz. Nix mehr mit Kultursommer und solchen Spielchen. Von Bühnengrößen unserer Tage weilen die meisten allein aufgrund des Zeitablaufs nicht mehr unter uns. Übrig geblieben sind für das Altersheim Herr Professor Adi Hirschal, seine Tochter Maddalena Hirschal, mittlerweile ebenfalls ergraut, mit ihr die Tage teilend der ordentlich in die Jahre gekommene Ben Rufin, Christan Deix, ein uralter Hippie und die hartem Sex noch längst nicht abgeneigte Greisin Susanne Gschwendtner.

Ist hartem Sex nicht abgeneigt: die "Greisin" Susanne Gschwendtner © Foto Willi Denk

Trotz deutlicher Alterserscheinungen wollen sich diese Leute nicht von der Dompteuse Sigrid (Spörk) verdodeln lassen und in dem Moment, wo die junge Dame samt Anstandsknute verschwindet, wird gefetzt, gerockt und sonst noch was getrieben, was Herrschaften ihres Alters an sich nicht mehr zusteht.

Thomas Mahn, Pianist, und Schwester Sigrid Spörk © Willi Denk / Kultursommer Laxenburg

Handlung gibt es in diesem Songdrama von Erik Gedeon wenig, dafür aber eine Menge Witz, der von den jungen Darstellern in der alten Maske mutig ausgespielt wird, einige tiefsinnige Gedanken wie die Frage, ob wir wirklich alle ewig leben wollen, und vor allem eine Menge guter Songs. Der Mann am Klavier ist Thomas Mahn, eben der verwirrte Herr Mahn. Seine sichere Begleitung ist die einzige Hilfe, auf die sich das Ensemble stützen kann.

Ganz ohne Verstärker und ins Gesicht gepicktem Mikro singen die ewig Jungen samt der wirklich jungen Altenbetreuerin ewig junge Hadern wie „I love Rock´n Roll“, „When a Man Loves a Woman“ oder „Green, Green Grass of Home“. Apropos Grass: Herr Deix, der sich heimlich besauft und einen Joint entflammt, von dem alle kosten dürfen, entfacht damit ein 68er-Feeling, das die Anwesenden, auch das Publikum, von dem ein guter Teil diese Zeit erlebt haben dürfte, mitreißt.

 

Diese Schauspieler können einfach singen und haben auch die entsprechende Stimme, um den Hof der Franzensburg zu füllen, trotz Flugzeuglärm oder wie bei der Premiere Regenrauschen und Donnergrollen.

Daraus den Schluss zu ziehen, dass Musik jung hält bzw. jung macht, ist nicht ganz schlüssig. Keiner von denen da oben auf der Bühne hat das Alter noch erlebt, sie spielen diesen Lebensabschnitt nur sehr glaubwürdig und überzeugend. Sie können nur Hoffnung machen, dass die Power von „Forever Young“ den tristen Wunsch „I hope I die before I get old“ vergessen machen kann und immer noch Zeit ist für eine Revolte gegen das Abschreiben betagter Menschen.

Ben Rufin und Maddalena Hirschal © Willli Denk / Kultursommer Laxenburg
Beim Dirigieren: Schwester Sigrid Spörk © Willi Denk / Kultursommer Laxenburg
Prof. Adi Hischal, Senior Ben Rufin und Uralt-Hippie Christan Deix © Fotos Willi Denk

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