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Dantons Tod Keyfoto © Landestheater Niederösterreich

DANTONS TOD Diskussionsrunde nach Büchners Drama

Michael Scherff, Silja Bächli, Bettina Kerl, Catherine Dumont, Tobias Artner © Alexi Pelekanos

Die Revolution frisst ihre redseligen Kinder

Georg Büchner ist im Alter von 23 Jahren verstorben und hat dennoch trotz seiner Jugend mit dem Drama „Dantons Tod“ die Lebensweisheit eines alten Philosophen bewiesen. Seine Protagonisten, allen voran die Hauptpersonen der Französischen Revolution Georges Danton und Robespierre, messen sich im verbalen Zweikampf, um ihre Ansicht von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu definieren. Die Argumente, mit denen sie für oder gegen die Herrschaft mit Gewalt sind, für oder gegen Kopf ab auf der Guillotine, für oder gegen den Glauben an Gott, sind auf beiden Seiten bestechend schlüssig. Die Handlung, sofern man von einer solchen sprechen kann, spielt sich in der Zeit vom 24. März bis zum 5. April 1794 ab, mitten in der Phase „der Schreckensherrschaft“. Robespierre und Danton gehören ursprünglich zu den radikalen Jakobinern, die im Kampf mit den gemäßigten Girondisten liegen. Um jedoch in den Wirrnissen dieser blutigen Tage einigermaßen die Übersicht zu behalten, empfiehlt sich vor dem Besuch  des Theaters die Lektüre einschlägiger Literatur.

Silja Bächli © Alexi Pelekanos

Erst dann ist man einigermaßen in der Lage zu verstehen, was Ausdrücke wie Wohlfahrtsausschuss, Nationalkonvent und Revolutionstribunal tatsächlich bedeutet haben und warum ausgerechnet Danton in Ungnade gefallen ist und enthauptet wurde. Büchner hatte den Durchblick, denn auch er war Revolutionär und konnte daher sowohl die Geschehnisse dieser Tage als auch die Gedanken der Beteiligten in einem wahren und für einen unbedarften Zuschauer schwer besteigbaren Textgebirge ausführen.

Silja Bächli, Tobias Artner © Alexi Pelekanos

Das Landestheater Niederösterreich hat trotz der zu erwarteten Schwierigkeiten „Dantons Tod“ auf den Spielplan gesetzt. Inszeniert hat Alia Luque, die sich zwar an Büchner gehalten, aber im Grund ein eigenes Stück auf die Bühne gebracht hat. Mit Texten von Louis Aragon, Rodrigo Garcia, Heiner Müller, Francis Picabia und einem kurzen Geschichtsunterricht wurde das Verstehen zwar erleichtert, ohne Kenntnis des historischen Backgrounds bleiben dennoch viele Fragezeichen offen.

Umgesetzt hat sie das Stück als Diskussionsrunde, zusammengestellt aus den Hacklern, die das berühmte Gemälde von Eugène Delacroix als kolossale Kopie am Hintergrund der Bühne montieren. Die fünf Damen und Herren im Blaumann spielen Revolution in verteilten Rollen, indem sie sich mit deutlichem Signal gegenseitig die jeweilige Figur zuwerfen. Tobias Artner, Silja Bächli, Cathrine Dumont, Bettina Kerl und Michael Scherff sind Danton, Robespierre und etliche andere der dort involvierten Revolutionäre. An sich sind sie mit dem Sprechen des komplizierten Textes ausgelastet, aber zum Spielen bleibt ihnen ohnehin nicht viel Gelegenheit. Richtig in Aktion treten sie erst, wenn sie Ende des ersten Teiles mit Vorschlaghammer und Messern Marianne auf dem Bild und der ohnehin kargen Bühnenausstattung brutal zuleibe rücken. Daran können auch die Violinkonzerte französischer Komponisten, die als beschwichtigende Klangtuchent das ganze Stück untermalen, nichts ändern.

Wenn man auch nicht alles mitbekommt, aber mit diesem Ausbruch von Zerstörungswut wird Revolution über die Rampe gebracht, genauso wie das Verständnis für den Satz von Dantons Gegner Saint-Just: „Ist es denn nicht einfach, dass zu einer Zeit, wo der Gang der Geschichte rascher ist, auch mehr Menschen außer Atem kommen?!

Dantons Tod Keyfoto © Landestehater Niederösterreich

Wichtiger Hinweis

Bis 2. Dezember 2017 wird „Dantons Tod“ im Niederösterreichischen Landestheater in St. Pölten gespielt und am 24. Und 25. Oktober 2017 als Gastspiel an der Bühne Baden.

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