Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Emma Milch-Bormann, Am Bosporus 1930 © Leopold Museum, Manfred Thumberger

FRAUENBILDER vom Biedermeier bis zur frühen Moderne

Heerbert Boeckl, Liegender Frauenakt 1919 © Herbert Boeckl, Nachlass Wien, Foto Manfred Thumberger

Mit drei Sonderausstellungen ein wahrhaft beschaulicher Sommer

„Frauenbilder“ ist ein durchaus vielschichtiger Begriff. Die Kunstgeschichte erfreut sich einer Unzahl an Zeichnungen und Gemälden, auf denen Frauen abgebildet sind. Das weibliche Geschlecht ist eben erfreulich anzusehen, zumal wenn es meisterlich gemalt ist. Die andere Bedeutung dieses Wortes verweist auf die Bilder, die von Frauenhand stammen. Beispiele dafür wird man noch Anfang des 19. Jahrhunderts nur mit kundiger Suche entdecken. Die Frau als Künstlerin konnte sich erst später durchsetzen, bzw. konnte sie erreichen, dass man ihre Arbeit im Kunstbetrieb ernst genommen hat. Was anfangs noch eine Reihe von Schwierigkeiten enthielt, wurde im Lauf der Zeit zu einer Selbstverständlichkeit, die heute – gefühltermaßen – zu einer Dominanz weiblichen Kunstschaffens geführt hat.

Franz Rumpler, Mädchen mit entblößter Schulter 1880 © Leopold Museum

Das Leopold Museum hat dank der umsichtigen Sammlertätigkeit seines Gründers Prof. Rudolf Leopold einen stattlichen Bestand an von Frauen geschaffener Kunst. Die Kuratoren Birgit Pringer und Franz Smola konnten also ins Volle greifen, um im zweiten Teil der Ausstellung FRAUENBILDER Vom Biedermeier bis zur frühen Moderne (bis 18. September 2017 auf Ebene -1) zu beweisen, dass es im Wien des Fin de Siécle bereits große Malerinnen, Grafikerinnen und vor allem auch Keramikerinnen wie Kitty Rix oder Wally Wieselthier (Wiener Werkstätte) gegeben hat.

Helene Funke, Schlafender weiblicher Akt (Traum) 1908 © Leopold Museum, Foto: Manfred Thumberger

Arbeiten von Tina Blau-Lang, Marie Egner, Olga Wiesinger oder Broncia Koller-Pinell messen sich in ihrer Meisterschaft mit den Werken von Malern wie Georg Friedrich Waldmüller, Johann Baptist Reiter, Gustav Klimt oder Egon Schiele im ersten Teil der Schau. Den einzelnen Frauen ist dabei jeweils ein eigener Abschnitt gewidmet, der sie dem Betrachter mit ihrem Leben und ihrem Wirken vorstellt und damit möglicherweise viele bisher hartnäckig gepflogenen Ansichten über eine mangelnde Bedeutung weiblichen Kunstschaffens am Beginn der Moderne verblassen lässt.

Dr. Elisabeth Leopold, die das Erbe ihres Gatten mit Elan und umwerfender Liebenswürdigkeit dem Publikum näherbringt, hat dazu eine Broschüre mit einer sehr persönlichen Auswahl an Werken herausgegeben. Neben diesem kleinen Katalog ist zur zweiten Ausstellung dieses Sommers ein Lese- und Schaubuch erschienen:

RADEK KNAPP TRIFFT ALFRED KUBIN. Der in Polen geborene österreichische Schriftsteller Radek Knapp war vom Leopold Museum eingeladen worden, zu Zeichnungen von Alfred Kubin eine Erzählung zu schreiben. Knapp entschied sich für DIE STUNDE DER GEBURT und schuf zu 41 von ihm ausgewählten Blättern einen Text, der in eigenwilliger Poesie einen neuen Blick auf noch nicht entdeckte Inhalte der düsteren Grafiken Kubins eröffnet. Unmittelbar zu verfolgen ist dieses Zwiegespräch zwischen Alfred Kubin, der selbst auch literarisch tätig war, und dem Schriftsteller Radek Knapp bis 4. September 2017 im Graphischen Kabinett des Museums.

Alfred Kubin, Der Mensch 1902 © Leopold Museum, Bildrecht Wien

Dem belgischen Künstler Jan Fabre (1958* Antwerpen) gehört bis 27. August 2017 die Ebene -2. Auf Tischen mit Glasplatten und Bildschirmen wird unter dem Titel STIGMATA. ACTIONS & PERFORMANCES 1976-2016 in origineller Architektur eine Retrospektive aufbereitet. Fabre zählt zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Gegenwartskunst, der für seine Ideen einen eigenen Kosmos geschaffen hat.

Zu sehen sind auf Videos Aktionen, die stellenweise an unseren Wiener Aktionismus erinnern, aber auch das Handwerkszeug des Künstlers im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man an aufgereihten Hämmern und anderem Arbeitsgerät vorbeischlendert. Zustande gekommen ist die Ausstellung in einer Zusammenarbeit von MAXXI Rom und Angelos bvba, dem Leopold Museum und ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival.

Jan Fabre Ausstellungsansicht © Leopold Museum, Foto Lisa Rastl
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