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„Trotzdem Kunst“ als wesentliche Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

ALBIN EGGER-LIENZ 1868–1926 Der Totentanz (IV. Version), 1915 © Leopold Museum

Soldaten wie Schiele, Walde oder Egger Lienz malten den Krieg

Das Selbstporträt von Egon Schiele aus 1910 wurde zum Kriegsgott Mars verfremdet. Das in einem engen Rahmen gesperrte Gesicht ist aggressiv rot, darüber steht in Großbuchstaben DER RUF und darunter KRIEG. Ein Grafiker dieser Tage (1912) hat es für eine Apologie des Krieges missbraucht, für ein Heft, in dem das Blutvergießen und die Gewalt verherrlicht werden. Man konnte oder wollte nicht voraussehen, dass daraus die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ folgen würde, ein Weltenbrand, den viele der Begeisterten nicht überlebten. Wie Schiele in diese fragwürdige Gesellschaft geraten ist, wird in der Ausstellung „Trotzdem Kunst. Österreich 1914-1918“ (bis 15. September 2014) angedeutet. Es war ein Teil der Frühexpressionisten, die den Krieg „als ein das fade gewordene Dasein erweckendes Ereignis“ begrüßten.

 

Die Künstler erkannten bald nach Ausbruch des Krieges, was dieses Morden auf den Schlachtfeldern wirklich bedeutete.

EGON SCHIELE 1890–1918 »Kranker Russe«, 1915 © Leopold Museum, Wien, Inv. 3639

Sie waren zwar eingesetzt worden, um den Krieg in Bildern festzuhalten. Aber mehr und mehr wurden ihre Werke zu erschütternden Dokumenten des endlos andauernden verheerenden Wahnsinns. Bereits 1915 schuf Albin Egger-Lienz, der sich als Freiwilliger zum Dienst an der Front gemeldet hatte, den „Totentanz (IV. Version)“. In „Vorwärts stürmende Soldaten“, ebenfalls 1915, sind die Männer bereits blick- und namenlose Kampfmaschinen, die im „Finale“ (1918) als fahle Leichen den Boden bedecken. Ähnlich Alfons Walde: 1915 entsteht das Porträt eines schneidigen

ANTON KOLIG 1886–1950 Hauptmann Boleslavski, 1916 © Leopold Museum, Wien, Inv. 171 Bildrecht, Wien 2

„Kaiserschützen am Monte Piano“. 1919 ist die Erinnerung an ein Soldatengrab geblieben, festgehalten in einem zutiefst berührenden Gemälde dieser Ausstellung. So hatten sich die Generäle des Kriegsministeriums die Propaganda durch die besten Künstler der Monarchie bestimmt nicht vorgestellt, als sie 1914 das kaiserliche und königliche Kriegspressequartier gegründet hatten.

 

Hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist die Frage nicht unwesentlich, ob es während einer Zeit des Schießens und gegenseitigen Hassens Kunst geben konnte. Es gab Kunst, trotzdem, und sie war bedeutend, wie die Ausstellung im Untergeschoß des Leopoldmuseums mit rund 280 Objekten eindrucksvoll beweist. Schlachtengemälde, deren Wahrnehmung gefiltert durch die Seele des Künstlers wurde, Soldatenporträts oder

spontane Skizzen des Frontalltags oder einfach düstere Bilder aus dem „Hinterland“. Für Elisabeth Leopold, die wesentlich an der Gestaltung mitgewirkt hat, ist es „ein aufschreiender Appell gegen Krieg und Mord!“

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