Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Friedrich Gauermann, Der schützende Baum, um 1840 © Leopold Privatsammlung (Ausschnitt)

ZAUBER DER LANDSCHAFT von Waldmüller über Alt bis Boeckl

Ferdinand Georg Waldmüller, Versöhnung an der Brücke, um 1860 © Leopold Privatsammlung (Ausschnitt)

Herzstücke aus den Sammlungen Leopold

Die Augen von Elisabeth Leopold leuchten auf. Vor dem Bild „Versöhnung an der Brücke“ von Ferdinand Georg Waldmüller weiß sie nicht nur zu erzählen, wie wunderbar dieses Gemälde komponiert ist und wie übel diesem großen Pionier der Landschaftsmalerei mitgespielt wurde, da er seinen Studenten die damals revolutionäre Ansicht vom Malen der Natur nahebringen wollte. Es sind auch die gemeinsamen Spaziergänge mit ihrem Mann Rudolf, die sie durch die gleichen Gegenden geführt haben, wie sie Waldmüller im Salzkammergut und im Wienerwald festgehalten hat. Rudolf Leopold war der Sammler, der dieser Magie nicht widerstehen konnte und die Bilder gekauft hat. Elisabeth Leopold, seine Gattin, will diese Stimmung und die Schönheit der Werke nun den Menschen vermitteln.

Herbert Boeckl, Gruppe am Waldrand, 1920 © Leopold Museum, Wien  (c) Herbert Boeckl Nachlass

So bilden diese Ölgemälde neben den dramatischen Gewitterinszenierungen eines Friedrich Gauermann nun den Einstieg in eine Wanderung durch Landschaften, angefangen vom Biedermeier bis herauf in die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen. Im Titel verblieben ist der ZAUBER DER LANDSCHAFT, der mit Arbeiten von Ferdinand Georg Waldmüller über Rudolf von Alt bis Herbert Boeckl (bis 1. Mai 2017) zu erleben ist.

Rudolf von Alt, Die alte Fichte in Bad Gastein, 1899 © Leopold Museum Vienna

Anton Romako lässt den Betrachter die Luft anhalten, wenn ein Mädchen über einem tosenden Wasserfall balanciert. Er konnte wie kein anderer die Befindlichkeit seiner dargestellten Personen mit einem für seine Zeit bereits gewagtem Pinselstrich wie auf dem Bild „Kinder beim Reisigsammeln“ wiedergeben. Josef Dobrowsky ist mit atmosphärischen Aquarellen ebenso vertreten wie Albin Egger Lienz, dessen „Knabe an der Quelle“ einen guten Teil der ihn umgebenden Landschaft einnimmt. Koloman Moser, Carl Moll, Emil Jakob Schindler oder Rudolf Ribarz stehen für die Landschaftskunst im 1900 und für Österreich im Umbruch wurden beispielsweise die beinahe naiv anmutende „Bregenzer Achbrücke“ von Rudolf Wacker und zwei Werke aus der Wachauserie von Anton Faistauer ausgewählt.

Für Landschaft im Aquarell gilt Rudolf von Alt als bedeutendster Vertreter dieses Genres im 19. Jahrhundert. Seine Landschaftsbilder entführen die Zeitgenossen auf Reisen bis Italien und sogar auf die Krim. In der Ausstellung sind es aber vor allem Aquarelle, die in der Gegend von Gastein gemalt wurden, so „Die St. Nikolauskirche in Gastein“ und „Die alte Fichte in Bad Gastein“. Sie stehen in einem spannungsgeladenen Gegensatz zu Papierarbeiten von Herbert Boeckl. Der junge Mann hatte sich schon während seines Studiums an der Technischen Hochschule der Malerei zugewandt.

Nach der Heimkehr vom Ersten Weltkrieg gab er die Technik auf und folgte vollends seiner Berufung zum Maler. Neben dem berühmten „Großen liegenden Frauenakt“ wagte er um 1920 Bilder mit Landschaftsmotiven zu schaffen, die ihrer Zeit weit voraus scheinen. Minimalistische Formeln aus einigen wohlgesetzten Farben zwischen schwarzen Strichen lassen das eigentliche Sujet nur erahnen. Zu selben Zeit, so erklärt sich Elisabeth Leopold die ungeheure Kraft der „Gruppe am Waldrand“, hat eine Eruption des jungen Genies stattgefunden. Dieses Gemälde, das ohne sichtbare Perspektive, allein mit den Farben dem Raum Tiefe schafft, beherrscht das Ende der Ausstellung.

Carl Moll, Motiv aus dem Prater, um 1925 © Leopold Museum, Wien
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