Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


GUSTAV KLIMT, Am Attersee, 1900 © Leopold Museum, Wien

WIEN UM 1900 Die Kraft in der Ära des Aufbruchs

KOLOMAN MOSER, „Der Liebestrank“ (Detail) © Leopold Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien

Kolo Moser, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Richard Gerstl als Protagonisten in einer lange verkannten Kunstmetropole

Es handelt sich fast ausschließlich um Werke aus der eigenen Sammlung, die bis 10. Juni 2018 im Leopold Museum unter dem Titel „Wien um 1900. Klimt – Moser – Gerstl – Kokoschka“ ein Best-of dieser Jahre zu Gesicht bringen. Es ist kaum zu glauben, aber der Jugendstil, der wie keine andere Stilrichtung das Bild und den Charakter der Stadt geprägt hat, wurde noch in den 1960er-Jahren nicht mit Wien in Verbindung gebracht. Das hat sich in der Zwischenzeit bekanntlich gründlich geändert. Einen nicht unwesentlichen Beitrag zur entsprechenden Positionierung des Wiener Jugendstils hat dabei das Leopold Museum geleistet, dessen Gründer Rudolf Leopold durch seine gewaltige Sammeltätigkeit die eindrucksvollen Beweise für die Bedeutung Wiener Kunstschaffens aus dieser Periode zusammengetragen hat.

 

Ihm zu Seite stand stets Elisabeth Leopold, die nun in rühriger Weise das große Erbe in von ihr initierten und teilweise auch gestalteten Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. 

Richard Gerstl, Selbstbildnis © Leopold Museum, Wien

Besonders am Herzen liegt ihr bei der nunmehrigen Schau Koloman Moser, dem sie begleitend zur Ausstellung eine Publikation gewidmet hat. Moser ist für sie nicht nur ebenbürtig mit Gustav Klimt, sondern mit seiner Designkunst auch „einer der Hauptverantwortlichen für die Ausstrahlung des Wiener Jugendstils über die ganze Welt.“ Moser war wie Klimt Gründungsmitglied der Wiener Secession und war wesentlicher Gestalter deren Zeitschrift „Ver Sacrum“. Nicht nur als Maler, der über die teils pathetische Thematik seiner Gemälde hinaus zu neuen Formen des Ausdrucks fand, war er im Kunsthandwerk tätig und schuf mit dem Architekten Josef Hoffmann die „Wiener Werkstätte“, deren Formensprache bis heute einzigartig faszinierend ist. Egal ob es sich um den berühmten Sessel für das Purkersdorfer Sanatorium oder um das Tafelservice „Meteor“ mit einer von ihm entworfenen raffinierten Oberfläche handelt, in allem vibriert der künstlerische Aufbruch, der dieser Tage Wien erfasst hatte. Zu sehen sind von Kolo Moser außer diesen „Gebrauchsgegenständen“ Ölbilder und Entwürfe, unter anderem für die Glasfenster der Otto Wagner Kirche am Steinhof.

Oskar Kokoschka, Fortuna, 1915 © Privatbesitz © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht, Wien 2014

Kolo Moser starb wie Gustav Klimt 1918, einem Jahr, in dem der Tod in der Wiener Künstler Szene schreckliche Ernte hielt. Klimts Bild „Tod und Leben“, das 1915/16, also mitten im Ersten Weltkrieg, entstanden war, ist eine würdige Anregung zum Gedenken an diesen Kahlschlag vor 100 Jahren, auf den wir heuer zurückschauen werden. Gustav Klimt ist hauptsächlich mit Bildern vertreten, die man nur schwerlich mit dem Meister einer Goldenen Phase verbindet. Eine unspektakuläre Wasseroberfläche „Am Attersee“ aus 1900 oder „Die große Pappel“ aus 1902/03 zeigen einen Maler, der mit viel Besinnlichkeit die Natur betrachtet und die dabei gewonnenen Gedanken im Sinne des Impressionismus umsetzt. Ihm folgt beim Rundgang Oskar Kokoschka, dessen Büste, geschaffen von Alfred Hrdlicka, den Raum beherrscht.

So kantig wie das Gesicht des Malers sind auch seine Werke. Er war ein radikaler Vertreter des Expressionismus, der sich ebenso in seinen Selbstporträts wie in thematisch vielschichtigen Gemälden z. B. „Fortuna“ aus 1915 manifestierte. Ebenso wie Kokoschka nahm auch der nur von 1883 bis 1908 lebende Maler Richard Gerstl (er beging Selbstmord) auf sich keine eitlen Rücksichten. Ihm ist der letzte Teil dieser Ausstellung gewidmet.

Die Selbstbildnisse zeigen einen verletzlichen jungen Mann mit einem seltsam vorwurfsvollen Gesichtsausdruck. Seine Landschaftsmalerei, die mit der „Uferstraße bei Gmunden“ vertreten ist, nimmt bereits den pastosen unbändigen Strich vorweg, der von Malern des anbrechenden 20. Jahrhunderts später als notwendiger Ausdruck einer der Zeit entsprechenden Kunst angewendet wurde. Gerstl wurde trotz seiner Zurückgezogenheit – er hat Zeit seines Lebens nie ausgestellt – und seiner differenzierten Einstellung beispielsweise gegenüber Klimt zu einem der bedeutendsten Pioniere der Kunst in einem Wien um 1900, das bis heute die Kraft dieser Ära mächtig auszustrahlen vermag.

KOLOMAN MOSER, Armlehnstuhl für das Sanatorium Purkersdorf, 1903 © Leopold Museum, Wien
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