Kultur und Wein

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300 JAHRE WIENER PORZELLANMANUFAKTUR MAK-Ausstellungshalle © MAK/Georg Mayer

300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur Jubiläumsausstellung!

Deckeldose in der Form einer Schildkröte, Wien, um 1730 © Joe Coscia Jr./MAK

Eine unglaublich üppige Augenweide an schimmernder Pracht

Am Anfang stand ein Krimi. In Sachsen hatte man Anfangs des 18. Jahrhunderts das Arkanum entdeckt und den Chinesen die Geheimformel abgeluchst, um Porzellan herstellen zu können. Was aber in Europa niemand sonst wissen sollte, fand bald seinen Weg auf andere Fürstenhöfe. Jeder wollte das Weiße Gold selbst herstellen und scheute nicht vor mehr oder weniger unredlichen Methoden zurück, um entsprechende Wissensträger in seine Dienste zu locken. Einer dieser Überläufer war Christoph Konrad Hunger, der 1717 aus Dresden nach Wien kam und behauptete, Johann Friedrich Böttger hätte ihm das Arkanum im Rausch verraten. Bereits ein Jahr darauf wurde in Österreich das kaiserliche Privilegium zur Porzellanerzeugung an den offenbar seriöseren Meister Claudius Innocentius Du Paquier verliehen. Damit konnte nach Meißen in der Wiener Rossau die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas in Betrieb genommen werden. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Stil und Geschmack der Erzeugnisse setzten bereits in der Frühzeit und im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts ästhetische Maßstäbe.

Thermometerhändler, Wien, 1854 © MAK/Georg Mayer

Alle Qualität konnte jedoch nicht verhindern, dass 1862 beschlossen wurde, die Manufaktur zu schließen. Die vorhandenen Bestände wurden dem eben gegründeten k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, dem heutigen MAK, übergeben und bilden dort, wie es der damalige Direktor Rudolf von Eitelberger vorausgesehen hat, „den Grundstock einer ceramischen Sammlung.“ Die Tradition konnte erst wieder im 20. Jahrhundert mit der Gründung der heute noch bestehenden Porzellanmanufaktur Augarten fortgesetzt werden.

Tintenzeug, Wien, 1828 © MAK

An die 1000 Exponate wurden aus den Beständen des MAK und aus nationalen wie internationalen Sammlungen für die Jubiläumsausstellung „300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur“ (bis 23. September 2018) von Kurator Rainald Franz unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Michael Macek (beide aus der MAK-Sammlung Glas und Keramik) zu einer beeindruckenden Leistungsschau zusammengestellt, für die man sich genügend Zeit nehmen sollte. Der Grund:

Die Vitrinen sind derart voll geräumt mit Kleinodien, dass man als Besucher schon ganz genau hinschauen muss, um die Infotaferln mit den jeweiligen Objekten in Übereinstimmung zu bringen. Die Bossierer und Modelleure, aber auch die Maler dieser Manufaktur haben ihre Signatur in Form von Nummern in jedem einzelnen Stück hinterlassen, so dass man heute noch weiß, wer beispielsweise den originellen „ Thermometerhändler“ modelliert hat. Es war Joseph Gmandtner.

Oder wer das elegante Tintenzeug mit Giraffen im Zoo bemalt hat, nämlich Jakob Schufried. Wenn man von diesen Künstlern auch keine Ahnung mehr hat, so leben sie doch in ihren Werken weiter. Auch der Geschmack mag sich gewandelt haben – man muss derlei Porzellan schon mögen müssen, um es um sich haben zu wollen –, so besteht das überaus ansehnliche Erbe dennoch weiter und hat sich durchaus dieses großartige Geburtstagsgeschenk, wie es derzeit im MAK zu bewundern ist, verdient.

Solitär-Service aus der kaiserlichen Hofhaltung Maria Theresias © MAK/Georg Mayer
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