Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


MAK DESIGN SALON: Reizvoller Dialog in der Expositur Geymüllerschlössel:

Zeitgenössisches Design und Biedermeier

Michael Anastassiades hat sich der Herausforderung gestellt und seine Entwürfe den Designs eines Josef Franz Danhauser (1805-1845) gegenübergestellt. Leicht wurde es ihm in dieser vom Biedermeier geprägten Umgebung nicht gemacht. Abgesehen von der Eleganz der „Meubles“ aus einer Fabrik, die für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts erstaunlich zukunftsweisend war, atmet das Geymüllerschlössel die Atmosphäre eines heiteren Lustgebäudes mit verspielter Raumaufteilung und einem Park, der sich am sonnigen Tag der Eröffnung (8. Mai 2012) beinahe als die eigentliche Attraktion behauptete.

 

„Time & Again“, oder flott übersetzt, „Zeit und Zeitlosigkeit“ ist der Titel der Intervention des Londoner Designers, der damit den MAK DESIGN SALON einleitete und diesem Vorhaben des MAK und seinen Nachfolgern gleichzeitig eine Richtung wies. Es geht um eine epochenübergreifende Konfrontation angewandter Kunst. Neben dem erwähnten Biedermeier gibt es Möbel des Empire und eine äußerst qualitätvolle Sammlung (Franz Sobek) von 160 Altwiener Uhren, von denen rund 90 permanent ausgestellt sind.

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Panorama: MAK-Expositur Geymüllerschlössel © Peter Kainz/MAK

l.g.o.: Michael Anastassiades, Time & Again, Curved Mirror

l.o.: MICHAEL ANASTASSIADES. Time & Again, Mirror Clocks, 2012; Ball Vase, 2006 © Wolfgang Woessner/MAK

r.o.: MICHAEL ANASTASSIADES. Time & Again, (v.l.n.r.) Kinetic Light 2 – Golden Pendulum, 2010; Ball Vase, 2006 © Wolfgang Woessner/MAK

r.u.: MICHAEL ANASTASSIADES. Time & Again, Ball Vase in Curved Mirror

Leiste: Michael Anastassiades © Uli Weber

Titel: Michael Anastassiades, Ball Vase, 2006 © Studio Michael Anastassiades


 

Zentrum und Ausgangspunkt von Time & Again ist die Installation „Kinetic Light 2 – Golden Pendulum“. „Das hypnotische Hin und Her ruft eine ferne Zeit wach, als die Musik Sphärenklänge nachzubilden suchte. Oder aber der Rhythmus einen in die weniger weit zurückliegende Welt der Psychoanalyse…“, bietet Anastassiades als Interpretationsansätze an und hat die Zeit selbst, die alten Standuhren, in sein Programm miteingebunden, indem er sie von der Wand weggerückt und deren Rückseite mit einem Spiegel versehen hat.

 

Im Grunde entsprechen die Entwürfe von Anastassiades in ihrer Eleganz und den verwendeten noblen Materialien ganz und gar dem großbürgerlichen Ambiente eines Geymüllerschlössels.

Dieses eingespielte Ensemble wurde nun mit ästhetischen Ideen von Anastassiades bereichert, sozusagen mit guten Gründen versehen, warum man eine Reise in die dörfliche Idylle von Pötzleinsdorf antreten sollte. Der erste Blickfang sind güldene Bälle, ähnlich Bowlingkugeln, da wie diese mit Löchern versehen. Gedacht sind die Öffnungen für Blumen, wobei unter Besuchern diskutiert wurde, ob die rundum runde Vase auch genügend Stabilität aufweisen würde, wenn beispielsweise durch langstielige Pflanzen der Schwerpunkt nach oben verschoben würde.

 

Design, und sei es noch so künstlerisch, muss es sich bieten lassen, unter dem Gesichtspunkt praktischer Anwendung geprüft zu werden. So steht man auch den fließenden Spiegeln etwas ratlos gegenüber. Sie verlieren sich entweder über eine Tischkante oder wachsen vom Boden empor und sind einfach schön. Reinschauen, wofür man üblicherweise einen Spiegel verwendet, erfordert allerdings einige Übung in körperlicher Verrenkung.

Die Editionen seiner Luster und Tisch- und Möbelobjekte sind gefragt und werden in ausgewählten Manufakturen hergestellt, u.a. bei J. & L. Lobmeyr in Wien. Zu bewundern und sogar zu erwerben sind sie auch im MAK DESIGN SPACE im Hauptgebäude. Aber trotz allem, dort sind sie kein Ersatz für eine Landpartie nach Pötzleinsdorf, wo bis 25. November 2012 Biedermeier und Anastassiades im Dialog erlebt werden kann.

 

Entwurfszeichnungen der Danhauser´schen Möbelfabrik

Herrn Biedermeiers Einrichtungskatalog

1808 erhielt das von Ulrich Danhauser (1780-1829) gegründete Unternehmen für die Erzeugung vergoldeter, versilberter und bronzierter Bildhauerwaren das „k.k. Landesfabriks-Privilegium“ für Beleuchtungs-körper und Dekorelemente zur Möbelverzierung. Es war die Vorstufe zur Landesfarbiksbefugnis zur Produktion „aller Gattungen Möbel“, die das Wiener „Meuble“ zu einer Hochblüte führte und beinahe für ein Jahrhundert den Namen Danhauser damit verband.

 

Dessen Sohn Josef Franz Danhauser (1805-1945) ist heute eher als Maler bekannt, der die Lebensumstände des Biedermeier mit viel Witz, aber gleichermaßen scharfem Blick festgehalten hat (mehr dazu hier…). In der Firma seines Vaters betätigte er sich schwungvoll als Entwurfszeichner. Mit einer Serie Interieurs inszenierte der Künstler in den 1830er Jahren eine für die damalige Zeit beispiellose Werbekampagne, die jedem Möbelhaus unserer Tage zur Ehre gereichen würde.

Entwurfszeichnungen der Danhauser’schen Möbelfabrik &

r.o.: Carl Graf Vasquez, Plan der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien, Blatt 5: Wieden, um 1830 © MAK

Josef Danhauser konnte mehr als zeichnen, er hatte das untrügliche Gefühl für Ästhetik. Was den Formenreichtum betraf, kannte seine Phantasie keine Grenzen. Verbreitet wurden die Entwürfe als Beilage der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur und Mode, ausgeführt im Stahlstich und kombiniert in fertigen Interieurs und Ensembles – IKEA lässt grüßen. Danhauser war der erste, dem es gelungen war, seine Ideen in anspruchsvoller Weise einem breiten Publikum vorzustellen und gleichzeitig optimal zu vermarkten.

 

Die Entwürfe gibt es noch und sie werden am denkbar geeignetsten Ort aufbewahrt. 1931 erwarb das MAK den gesamten zeichnerischen Nachlass der Danhauser´schen Möbelfabrik und verfügt mit über 2.500 Skizzen, Zeichnungen und Katalogen über den bedeutendsten Bestand an Möbelzeichnungen des Wiener Biedermeier. Unter dem Titel „…ALLER GATTUNGEN MÖBEL.“ wird bis 1. Juli im Kunstblättersaal eine feine Auswahl aus dem Danhauser´schen „Meuble“-Programm präsentiert.

Ein angemessenes Geburtstagsgeschenk für Gustav Klimt

Erwartung und Erfüllung

Entwürfe für den Stoclet-Fries

1905 gab der Großindustrielle Adolphe Stoclet in Brüssel ein Stadtpalais in Auftrag. Josef Hoffmann als Architekt und die Wiener Werkstätte wurden mit der Planung beauftragt. Von diesen wurde wieder eine Reihe namhafter Künstler mit der detaillierten Umsetzung des aufwändigen Gesamtkonzeptes betraut. Es handelte sich zwar um ein privates Palais, finanziert vom Vermögen eines Unternehmers. Durch die Auswahl der Ausführenden wurde es jedoch zu mehr als einem Bauprojekt, es wurde zum Gesamtkunstwerk, zu einer Einheit von Gewerbe und Kunst an sich und ist heute selbstverständlich Teil des UNESCO-Welterbes.

 

Der Mosaikfries im Speisezimmer wurde von Gustav Klimt entworfen. Erwartung und Erfüllung oder auch der Lebensbaum sind wesentliche, vor allem sehr bekannte Arbeiten des Künstlers, dessen 150. Geburtstag heuer in wahrhaft angemessener Weise gefeiert wird. Dass seine Entwürfe für diesen Fries restauriert wurden und in einer eigens dafür angefertigten speziellen Vitrine präsentiert werden, kann als Überraschungsgeschenk an einen ehemaligen Studenten der Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, heute kurz MAK, betrachtet werden.

Gerade in Entwurfszeichnungen, der damit verbundenen Korrespondenz und den kurz gefassten Anweisungen (Klimt hat die Entwürfe nicht selbst umgesetzt) öffnet sich die Gedanken- und Schaffenswelt eines Künstlers wesentlich weiter als am fertigen Gemälde. Jedes Detail, jedes Ornament kann unmittelbar in Beziehung zum Gesamtwerk gesetzt werden. Einzelne Arbeitsschritte werden dokumentiert und der technische Entstehungsprozess wird nachvollziehbar gemacht, bis zur Auswahl des Materials und der Technik der Übertragung des Entwurfs in das Mosaik.

 

Der Katalog zur Ausstellung „Gustav Klimt: Erwartung und Erfüllung. Entwürfe zum Mosaikfries im Palais Stoclet“ (bis 15. Juli 2012) empfiehlt sich dabei als angenehm lesbarer Führer durch die Planung eines derart extrem durchgestylten Projektes wie der Villa Stoclet, wo sogar das Kaffeelöfferl seine ganz bestimmte Form haben musste, ganz abgesehen von einem Fries in einem täglich benutzten Speisezimmer, für dessen Entwurf selbstverständlich nur der Beste seiner Zeit infrage kam.

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Fries: Entwurfszeichnungen von Gustav Klimt 1910/1911 (v.l.n.r.): Erwartung, Baum, Rosenstrauch, Erfüllung, alle © MAK/Georg Mayer

r.o.: Gustav Klimts handschriftliche Anweisungen an die Wiener Werkstätte  © MAK/Beate Murr

r.u.: Josef Hoffmann, Entwurfszeichnung, Kaffeetasse und Untertasse für das Palais Stoclet, 1911 MAK/Wiener-Werkstätte-Archiv © MAK

l.u.: Gustav Klimt, Änderungen im Entwurf (Details) © MAK/Beate Murr

Leiste: Entwurfszeichnung Ritter, 1910/1911 © MAK/Georg Mayer

Titel: MAK-Ausstellungsansicht © MAK/Georg Mayer


 


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