Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


MAK-Ausstellungsansicht © MAK/Georg Mayer

GLÄSER DER EMPIRE- UND BIEDERMEIERZEIT Gesammelte Schätze

nton Kothgasser (1769–1851), Ranftbecher mit Fischen © MAK/Hanady Mustafa

Gläser eher zum Anschauen als zum Trinken

In weit abgelegenen Waldgebieten Böhmens und des Waldviertels entstanden damals Kunstwerke, die bei Hofe und den Palais, aber genauso in betuchten bürgerlichen Haushalten der Kaiserstadt reißend Absatz fanden. Ende des 18. Jahrhunderts, also in der Zeit von 1780 bis 1840, erlebte die Produktion von prächtig gestalteten Trinkgläsern einen Höhepunkt. Man kann sich schwer vorstellen, dass daraus getrunken wurde. Man hielt sich die Gläser wohl zum Herzeigen, präsentierte sie in hübschen Vitrinen, um sich am Staunen der Besucher über die Kunst der Glasmacher und das eigene finanzielle Vermögen zu laben. Die Gläser waren selbstredend nicht wohlfeil und lassen bis heute ahnen, was es bedeutete, sich solche Artefakte anschaffen zu können. Gleichzeitig boten die Gläser Stoff zur Konversation. Waren es die Motive, die die Wand oder den Boden zierten, die raffinierte Technik, mit denen Medaillons und unglaubliche Farben aufgebracht waren, oder das handwerkliche Vermögen, aus dem spröden Material der sogenannten „Steingläser“ sensationelle Formen zu schneiden.

Joseph Mildner (1765–1808) © Graphisches Atelier Neumann

Selbstverständlich kannte man die Namen der Meister, die ihren Erfindungsreichtum für ausgefallene Designs glänzen ließen und damit untereinander eine äußerst fruchtbare Konkurrenz erzeugten.

 

Joseph Mildner war zweifellos ein Star der Szene. Er betrieb seine Werkstatt in Gutenbrunn im südlichen Waldviertel. Die einzige brauchbare Verkehrsverbindung in diese damals noch mit dichtem Wald bestandene Gegend hatte ein Unternehmer namens Joseph von Fürnberg mit einer Poststraße geschaffen. Holz gab es genug und auch anderes für die Glasmacherei benötigtes Material. Die Glashütten waren auch bedeutende Arbeitgeber. Sie waren ein Anziehungspunkt für die Gesellen, die auf der Bühne vor dem glutheißen Ofen mit der Pfeife unter gesundheitlich bedenklichen Umständen das Glas in die von Mildner erdachten Formen bliesen, die Kugler, die für die letzten Schliff verantwortlich waren, und alle die anderen Könner, die für den feinen Goldschmuck und die teils transparent gemalten Miniaturen verantwortlich waren.

 

Das alles sollte zumindest im Hinterkopf mitschwingen, wenn man bewundernd vor solchen Gläsern steht. Bis 17. April 2017 bietet das MAK dazu erstmals seit 1922(!) ausreichend Gelegenheit. Titel der Ausstellung: GLÄSER DER EMPIRE- UND DER BIEDERMEIERZEIT. Sie stammen aus der Sammlung des MAK und der Glassammlung Christan Kuhn.

Zu sehen sind 360 ausgewählte Objekte, die, so das MAK, einen Einblick in die technischen und künstlerischen Entwicklungen dieser Zeit geben. Neben den sensationellen Kreationen Mildners (1765-1808) sind Arbeiten aus der Werkstatt des Samuel Mohn (1762-1815) und seines Sohnes Gottlob (1789-1825) sowie von Anton Kothgasser (1769-1851) vertreten. Der Glasschnitt als eine der schwierigsten Arten der Glasbearbeitung hatte ebenfalls im Biedermeier Hochkonjunktur. Die dazu präsentierten Beispiele stammen zum guten Teil aus der Sammlung Christian Kuhn, deren Fokus auf Steingläsern liegt. Gezeigt werden dazu unter anderem Arbeiten von Friedrich Egermann aus Nordböhmen, dessen „Lithyalinen“ effektvoll verfärbte, inhomogene Teile und verschiedenfarbige Oberflächen auszeichnen. Sie bauen bereits eine Brücke zu den Gläsern, die hundert Jahre später für Wien typisch waren und in der gleichzeitig laufenden Ausstellung DAS GLAS DER ARCHITEKTEN, Wien 1900-1937 ebenfalls bis 17. April 2017 zu erleben sind.

Lithyalinbecher, Veredelung: Friedrich Egermann © Graphisches Atelier Neumann

Ausstellungsansicht, 2016, handWERK © MAK/Georg Mayer

handWERK Tradiertes Können in der digitalen Welt

Thomas Bohle, Porträt, 2014  © Lucas Breuer

Leistungsschau des MAK mit Werken geschickter Hände

Nachdem der Chor der Wiener Fleischer die Hymne auf den sauber zugerichteten Schweinsbraten und das Loblied ordentlicher Wurstbereitung intoniert hatte, war der Weg frei zur Vielfalt des Handwerks, wie sie vielleicht nur das MAK als die dafür berufene Institution präsentieren kann. Die Sammlungen des Hauses beinhalten, wie man von zahlreichen Ausstellungen weiß, ein Best of an Produkten, die niemals anders als mit der Hände Arbeit hergestellt werden konnten. Mit „handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt“ (bis 9. April 2017) geht man nun darüber hinaus und will zeigen, dass die Herstellung verschiedenster Produkte nach wie vor auf Jahrhunderte altem Wissen beruht und damit ein wesentlicher Bestandteil der materiellen Kultur und der kulturellen Identität ist.

 

In sechs Kapiteln wird der Besucher von der Geschichte des Handwerks zu dessen Erzeugnissen und den Materialien geführt und in einen Dialog von Handwerk und Design verwickelt.

Les Compagnons du Devoir, Fahrrad, 1997 © MAK/Georg Mayer

In lebenden Werkstätten gibt es das Können von Schuster, Spengler, Hutmacherin und sogar einem Geigenbauer zu erleben, wobei allerdings ein Blick auf den Zeitplan der Live-Präsentationen auf der Homepage des MAK (Logo unten) empfohlen wird. Zuletzt kommt die Rede auf die „Nachhaltigkeit“ und damit auf Begriffe wie „Erbstücke“ oder das in seiner Art fast ausgestorbene „Reparieren“. Zwei Filme zeigen, wie historische Verputze und Holzfenster fachgerecht restauriert werden und im Forschungs-Lab der Wirtschaftsuniversität Wien werden mit Hilfe der Besucher Effekte rund um Handwerk in Bezug auf das Kaufverhalten erforscht.

Dabei geht es um nichts anderes, als um die Bereitschaft, für das Handwerk letztlich doch etwas tiefer in die Geldbörse zu greifen. Denn nur so dürfte sich die uralte, aber bis heute unbewiesene Volksweisheit erfüllen, dass das Handwerk angeblich einen goldenen Boden hat. Eines wird durch diese Ausstellung jedoch bewiesen: Noch lebt das Handwerk, wenn auch abgeschlankt und reduziert auf einige wenige Zweige, die bis heute den Offshore Bemühungen einer auf Kostenminimierung bedachten Industrie erfolgreich Widerstand geleistet haben.

Denis Diderot, Jean-Baptiste Le Rond d’Alembert © MAK/Georg Mayer
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