Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ti Amo 3 Ensemble © Metropol

Auf vielfachen Wunsch geht´s weiter: TI AMO 3

Ronald Kuste © Metropol

Der (Tauf)Pate beim Italiener ums Eck

Eine herrliche Ansammlung großartiger Stimmen bringt wieder amüsantestes italienisches Chaos nach Wien. Nach langem Zögern hat sich Peter Hofbauer entschlossen, den Erfolg von zwei Mal Ti Amo mit einem Follow up zu verlängern. Waren seine Bedenken, dass jeder Serienstoff im TV irgendwann in die Augen der Seher sickert und zur liebgewonnen Gewohnheit wird, stellt sich doch bei einer Bühnenproduktion das Problem, das es sich am ersten Abend entscheidet, ob es ein Kassenschlager wird oder nicht. Das Premierenpublikum am 14. Februar 2017, just am Valentinstag, hat ihm mit seinem Beifall bestätigt, dass „Ti Amo“ auch in der dritten Auflage nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

 

Beim Italiener ums Eck hat es Nachwuchs gegeben. Zwillinge wollen getauft werden und brauchen einen Paten. Bei Süditalienern hat dieses Amt natürlich einen Beigeschmack. Der Pate (hintergründig und zu jedem Verbrechen fähig: Clemens Aap Lindenberg) tarnt sich als Pfarrer Don Vito.

Franziska Hetzel, Erik Arno © Metropol

Er soll das Taufwasser über die Köpfchen der zwei kleinen Italiener schütten. Wer soll nun für die beiden wirklich Pate sein? Schon wartet er im Lokal der Kindseltern feierlich liturgischer Aufmachung auf die Gesellschaft, als dieser der Mangel eines Paten bewusst wird. Adriana Zartl als Mama Elisa und ihr Gatte Toni in Gestalt von Stefano Bernardin krallen sich kurzerhand das Faktotum Franco Marone (Roland Kuste), der sonst die Bar betreut. Unvermutet taucht ein Geigenkasten auf. In Mafiakreisen enthält ein derartiges Objekt selten ein Musikinstrument, eher eine Maschinenpistole. In diesem Fall besteht der Inhalt jedoch aus dem Vermögen von 20.000 €. Maroni erklärt sich bereit, den Koffer zu verwahren und wird von der eintreffenden Polizei (Markus Richter als Polizist) übersehen. Der Rest der Bande wird verhaftet. Dem guten Maroni fällt allerdings ein riesiges katholisches Kreuz hinterrücks auf den Kopf. Die Folge ist eine schwere Amnesie.

Sonja Romei, Clemens Aap LIndenberg © Metropol

Er hat vergessen, wo der Koffer ist...usw. Es wird mit der magnetischen Fußfessel geblödelt, mit dem Häfengitter Harfe gespielt und neben der Taufe soll auch geheiratet werden. Toto (Erik Arno) drückt sich nach dem Geschmack von Gina (Franziska Hetzel) schon zu lange ums entscheidende Ja-Wort herum. Zu guter Letzt stellt sich heraus, dass ausgerechnet die eiskalte Staatsanwältin und Mafiajägerin I. Kramer (Sonja Romei) die außereheliche Tochter des Paten ist. Liebe auf breiter Front!

Wer nun nach einer logischen Handlung sucht, wird sie möglicherweise beim Besuch dieses Musicals auch finden, ist aber keineswegs notwendig, um sich köstlich zu amüsieren.

Mit ungeheurem Schwung und rasantem Tempo erzählt das Ensemble unter der Regie von Vicki Schubert von der Liebe auf Italienisch, eben von Ti Amo. Dass sich die alten Hadern auch gnadenlos ins Ohr bohren, dafür sorgen Max Hagler und seine tollen Musiker. Ein Gag jagt den nächsten in diesem unbeschwerten Stück Italianitá, das sich so nicht nur am Stiefel, sondern ganz normal auch in Hernals, in der Heimat des Metropol, jederzeit abspielen könnte.

Markus Richter, Fransika Hetzel, Christian Deix © Metropol
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