Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Franz Schöllnast: Bassetthorn © MHV

Mozart und seine Wiener Netzwerke Ein Wiener Who's Who

Schnupftabakdose aus Mozarts Besitz © MHV

Der geniale Komponist als pragmatischer Unternehmer

Am 13. Juni 1781 schreibt Mozart ganz aufgebracht an seinen Vater: „Anstatt dass Graf Arco meine Bittschrift angenommen ... Nein! Da schmeißt er mich zur Tür hinaus und gibt mir einen Tritt im Hintern.“ Vorausgegangen war diesem legendären Arschtritt eine Auseinandersetzung mit dem Erzbischof, in der es um zwei Tage ging, die Mozart früher als ausgemacht aus Salzburg abreisen wollte. Die Rede ist dort bereits von seinem Dasein als freier Komponist, als Unternehmer, der von seinem Gelde leben muss und die Freiheit braucht, die ihm sein (Geld)Beutel gestattet. In Wien angekommen, hieß es nun, neue Auftraggeber zu finden, Spielstätten, Sponsoren und Zuhörer. Mozart erwies sich in dieser Angelegenheit als großartiger Netzwerker, die er mit seinen Opernpremieren und Akademien knüpfte.

Joseph Lange: Wolfgang Amadé Mozart, 1789, unvollendetes Ölgemälde © MHV

Die Grundlagen für diese „Kunst“ waren von seinem Vater Leopold geschaffen worden. Er hatte das Wunderkind durch Europas Fürstenhöfe geführt, ihn mit den Spitzen der Gesellschaft bis hinauf zum Papst bekannt gemacht und seinem Sohn damit die Scheu vor hohen Herrschaften genommen.

Josef Hauzinger: Kaiser Joseph II. (1741– 1790) am Spinett mit seinen zwei Schwestern © MHV

Im Mozarthaus Vienna begegnet man nun in der Sonderausstellung „Mozart und seine Wiener Netzwerke. Ein Querschnitt“ bis 14. Jänner 2018 all denjenigen Persönlichkeiten, die dem Komponisten ein durchaus kommodes Leben ermöglichten. Freilich gab es einige finanzielle Krisen, im Großen und Ganzen gehörte er jedoch zu den wirtschaftlich gut gestellten Bürgern der Stadt. Schließlich war er der erste, der in diesem Metier auf eigenen Beinen erfolgreich zu stehen vermochte. Mozart pflegte Umgang mit dem Hof und an dessen Spitze Kaiser Joseph II. Dieser hatte als aufgeklärter Herrscher die klassische Musik als Vehikel für sein neues Gedankengut erkannt. Er hörte Mozarts Musik oft und ohne Zwang, heißt es dort, ebenso schätzte er Joseph Haydn, von dem übrigens ein erst 2013 in den USA entdecktes Porträt von Christian Ludwig Seehas um 1785 ausgestellt ist. Als Bestätigung, wie sehr die neue Art zu Regieren angenommen wurde, wird ein kolorierter Kupferstich von Johann Hieronymus Löschenkohl aus 1782 gezeigt. Er trägt den reizenden Text „Wie unser Kaiser war noch Kein Monarch geliebt. Da jeder Bürger Ihm Geschenke freudig giebt.

Zu den Mäzenen und Sponsoren Mozarts zählten nicht zuletzt hohe Militärs, reiche Bürger, sehr wichtig! Verleger, Künstler und Dichter, Theaterleute und die Freimaurer. Schon sein Vater war Mitglied einer Loge und wusste um den Mehrwert, in einer solchen Verbindung aufgenommen zu sein, für das eigene Schaffen und Unternehmen. Die Porträts dieser Zeitgenossen, viele davon aus der Hand des populärsten „Bildermachers“ seiner Zeit, Johann Hieronymus Löschenkohl, machen einen guten Teil der wie üblich kleinen, aber ungemein aufschlussreichen Ausstellung aus.

 

Als dreidimensionale Objekte wurden zwei Musikinstrumente ausgewählt. Ein Bassetthorn aus der Werkstatt von Franz Schöllnast, gefertigt aus Buchsbaum, Horn und Messing, erstaunt durch seine eigenartige Form, die damals allerdings einem Kompromiss zwischen Ergonomie und noch nicht ausgereifter Mechanik zu verdanken sein dürfte.

Das zweite Blasinstrument ist ein abenteuerlich gebogenes Englischhorn von Theodor Lotz um 1780. Dieses um eine Quint tiefere Oboeninstrument war erst um 1749 in Wien eingeführt worden und hatte Mozart begeistert. Es findet sich solistisch eingesetzt als besonders eindringliche Farbe in Mozarts frühen italienischen Opern und Bläserdivertimenti. Für Notenbeispiele dieser Zeit steht unter anderen eine Handschrift der Kleinen deutschen Kantate „Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt“ KV 619.

Gesangsbuch für J. Ginzel: W. A. Mozart: „Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt“ © MHV
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